Deutliches Ja zum Rosengarten

Bürgerliche und EVP haben das milliardenteure Tunnel- und Tramprojekt durchgewinkt. Entscheiden wird wohl das Volk: Der VCS ergreift das Referendum.

Ein Tunnel soll dereinst die Autos aufnehmen, die die Rosengartenstrasse hinaufbrausen. Foto: Fabienne Andreoli

Ein Tunnel soll dereinst die Autos aufnehmen, die die Rosengartenstrasse hinaufbrausen. Foto: Fabienne Andreoli

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Es war fast, als hätte es das Ereignis vom Sonntag, das als «Klimawahl» in die Annalen des Kantons eingehen dürfte, nie gegeben. Der Kantonsrat hat alle links-grünen Bedenken in den Wind geschlagen und mit 102 zu 64 Stimmen den geplanten Rosengartentunnel gutgeheissen. 1,1 Milliarden Franken soll das Bauprojekt kosten; neben dem 2,3 Kilometer langen Tunnel ist auch eine neue Tramverbindung zwischen Hardbrücke und Bucheggplatz geplant.

Die Tramverbindung war gestern für die aus allen bürgerlichen Parteien sowie der EVP bestehende Ratsmehrheit so etwas wie das grüne Mäntelchen für das Projekt. Das Tram nehme künftig einen grossen Teil des Pendlerverkehrs auf, argumentierten die Befürworter. Eine ­Alternative zum Tunnel gebe es nicht. Und es gebe auch «keinen vernünftigen Grund, um dagegen zu sein», sagte Sonja ­Rueff (FDP, Zürich). Ihr Parteikollege Christian Schucan (Uetikon am See) ergänzte, Stau produziere mehr CO2 als fliessender Verkehr. Ausserdem brauchten Elektromobile künftig auch Strassen.

Neukom im Quartier vorn

SP, Grüne und GLP waren ganz anderer Meinung. Für sie ist der Tunnel nicht zukunftsfähig, sondern rückwärtsgewandt. «Wie man bei diesem Projekt von einem vernünftigen Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen sprechen kann, ist mir ein Rätsel», fand Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon). Andrew Katumba (SP, Zürich) sagte, mit dem Tunnel werde eine Bau­sünde durch eine neue ersetzt und die Stadt mit Verkehr geflutet.

Mehrere SP-Redner betonten, das Quartier sei gegen den Tunnel, der nur gerade 600 Meter Strasse beruhige. Ein Indiz dafür sei das Wahlresultat von Martin Neukom in Wipkingen, sagte Kathy Steiner (Grüne, Zürich): Im Kreis 10 erhielt der Grüne 5421 Stimmen und distanzierte damit die Volkswirtschaftsdirektorin und «Tunnelmutter» Carmen Walker Späh (FDP) um fast 2000 Stimmen.

«Teuer und zerstörerisch»

Erneut ein Thema waren die 56 000 Fahrzeuge, die dereinst maximal durch den Tunnel fahren sollen. Die Bürgerlichen hatten es in der ersten Lesung abgelehnt, die Zahl ins Gesetz zu schreiben. Der Zürcher Stadtrat hatte daraufhin angekündigt, sein Ja zum Tunnel zu überdenken. Inzwischen haben sich Stadt- und Regierungsrat zusammengesetzt. Walker Späh kündigte gestern eine Betriebsvereinbarung mit der Stadt an, in der unter anderem die Modalitäten des geplanten Verkehrsmonitorings definiert werden sollen.

Das letzte Wort ist mit dem Ja des Parlaments noch nicht gesprochen. Im Zürcher Gemeinderat steht ein Gemeindereferendum zur Diskussion. Und der VCS kündigte kurz nach dem gestrigen Entscheid an, das ­Referendum gegen das «teure und stadtzerstörerische Tunnelprojekt» zu ergreifen. Das Projekt kommt also mit hoher Wahrscheinlichkeit an die Urne.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2019, 23:40 Uhr

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