Fifa

Der Zürcher Fifa-Sitz nach Blatters Abgang

Die Drohung einer Verlegung des Fifa-Sitzes sprach Sepp Blatter vor Jahren aus. Und jetzt?

Er mag Zürich: 2004 weihte Sepp Blatter das Fifa-Tram ein.

Er mag Zürich: 2004 weihte Sepp Blatter das Fifa-Tram ein. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Zwischen Zürich und der Fifa herrscht eine Hassliebe. So sehr die Stadt die Millionen der Weltfussballorganisation schätzt, so sehr ärgert sie sich über deren schlechten Ruf.

Mit dem Rücktritt von Sepp Blatter könnte die Hassliebe enden. Vor fünf Jahren drohte Blatter: Eine Verlegung könnte anstehen, falls er nicht mehr im Amt sei. Die Franzosen wollten den Hauptsitz zu sich holen, die Koreaner ebenso. Nur dank seiner Macht könne Zürich die Fifa behalten, liess Blatter durchblicken.

Vor einem Monat klang es dann ganz anders. In einem Interview mit «20 Minuten» sagte Blatter: «Die Fifa bringt hier niemand weg.» Einer Verlegung müssten 75 Prozent der Delegierten zustimmen, doch diese kämen nach wie vor sehr gerne in die Schweiz. «Die Schweiz ist ein Paradies.»

Zürich bleibt attraktiv

Der Fifa-Experte Guido Tognoni hält dieses Bekenntnis zu Zürich für glaubwürdig: «Auch wenn die Fifa 1000 Probleme hat, die Standortfrage gehört nicht dazu.» Die jetzigen Turbulenzen hätten rein gar nichts mit Zürich zu tun, die Stadt bleibe ein attraktiver Ort für den Hauptsitz.

So sieht es auch Nat Bächtold, Sprecher von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP): «Die Fifa ist seit 83 Jahren in Zürich. Wir gehen davon aus, dass es auch in Zukunft so bleibt. Wir haben keine anderen Hinweise.»

Ein Wegzug bedeutete für die Fifa auch einen finanziellen Verlust. In den letzten 15 Jahren hat sie viel Geld in Zürcher Häuser gesteckt. 240 Millionen Franken kostete der neue Hauptsitz neben dem Zoo, 75 Millionen das Fifa-Museum in der Enge, das in den ersten Monaten 2016 eröffnet werden soll. An den Museumsplänen ändere sich mit dem Rücktritt Sepp Blatters nichts, sagt Sprecher Marco Caprez.

Von den Fifa-Millionen profitiert nicht nur das Baugewerbe. Allein der Kongress von letzter Woche bescherte den Zürcher Luxushotels etwa 5000 Übernachtungen.

Zürcher Schulkinder und Hobbyfussballer haben gerade 20 Millionen aus dem Fifa-Hauptquartier bekommen. Ursprünglich wollte die Fifa mit dem Geld das geplante Fussballstadion im Hardturm sponsern. Sie forderte jedoch ein reines Sitzplatzstadion, die Stadt beharrte auf Stehplätzen. Nun fliessen die 20 Millionen in neue Kunstrasen-Fussballplätze und Flutlichtanlagen.

36 Millionen Franken Steuern

Seit kurzem liefert die Fifa in Zürich auch bedeutend mehr Steuern ab. Bis 2010 zahlte sie rund eine halbe Million Franken pro Jahr – trotz Gewinnen von über 200 Millionen. Seither sind die Steuerbeträge Jahr für Jahr gestiegen. 2014 erreichten sie 36 Millionen, wie Sepp Blatter in einem Interview sagte. Er stellte diese Abgaben als freiwillig dar, die Fifa sei nicht verpflichtet dazu. Allerdings hat der politische Druck, dass die Fifa mehr Geld versteuern soll, stark zugenommen.

Die Zürcher und die Schweizer Linke hat sich in den letzten Jahren immer wieder über die Fifa beklagt, im Gemeinderat kommt es regelmässig zu Fifa-Debatten. Die Vorwürfe lauten jeweils: Die Stadt verhalte sich demütig und unterwürfig gegenüber den «mafiösen Funktionären». Die Baubewilligung für den neuen Fifa-Hauptsitz sei rechtlich fragwürdig, am Sonnenberg verlange die Stadt zu wenig Miete. Und vor allem: Die ständigen Korruptionsskandale schadeten dem Ansehen Zürichs.

Für die Zürcher Fifa-Kritiker ändert sich mit dem Rücktritt von Sepp Blatter vorerst nichts. «Wir werden diesen extrem mächtigen Verein weiterhin kritisch betrachten», sagt der grüne Gemeinderat Marcel Bührig. Wenn ein Reformer die Nachfolge Sepp Blatters übernehme, sei das positiv. Bührig ist aber skeptisch, ob sich bei der Fifa tatsächlich viel ändern werde.

Letztes Jahr schlugen Bührig und seine Parteikollegin Christina Hug im Gemeinderat erfolglos vor, die Fifa-Strasse vor dem Fifa-Hauptsitz umzutaufen. Einen neuen Namen hatten sie auch schon: «Tschau-Sepp-Strasse». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2015, 14:19 Uhr

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