Deutsche Bahn verkauft Billette im Bahnhof Wipkingen

Das Bahnhofreisebüro Wipkingen wird Vertriebsagentur der Deutschen Bahn. Der zusätzliche Billettverkauf sichert die Zukunft des Schalters in Wipkingen.

Das Bahnhofreisebüro Wipkingen verkauft künftig auch Spezialangebote der DB. Der Bahnhof Wipkingen vor dem Verkauf im Jahr 2010.

Das Bahnhofreisebüro Wipkingen verkauft künftig auch Spezialangebote der DB. Der Bahnhof Wipkingen vor dem Verkauf im Jahr 2010. Bild: Tom Karawa

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Für das Bahnhofreisebüro in Wipkingen ist es ein Glücksfall: Ab dem 1. November werden die fünf Angestellten auch Spezialangebote der Deutschen Bahn, DB-Bahncards, innerdeutsche Sparbillette und Tickets für die DB-Autozüge verkaufen. Die Deutsche Bahn schliesst ihre Fernverkehrvertretung in Zürich und hat nach einer neuen Möglichkeit gesucht, ihre Spezialangebote an den Mann und an die Frau zu bringen. Das berichtete das Reisemagazin «Travel Inside». Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn betonte, ist es für die DB wichtig, in Zürich präsent zu bleiben. Die vielen in Zürich lebenden Deutschen, aber auch Schweizer, die oft nach Deutschland reisten, machten Zürich für die Deutsche Bahn zu einem attraktiven Markt.

«Wer einfach nur nach Deutschland fährt, kann sein Ticket auch bei den SBB kaufen», erklärt Regula Fischer, Geschäftsführerin des Bahnhofreisebüros Wipkingen. «Wer jedoch ein Spezialbillett für eine Strecke innerhalb Deutschlands braucht, eine Bahncard kaufen möchte oder von anderen Spezialangeboten der Deutschen Bahn profitieren will, kann sich künftig im Bahnhofreisebüro in Wipkingen ausführlich beraten lassen.» Bisher verkaufte das Reisebüro vor allem Billette für die Schweiz, ZVV-Abonnemente und komplette Reisen innerhalb der Schweiz und ins nahe Ausland sowie in europäische Städte.

Die SBB hat laut Mediensprecher Daniele Pallecchi gegen das zusätzliche Angebot des Bahnhofreisebüros Wipkingen nichts einzuwenden. «Der Schalter in Wipkingen wird schon lange nicht mehr durch die SBB geführt. Der lokale Betreiber entscheidet eigenständig über die Palette an Produkten, die er vertreibt.» Dass es sich dabei auch um Konkurrenzprodukte der SBB handle, gehöre zur freien Marktwirtschaft. «Auch die SBB vertreiben an ihren Schaltern Billette ausländischer Bahnen», so Pallecchi.

Initiative der Quartierbewohner

Dass es den Billettschalter und das Reisebüro am Bahnhof Wipkingen überhaupt gibt, geht auf viel Engagement aus dem Quartier zurück: Nachdem die SBB den Bahnhof Wipkingen schon im Jahr 1972 nicht mehr bedient hatten und das Areal verödet war, wurde 1993 der Verein IG Bahnhof Wipkingen gegründet, der mit den SBB einen langfristigen Mietvertrag abschloss. 1997 gründeten Quartierbewohner das Bahnhofreisebüro Wipkingen und begannen, im Rahmen des Stationshaltermodells als Private Billette der SBB zu verkaufen. Inzwischen erwirtschaften die fünf Angestellten einen Umsatz von 5 Millionen Franken im Jahr.

Geschäftsführerin Regula Fischer führt den Erfolg des Bahnhofreisebüros Wipkingen vor allem auf das grosse Engagement der Beschäftigten und die Treue der Kunden zurück. «Wir sind über das Quartier hinaus dafür bekannt, dass wir kompetent beraten und dass man bei uns nicht lange anstehen muss», erklärt Fischer. Die Provisionskürzungen der SBB für den GA-Verkauf und der Boom der Onlinebillette hätten ihnen aber «schleichend den Boden unter den Füssen weggezogen». Sie habe dann aktiv nach Möglichkeiten Ausschau gehalten, die Verkaufspalette zu erweitern.

Rückzug der DB aus Zürich

Als die Deutsche Bahn beschloss, das Nachtzuggeschäft einzustellen und auch das Verkaufsbüro in der Militärstrasse zu schliessen, ergab sich für die Wipkinger die Möglichkeit einzuspringen. Wie ein Sprecher der DB sagte, ist die Schweiz für die Deutsche Bahn der wichtigste Auslandsmarkt. Aufgrund der starken Nachfrage habe man nach einem Vertriebspartner gesucht, der in Zürich die Spezialangebote weiter verkaufe. Die Sprecherin des Quartiervereins, Judith Stofer, findet es «super», dass das Bahnhofreisebüro Wipkingen weiterbesteht und sein Angebot sogar noch erweitert. «Ich kaufe dort immer das GA für mich und meine Tochter und habe auch schon Reisen gebucht. Die Kundenberaterinnen bieten einen super Service, man nimmt sich Zeit.» Zudem schätzt Stofer die persönliche Atmosphäre und dass man kein Nümmerli ziehen muss. «Ich bin sicher, dass die Quartierbewohner, unter denen es auch viele Deutsche gibt, froh sind, dass sie jetzt auch für Reisen nach Deutschland einen kompetenten Ansprechpartner haben.»

Erstellt: 08.10.2014, 14:54 Uhr

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