«Der TCS lehnt Tempo 30 auf Hauptstrassen grundsätzlich ab»

Laut TCS-Geschäftsführer Reto Cavegn schaffen Tempo-30-Tafeln in der Stadt eine falsche Sicherheit und kriminalisieren die Autofahrer.

Wo das Tempo gedrosselt wird: Die geplanten Tempo-30-Strecken in Zürich

Wo das Tempo gedrosselt wird: Die geplanten Tempo-30-Strecken in Zürich Bild: Grafik: TA

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Warum ist der TCS gegen Tempo 30?
Der TCS Zürich ist nicht generell gegen Tempo 30. Wir wenden uns einzig dort gegen Tempo 30, wo sich die Funktion der Strasse und eine Temporeduktion widersprechen, etwa auf Hauptstrassen. 2001 wurde die Initiative für Tempo 30 flächendeckend klar abgelehnt, wir respektieren den Volksentscheid.

Heisst das, dass der TCS Tempo 30 auf Quartierstrassen akzeptiert?
Bei den Einsprachen haben wir uns auf die Ausschreibungen konzentriert, die Hauptstrassen betreffen. Tempo-30- Ausschreibungen auf Quartierstrassen, die wirklich einzig diese Funktion erfüllen, sind nicht Gegenstand unserer ­Beschwerden.

Tempo 30 erhöht die Sicherheit und führt zu weniger schweren Verletzungen. Bezweifeln Sie das?
Jede akzeptierte Temposenkung führt zu Senkung der Unfallschwere. Voraussetzung dazu ist aber, dass das signalisierte Tempo mit dem Strassenbild übereinstimmt. Das Vorhaben der Stadt, einfach Tempo-30-Tafeln aufzustellen, genügt nicht. Das schafft falsche Sicherheit und kriminalisiert die Automobilisten.

Tempo 30 reduziert den Verkehrslärm, ausser man fährt aus Trotz im 1. Gang. Bezweifeln Sie das auch?
Ja.

Warum bekämpfen Sie eigentlich nur schon den Versuch für Tempo 30 nachts? Fürchten Sie, dass das Ergebnis der Stadt recht gibt?
Der TCS Zürich lehnt Tempo 30 auf Hauptstrassen grundsätzlich ab. Zudem fehlt uns das Vertrauen in den Stadtrat, einen objektiven und ergebnisoffenen Versuch durchzuführen. Wir sind aber jederzeit bereit, eine breit und wissenschaftlich abgestützte Versuchsreihe mit dem Stadtrat zu diskutieren, nicht aber auf der Basis der bereits festgelegten Versuchsanordnung.

Es gibt mehrere Studien aus Deutschland, die Tempo 30 als Lärmschutzmassnahme empfehlen.
Diese sogenannten Studien kennen wir nicht. Auch die Stadt bezieht sich einzig auf den selbst fabrizierten Erfahrungsbericht vom Pilotversuch an der Kalchbühlstrasse. Die Schätzung der Lärmsenkung basiert auf Modellberechnungen aus dem Lärmkataster, es liegen auf der ganzen Linie keine wissenschaftlichen Studien und Begründungen vor.

Die Stadt will aus Lärmschutz­gründen bis 2018 noch etwa 80 zusätzliche Tempo-30-Abschnitte einführen. Wird der TCS gegen alle Massnahmen Einsprache erheben?
Nein. Tempo-30-Ausschreibungen, die ausschliesslich Quartierstrassen betreffen und der Verkehrssicherheit dienen, sind nicht Ziel unserer Einsprachen.

Wie soll bis 2018 die Lärmschutz­verordnung eingehalten werden? Oder ist das für den TCS gar nicht nötig?
Das ist eine Unterstellung! Aber die Strasse wird wie Flugverkehr und SBB eine Lärmquelle bleiben. Technische Entwicklungen an Fahrbahnen und Fahrzeugen und optimierte Verkehrsführungen werden wesentliche Verbesserungen der Lärmsituation bringen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.04.2014, 10:01 Uhr

Der ehemalige FDP-Kantonsrat Reto Cavegn ist Geschäftsführer der Sektion Zürich des Touring-Clubs Schweiz.

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