Der grosse Kampf um die 180 Sitze

Die Grünliberalen und die BDP müssen sich anstrengen, ihre Sitze im Zürcher Kantonsparlament zu verteidigen. FDP und AL wittern Morgenluft.

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Hält der Trend der Gemeindewahlen vom Frühling 2014 an, gewinnen die FDP, die GLP und die AL die kantonalen Wahlen vom 12. April. Verlierer wären SVP, SP und EVP. Letztere, die BDP und die EDU müssen gar darauf achten, dass sie die 5-Prozent-Hürde in einem der 18 Wahlkreise schaffen. Der «Tages-Anzeiger» hat jeden Wahlkreis analysiert, wobei es oft einen Vorbehalt gibt für die personellen Prognosen. Der Grund dafür ist das Wahlsystem nach Pukelsheim. Es garantiert den Zürcher Wählerinnen und Wählern zwar seit 2007 fairere Resultate: Keine Stimme ist mehr für den Papierkorb, die Sitzzahl der Parteien entspricht ihrem kantonalen Wähleranteil. Der Nachteil: Wer genau wo zum Handkuss kommt, ist weniger durchsichtig. Zwei Beispiele von 2011: Im Bezirk Meilen holte die EDU mit 2,4 Prozent Wähleranteil genauso einen Sitz wie die GLP mit 12,2 Prozent. Und in Uster erhielt die BDP mit 6,8 Prozent zwei Sitze, die Grünen mit 8,2 Prozent nur einen.


Zürich: Kreis 1 + 2
Ein Bisheriger wird über die Klinge springen müssen
Im Wahlkreis, der die Altstadt, die Enge, Wollishofen und Leimbach vereint, wirds eng. Denn er verliert einen Sitz an den Bezirk Dielsdorf. Der Grund ist nicht, dass die Kreise 1 und 2 geschrumpft sind. Aber der Nordwesten des Kantons ist bevölkerungsmässig stärker gewachsen als Zürichs linkes Seeufer. Das ist der zweite Akt der Sitzverschiebungen aufs Land. 2011 hatte der Zürcher Kreis 7 + 8 einen Sitz an den Bezirk Hinwil verloren. Da alle Bisherigen erneut kandidieren, wird der Sitzverlust dazu führen, dass ein Parlamentsmitglied abgewählt wird. Die SP mit dem 2014 für Sabine Ziegler nachgerutschten Andrew Katumba muss sich am wenigsten Sorgen machen. Sie ist die klar stärkste Partei und stellt nach dem Sitzverlust von 2011 wie SVP, FDP, Grüne und Grünliberale ein Ratsmitglied. Das Duell findet zwischen Beat Bloch, der als Christlich-Sozialer auf der grünen Liste 2012 für Françoise Okopnik nachgerutscht ist, und Beni Schwarzenbach (GLP) statt. Vorteile hat Bloch, da er die stärkere Liste hinter sich hat. (pu)


Zürich: Kreis 3 + 9
Die SP mit einer jungen Frau, die SVP erneut mit Roger Liebi
Die Sitzverteilung war in diesem Wahkreis zuletzt stabil, wobei die SP und die SVP je ein Viertel der zwölf Sitze besetzten. Die SVP holt ihre Stimmen hauptsächlich in Altstetten (Kreis 9). Vor vier Jahren reichte das nur haarscharf für den dritten Sitz. Dieser ging an Stadtparteipräsident Roger Liebi. Er trat nach kurzer Zeit zurück, steht dieses Jahr aber erneut auf dem dritten Listenplatz, gefolgt von der Altstetter Quartiervereinspräsidentin Esther Leibundgut. Von den 2011 gewählten zwölf Kantonsräten treten nur gerade vier erneut an, darunter der profilierte Grüne Ralf Margreiter und der SVP-Verkehrsexperte Lorenz Habicher. Die meisten anderen haben wie Liebi vorzeitig aufgehört. Da ihre Ersatzleute noch nicht lange im Amt sind, stellen sich zehn Bisherige zur Wiederwahl, was die Chancen für neue Gesichter mindert. Eine Ausnahme ist Pia Ackermann, eine 27-jährige Physiotherapeutin mit ausgeprägt linkem Profil, die von der SP an die Listenspitze gehievt wurde. Sie ist damit die designierte Nachfolgerin der langjährigen Kantonsrätin Emy Lalli. (hub)


Zürich: Kreis 4 + 5
Kaum Chancen für die Parteien rechts der GLP
Im linksten Wahlkreis der Schweiz teilen SP (2), Grüne, AL und GLP die fünf Sitze unter sich auf. Vor vier Jahren ging der SVP-Sitz, den der heutige Parteipräsident Alfred Heer geholt hatte, verloren. Auch Mauro Tuena, der bekannteste SVPler der Stadtzürcher Politik, konnte ihn nicht verteidigen. Die Partei verlor fast ein Drittel ihrer Wähler. Es profitierte die GLP mit ihrem Kandidaten Cyrill von Planta. Er ist pikanterweise der Sohn von Andrea von Planta, der für die SVP nach Heers Wechsel in den Nationalrat nachrutschte. Der Sitz blieb also in der Familie, nicht aber in der Partei. Die beiden SP-Sitze von Angelo Barrile und Céline Widmer sind genauso ungefährdet wie jener von Markus Bischoff (AL), der auch für den Regierungsrat kandidiert. Genauso wenig muss Gabi Petri zittern, auch wenn die amtsälteste Kantonsrätin auf ihrer Liste von Jungspund Luca Maggi und dessen Onkel Maurice Maggi, dem bekannten Guerilla-Gärtner, bedrängt wird. Am ehesten wird Cyrill von Planta von SVP-Neuling Walter Anken herausgefordert. (pu)


Zürich: Kreis 6 + 10
Das grosse Hoffen bei den Freisinnigen
In Unter- und Oberstrass sowie Wipkingen und Höngg ist die SP mit 30,2 Prozent Wähleranteil und drei Sitzen klar stärkste Partei. In den Kantonsratswahlen 2011 konnte sie 1 Prozent zulegen, in den Gemeindewahlen 2014 schwächelte sie leicht. Für die zurücktretende Erika Ziltener steht Esther Straub auf dem dritten Platz, Gemeinderätin und Pfarrerin. Die SVP verlor 2011 3 Prozent, konnte ihre zwei Sitze mit dem Wähleranteil von 16,4 Prozent aber halten. Rolf Stucker tritt zurück, ihn ersetzt der bekannte Gemeinderat Mauro Tuena. Die Grünen (15%) und die GLP (12%) treten mit den Bisherigen an: Kathy Steiner und Eva Gutmann. Interessant siehts bei der FDP aus: Sie wähnt sich seit den Gemeindewahlen 2014 im Aufwind und hat Carmen Walker Späh als Bisherige an der Spitze, die Regierungsrätin werden möchte. Auf Platz 2 und 3 hoffen die Gemeinderäte Alexander Jäger und Michael Baumer, der Präsident der Stadtpartei. 2007 schnappte die AL mit Judith Stofer der CVP mit Nicole Barandun den Sitz weg. Beide kandidieren erneut. (jr)


Zürich, Kreis 7 + 8
Feuer im Dach bei der SVP: Wer kann Vogt beerben?
Der Wahlkreis ist bekannt für knappe Resultate. Auch diesmal wirds heiss: Weil Hans-Ueli Vogt SVP-Ständeratskandidat ist und im Herbst wohl Nationalrat wird, kann der Zweitplatzierte nachrücken. Vogt wurde 2011 mit bloss einer Stimme Vorsprung auf Susanne Brunner gewählt. Gemeinderat Urs Fehr auf dem zweiten Platz und die letztjährige Stadtratskandidatin Nina Fehr Düsel, Tochter von Nationalrat Hans Fehr, liefern sich einen intensiven Wahlkampf. Auch an der Sitzverteilung könnte sich etwas ändern. Die SP muss den Abgang von Stadtrat Raphael Golta und seiner Frau Catherine Heuberger verdauen. Spitzenkandidatin ist die nachgerutschte Isabel Bartal. Als zweiter Bisheriger tritt Michael Stampfli in Winterthur-Land an. Diesen Sitz soll Bezirksrichter Martin Sarbach verteidigen. Die FDP dagegen hat mit Handelskammer-Direktorin Regine Sauter einen sicheren Wert, die Zweite ist Kinderchirurgin Bettina Balmer. Grüne Spitzenkandidatin ist Fraktionschefin Esther Guyer, bei der GLP tritt die Bisherige Denise Wahlen erneut an. (rba)


Zürich: Kreis 11 + 12
SVP und EVP müssen sich Sorgen machen
In Zürich-Nord mit Oerlikon, Seebach, Affoltern und Schwamendingen ist die SP stärkste Partei mit einem Wähleranteil von 27 Prozent aus den Wahlen 2011. Die SVP verlor damals 3,2 und kam auf 26,5 Prozent, konnte ihre vier Sitze aber dennoch behalten. Die SP blieb bei drei. Beide Parteien haben einen Rücktritt: Für Walter Isliker (SVP) soll es Ex-Gemeinderat Bruno Wohler richten; für Silvia Seiz-Gut (SP) Birgit Tognella-Geertsen, die Frau von Roger Tognella, dem FDP-Fraktionschef im Gemeinderat. Die FDP hat in Zürich-Nord einen Sitz, gleich wie Grüne, GLP, CVP und EVP. Alle Bisherigen dieser fünf Parteien kandidieren erneut. Von ihnen dürfte es Peter Ritschard am schwersten haben, schrumpft doch seine EVP ständig und ist bei einem Wähleranteil von 3,4 Prozent angelangt. Auch die CVP verliert mit jeder Wahl, doch hat sie diesmal mit der amtierenden Kantonsrätin Silvia Steiner eine Regierungskandidatin, die Schlagzeilen macht. Auf Platz zwei der CVP-Liste steht Gemeinderätin Ruth Ackermann. Die AL hat Theaterregisseurin Laura Huonker auf Platz 1. (jr)


Dietikon
Holt die EVP von der GLP ihren Sitz zurück?
Vor vier Jahren wurde Kurt Leuch (EVP), der Sozialvorstand in Oberengstringen, von der GLP aus dem Kantonsrat verdrängt. Jetzt steht er wieder in den Startlöchern. Und es wackelt am ehesten der GLP-Sitz. Denn der damalige Sieger René Gutknecht (Urdorf) tritt nicht mehr an. ­Seinen Sitz verteidigen will Nikolaus Wyss, Gemeinderat in Schlieren. Zwei gewichtige Rücktritte muss die SVP wettmachen. Mit Willy Haderer (Unter­engstringen) und Hanspeter Haug (Weiningen) verliert der Kantonsrat zwei Charakterköpfe aus dem Limmattal. Es wird der SVP aber kaum Mühe bereiten, ihre vier Sitze zu halten: Hier stehen Diego ­Bonato (Aesch) und André Bender (Ober­engstringen) bereit. Bei der SP (2 Sitze), der CVP (1 Sitz) und den Grünen (1 Sitz) wird wohl alles beim Alten bleiben. Bei den Freisinnigen fragt sich höchstens, ob der zweitplatzierte André Müller aus Uitikon nicht der Schlieremer Stadträtin Bea Krebs den Vortritt lassen muss. Der zweite FDP-Sitz wird durch den Rücktritt von Brigitta Johner frei. (net)


Affoltern
Wer kann die ledigen Stimmen der BDP einheimsen?
Die BDP könnte im Knonaueramt gerade deshalb eine Rolle spielen, weil sie nicht mehr antritt. Sie machte vor vier Jahren knapp 5 Prozent der Wählerstimmen. Wohin wandern diese jetzt? Zur SVP? Dann ändert sich an der Sitzverteilung nichts: (2 SVP, je 1-mal SP, FDP, Grüne und GLP) Oder zur EVP? Würde das reichen, um den Sitz der GLP zu gefährden? Bei der EVP steht die damals überraschend abgewählte «Panaschierkönigin» Lisette Müller (Knonau) allerdings nur als Listenfüllerin bereit. Den einzigen Rücktritt hat die SVP zu verzeichnen: Jakob Schneebeli (Affoltern a. A.) macht Platz – vielleicht für eine Frau. Affolterns Finanzvorsteherin Susanne Leuenberger steht hinter Martin Haab (Mettmenstetten) auf Platz zwei und könnte die reine Männerbastion stürmen. Kann sein, dass bald auch der Affoltemer Hochbauvorstand Hans Finsler in den Kantonsrat einzieht: Falls Haab in den Nationalrat kommt. Bei SP, FDP und bei den Grünen wird es voraussichtlich weder bei der Sitzzahl noch bei den Personen zu Wechseln kommen. (net)


Horgen
Die FDP will das Wahldebakel von 2011 vergessen machen
Der Bezirk stellt derzeit 16 Kantonsratsmitglieder, obwohl ihm nur 15 zustehen. Dies rührt daher, dass Margrit Haller (SVP) von Zürich nach Kilchberg gezogen ist. Sie kandidiert wieder, wurde von ihrer neuen Bezirkspartei allerdings auf Platz 11 der Wahlliste versetzt. Von den 16 Amtsträgern wollen es 15 wieder wissen. Nur Arnold Suter (SVP) tritt zurück. Speziell ist, dass mit Philipp Kutter (CVP), Johannes Zollinger (EVP), Jonas Erni (SP) und Astrid Furrer (FDP) eine beschlussfähige Delegation des Wädenswiler Stadtrats im Zürcher Rathaus politisiert. Die letzten Wahlen gerieten für die lange im Bezirk dominierende FDP zum Debakel. In den besten Zeiten schickte sie 6 Mitglieder nach Zürich, 2007 4 und 2011 noch 2. Derzeit versucht die FDP mit sichtbarem Einsatz, zumindest einen Sitz zurückzuholen. Derweil tun SP, GLP und BDP alles, um ihre Erfolge von 2011 zu wiederholen. Gleichzeitig will die SVP ihren vierten Sitz verteidigen und trachtet die CVP danach, den vor vier Jahren verlorenen zweiten Sitz zurückzuerobern. Für Spannung ist also gesorgt. (pu)


Meilen
Mörgelis Neffe kämpft für die SP gegen Martullo-Blocher
Die Goldküste wird durch SVP (4 Sitze)und FDP (3) dominiert, die SP hatte 2011 zwei Vertreter, die übrigen Sitze werden teils durch die Launen des Pukelsheim verteilt. Bei der SVP hat Claudio Zanetti den Spitzenplatz Theresia Weber überlassen. Für sie geht es um viel: Schafft sie die Wiederwahl, wird sie im Mai zur Ratspräsidentin gewählt. Zittern muss bei der SVP der viertplatzierte und schon einmal abgewählte Rolf Zimmermann. Von hinten drängen nämlich der Volketswiler Gemeindeschreiber Tumasch Mischol und mit einem enormen Wahlkampfbudget Blochers Schwiegersohn Roberto Martullo. Bei der FDP treten die drei Bisherigen wieder an: Katharina Kull, Beatrix Frey-Eigenmann und Peter Vollenweider. Die SP hat als Bisherigen bloss noch Hanspeter Göldi; Jusstudentin Ursina Egli hört bereits wieder auf. Auf dem dritten SP-Platz tritt der 22-jährige Rafael Mörgeli an, der Neffe von Christoph Mörgeli. Am ehesten zittern wegen eines Sitzverlustes muss bei der CVP Apothekerpräsident Lorenz Schmid und bei der EDU Heinz Kyburz. (rba)


Hinwil
Für die EDU geht es in ihrem Stammland um alles oder nichts
Die Resultate aus diesem Wahlkreis wird eine Partei besonders gespannt erwarten: die EDU, die ihre Stimmen vor allem im freikirchlichen Lager holt. Nur in Hinwil schaffte sie in den letzten Wahlen jeweils das Quorum von 5 Prozent, das sie dazu berechtigt, überhaupt Vertreter in den Kantonsrat zu schicken. Zuletzt hat sie aber Wähleranteile verloren. Sonst scheinen die Verhältnisse stabil – wobei die SVP mit vier von zwölf Sitzen dominiert. Neun bisherige Parlamentarier treten erneut an. Bei den Grünen hat der frühere Wetziker Gemeinderatspräsident und verhinderte Stadtpräsident Max Homberger aber die junge Kantonsparteipräsidentin Marionna Schlatter im Nacken. Und bei der BDP, die vor vier Jahren profitierte, als Hinwil einen zusätzlichen Sitz bekam, lauert hinter der Bisherigen Cornelia Keller die Frau von Regierungsratskandidat Marcel Lenggenhager. Sie könnte vom bekannten Namen profitieren. Zwingend ist ein Wechsel nur bei der SVP: Sie will zwei Sitze neu besetzen – unter anderem mit der Bäuerin Elisabeth Pflugshaupt. (hub)


Uster
In der Hochburg der Grünliberalen zittert die BDP
Uster ist nach Bülach der zweitgrösste Wahlkreis im Kanton. Ihm stehen 16 Sitze zu. Die SVP ist mit gut 31 Prozent der Wählerstimmen die stärkste Partei. Doch Uster ist vor allem die Hochburg der Grünliberalen. Sie sind hier nach SVP und SP die drittgrösste Partei. Stark vertreten ist aber auch die BDP, die hier wie Grünliberale, SP und FDP 2 Sitze hat. Zu verdanken hat sie diese aber nicht ihrem Wähleranteil, sondern dem doppelten Pukelsheim. Damit die BDP-Kantonsräte Stefan Hunger und Bruno Fenner ihre Sitze halten können, darf die BDP keine Stimmen verlieren. Im dümmsten Fall könnten gar beide ausscheiden. Profitieren würden am ehesten SP, Grüne oder GLP, die eher untervertreten sind. Von den bisherigen Kantonsräten treten mit Ausnahme von Ornella Ferro (Grüne) und Heinrich Wuhrmann (SVP) alle wieder an. Bei den Grünen ist Karin Fehr Thoma die aussichtsreichste Kandidatin auf den Sitz von Ferro. Bei der SVP hat Seklehrer Karl Bertschinger (66) die besten Chancen auf den Sitz von Wuhrmann. (sch)


Pfäffikon
Am meisten Gefahr droht von den Parteikollegen
Auch im Bezirk Pfäffikon dominiert die SVP, mit 36 Prozent der Stimmen und zwei Kantonsratssitzen. Doch dahinter buhlen mit der SP, der FDP, den Grünen und den Grünliberalen etwa vier gleich starke Parteien um die Gunst der Bevölkerung. Und es deutet alles darauf hin, dass sie alle ihren Sitz halten können. Etwas enger könnte es für die EVP werden. Wenn ihr Kantonsrat Walter Schoch seinen Sitz verliert, könnten EDU oder BDP profitieren. Von den sieben bisherigen Kantonsräten treten alle nochmals an. Die grösste Konkurrenz droht ihnen auf den eigenen Listen. Am schwersten dürfte es der noch ziemlich unbekannte Grüne Urs Dietschi haben. Prominente Konkurrenz hat SP-Kantonsrätin Sabine Sieber von Juso-Präsident Fabian Molina, und der freisinnige Fast-Regierungskandidat Thomas Vogel muss sich gegen zwei gestandene und bekannte Gemeindepolitiker wehren: Philipp Wespi (Illnau-Effretikon) und Lukas Steudler (Pfäffikon). Bei der SVP müssen die Herausforderer Hans-Heinrich Raths und Reinhard Fürst schlagen. (sch)


Winterthur-Stadt
SP und SVP liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Sie sind mit einem Wähleranteil von knapp 22 Prozent die stärksten Parteien der Stadt – und wollen es bleiben: Die SP und die SVP kämpfen um je drei Sitze. Dafür schicken sie Bisherige ins Rennen. An der Spitze stehen für die SP Mattea Meyer und für die SVP René Isler. Auch bei den anderen Parteien gibt es auf den ersten Plätzen keine neuen Gesichter. Auffallend: SP-Politikerin Meyer ist die einzige Frau von AL bis EDU, die auf dem ersten Platz einer Liste steht. Vor allem die FDP, die Grünliberalen und die Grünen haben sich über ihre fehlenden Kantonsrätinnen Gedanken gemacht. Die drei Parteien führen deshalb eine Frau auf dem zweiten Platz. Carola Etter-Gick will für die FDP, Katrin Cometta-Müller für die GLP und Renate Dürr für die Grünen ins Parlament. Ein Mann muss um seinen Sitz richtig zittern: der BDP-Regierungsratskandidat Marcel Lenggenhager. Vor vier Jahren knapp gewählt, könnte ihn das Schicksal von Parteikollegen in anderen Kantonen ereilen – und er wird abgewählt. Anders als 2011 ist der Widmer-Schlumpf-Effekt 2015 nämlich verblasst. (meg)


Winterthur-Land
Pukelsheim-Opfer SVP will Revanche nehmen
Hier treten bis auf Katharina Weibel (FDP) alle Bisherigen wieder an. Zu ihnen gesellt sich Michael Stampfli (SP). Er ist in Ossingen (Andelfingen) aufgewachsen und wohnt in Winterthur. 2011 wurde er im Zürcher Kreis 7 + 8 dritter Ersatzmann und rutschte nach. Sein Sitz ist stark gefährdet, hat die SP doch seit 2007 jeweils nur einen Sitz geholt. Diesen besetzt Theres Agosti, die ebenfalls nachgerutscht ist. Die sichersten zwei Sitze hat die SVP. Obwohl sie zwischen 2003 und 2011 nur 1,2 Prozent Wähleranteile verlor, büsste sie wegen des neuen Wahlsystems zwei Sitze ein. Nun soll Marco Calzimiglia einen Sitz zurückerobern. Der Seuzacher Schulpräsident ist Weibel kürzlich knapp im Kampf ums Gemeindepräsidium unterlegen. Für die FDP mit vielen Neulingen auf der Liste soll Prisca Koller Weibels Sitz verteidigen. Bei den Grünen kandidieren vier Biobauern, wobei der Bisherige Urs Hans die besten Chancen hat. Als sichere Werte gelten Christoph Ziegler auf der GLP- und Markus Schaaf auf der EVP-Liste. Bei der BDP kandidiert Neo-Nationalrat Ruedi Winkler auf dem letzten Platz. (pu)


Andelfingen
Vier Sitze, vier Bisherige
Es gibt definitiv spannendere Ausgangslagen als jene in Andelfingen. Vier Sitze stehen dem Bezirk im Kantonsrat zu, und alle vier bisherigen Ratsherren – eine Frau ist nicht darunter – treten erneut zur Wahl an: Konrad Langhart und Martin Zuber (beide SVP) sowie Markus Späth (SP) und Martin Farner (FDP). Ernsthaft um die Wiederwahl bangen muss keiner der vier, wenn nicht gerade ein politisches Erdbeben passiert wie vor vier Jahren, als die FDP dramatische Verluste hinnehmen musste. Von den Wähleranteilen her könnten allenfalls die Grünen zur Konkurrenz für FDP oder SP werden. Unrealistisch ist das nicht, seit in Benken ein Atommüll-Endlager immer wahrscheinlicher wird. Allerdings müssten die Grünen dafür ihren Wähleranteil gegenüber 2011 deutlich steigern; damals erreichten sie gut 10,4 Prozent. Anderseits profitieren sowohl Farner als auch Späth als Gemeindepräsidenten sicherlich von einem gewissen Bekanntheitsbonus. Dass die SVP einen weiteren Sitz erobert, ist bei einem Wähleranteil von über 40 Prozent eher nicht zu erwarten. (leu)


Bülach
SVP und FDP hoffen, BDP und SP bangen
Sechs von siebzehn Sitzen hält die SVP im Bezirk Bülach – und die Partei hat keineswegs genug, sondern hofft auf einen siebten Sitz. Die Chancen dafür seien gut, glaubt Parteipräsident Matthias Hauser – auch wenn die SVP einige Prozentpunkte zulegen müsste. Und woher könnten die nötigen Stimmen kommen? Wohl am ehesten von der BDP: Deren Spitzenkandidatin Astrid Gut sitzt erst seit einem Jahr im Kantonsrat und ist noch relativ unbekannt. Auf den BDP-Sitz abgesehen hat es auch die FDP, die vor vier Jahren einen von einst drei Sitzen verloren hat. Die FDP führt einen enorm engagierten Wahlkampf, aber auch sie hat ein Handicap. Mit Sozial-Hardlinerin Linda Camenisch kandidiert für die FDP nur eine einzige Bisherige. Neben der BDP muss möglicherweise auch die SP zittern, die vor vier Jahren ihren dritten Sitz nur knapp gehalten hat. Die zwei Bisherigen Ruedi Lais und Priska Seiler Graf dürften aber problemlos gewählt werden. Auch die Grünen, CVP, EVP, GLP und EDU treten mit profilierten Bisherigen an, hier sind eher keine Veränderungen zu erwarten. (leu)


Dielsdorf
Wer gewinnt den zusätzlichen Sitz?
Im Bezirk Dielsdorf gibt es dank der gestiegenen Einwohnerzahl einen zusätzlichen Sitz zu gewinnen. Bei den heutigen Wähleranteilen haben Freisinnige und Sozialdemokraten die besten Chancen darauf. Beide Parteien haben nur einen Sitz. Die SP hatte vor vier Jahren einen Sitz verloren. Hoffnungen macht sich auch die CVP, die vor vier Jahren ihren einzigen Sitz an die EDU abtreten musste. Kaum Chancen hat die SVP, die vor vier Jahren dank des neuen Wahlsystems einen fünften Sitz gewann. Von den zehn bisherigen Kantonsräten treten Gabriela Winkler (FDP) und Hans Frei (SVP) nicht mehr an. Bei den Freisinnigen ist Schulpräsidentin Barbara Franzen die aussichtsreichste Winkler-Nachfolgerin. Bei der SVP kämpfen die vier Wiederkandidierenden mit aufwendigen Plakatkampagnen um ihre Sitze. Ihre Chancen sind gut. Ob die SVP den fünften Sitz halten kann, ist ungewiss. Wenn dies gelingt, dürfte er an Erika Zahler aus Boppelsen gehen. Ungefährdet scheint die Wiederwahl von Daniel Frei (SP), Robert Brunner (Grüne) und Barbara Schaffner (GLP). (sch)

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(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.03.2015, 23:53 Uhr)

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Intensiver Wahlkampf um die 180 Sitze im Kantonsrat – im umstrittenen Bezirk Meilen mit vielen Plakaten. Foto: Sabina Bobst

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