Der Sonderfall Kinderspital

Ein Finanzierungsplan wie jener des Kispi wäre in jedem anderen Spital ein Blindflug mit höchster Absturzgefahr.

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Da stimmt etwas nicht: Das neue Zürcher Kinderspital kostet rund 600 Millionen Franken, und nicht einmal die Hälfte davon kann das Spital aus seinen Betriebserträgen finanzieren. So, wie es die neue Spitalfinanzierung mit Fallpauschalen eigentlich vorsieht. Das ­Kispi ist auf Spenden angewiesen. Bis zu 200 Millionen muss es aufbringen, um das Projekt der Architekten Herzog & de Meuron realisieren zu können. Eine riesige Summe, selbst für einen erfolgreichen Drittmittelsammler wie das Kispi. Zwei Fragen drängen sich auf: Will das Spital mit den Stararchitekten zu hoch ­hinaus? Oder liegt das Problem im System der ­Spitalfinanzierung, die nicht richtig funktioniert?

Auch andere Spitäler kritisieren, in den Fall­pauschalen seien die Investitionskosten ungenügend berücksichtigt. Normale Spitäler können ihre Rechnungen aber mit den Zusatzversicherten aufbessern, deren Behandlung Gewinn abwirft. Diese Möglichkeit hat das Kispi kaum, seine Ertragskraft ist gering. Es ist – und war schon immer – ein Sonderfall. Der Kanton trägt dem ein Stück weit Rechnung, indem er ihm den höchsten Fallpreis zugesteht.

Mit der Wahl von Herzog & de Meuron hat sich das Kispi für einen Bau entschieden, der Prestige bringt. Sicher gäbe es günstigere Lösungen. Allerdings wäre es wohl schwieriger, potente Spender für einen unauffälligen Zweckbau zu finden. Wer viel Geld gibt, will etwas Besonderes sehen. Und die kranken Kinder sollen ein schönes Spital bekommen. Auch diesbezüglich ist das Kispi ein Sonderfall: Sein Sympathiebonus ist ausserordentlich gross. Und in der Folge die ­Spendenbereitschaft seiner Supporter. Ein Finanzierungsplan wie jener des Kispi wäre in jedem anderen Spital ein Blindflug mit höchster Absturzgefahr.

In einem Punkt müssen die Verantwortlichen des Kispi – und auch diejenigen anderer Spitäler auf dem Platz Zürich – aber umdenken: Sie dürfen ­Neubauten nicht mehr isoliert planen, sondern ­müssen Kooperationen suchen. Auf der Lengg bauen der Balgrist und das Kispi je ein eigenes Forschungsgebäude für Dutzende von Millionen Franken. Solche Luxuslösungen darf es nicht mehr geben.

Erstellt: 22.05.2014, 06:51 Uhr

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