Deutsche Plagiatsjäger stellen Fiala ein sehr schlechtes Zeugnis aus

«Vroni Plag», die Plattform, die bereits Edmund Stoibers Tochter Veronica Sass um deren Doktortitel brachte, untersucht Doris Fialas Abschlussarbeit. Ihr Fazit ist verheerend.

Stellte sich den Fragen von Roger Schawinski: Doris Fiala im SRF.

Stellte sich den Fragen von Roger Schawinski: Doris Fiala im SRF. Bild: Screenshot SRF

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Noch haben die Plagiatsjäger der Internetplattform «Vroni Plag» die Untersuchung von Doris Fialas Arbeit nicht abgeschlossen, doch bereits nach wenigen Tagen zieht Debora Weber-Wulff, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, ein deutliches Fazit: «Das Ergebnis ist erschütternd.»

Gleich seitenweise habe die FDP-Politikerin und potenzielle Kandidatin für das Zürcher Stadtpräsidium abgeschrieben – und die Quelle dabei verschleiert. Weber-Wulff ist bei Vroni Plag Wiki aktiv, einer Gruppe von Wissenschaftlern, die Plagiatsdokumentationen anfertigen. Im Gegensatz zur Plagiatssoftware Docoloc, die Fialas erster Kritiker, ein Mitarbeiter der Universität Zürich mit SVP-Vergangenheit, vor 14 Tagen zur Analyse ihrer Arbeit eingesetzt hat und deren Auswertung zahlreiche Fehltreffer aufweist, ist die Kritik der Vroni-Plag-Macher wasserdicht.

Ein ganzes Kapitel per Copy-Paste

74 Seiten mit Plagiaten haben die Rechercheure bisher gefunden, 42 Prozent, also fast die Hälfte der 178 Seiten langen Arbeit, sind demnach abgeschrieben. Fiala habe gar ganze Kapitel kopiert. Jenes mit dem Titel «Schnittstelle Terrorismus, am Beispiel Grossbritannien» sei bis auf das Fazit nahezu lückenlos abgeschrieben, stellen die Plagiatsjäger fest: «Zunächst werden knapp zwei Seiten aus Wikipedia ohne Kennzeichnung übernommen, anschliessend aus einem Bericht des European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia (EUMC).»

Quellenverweise würden fehlen oder seien inadäquat, so die Plagiatsjäger. 15 Fragmente mit Übernahmen aus Wikipedia haben die Rechercheure identifiziert, zudem ungekennzeichnete Übernahmen aus Publikationen des Center for Security Studies (CSS) der ETH, an welchem Fiala ihre Nachdiploms-Masterarbeit verfasst hat.

«Schmerzlich, aber verkraftbar»

Die ETH will sich zu den erhärteten Vorwürfen nicht äussern. Ihre interne Untersuchung des Falles sei derzeit am Laufen, sagt Sprecher Roman Klingler. Doris Fiala bleibt auf erneute Anfrage bei ihren früheren Äusserungen, die Kernthese ihrer Arbeit, nämlich die Zusammenhänge zwischen Schweizer Migrations- und Sicherheitspolitik im globalen Zusammenhang, sei so noch nie behandelt worden und könne deshalb kein Plagiat sein. Dass sie beim Zusammentragen des Fachliteraturwissens nicht überall korrekte Quellenangaben gemacht habe, schliesse sie nicht aus, sagt Fiala. Dies sei jedoch unwissentlich geschehen. Es sei unter Experten umstritten, inwiefern solches «notorisches Allgemeinwissen» überhaupt mit Quellenangabe zitiert werden müsse. Im schlimmsten Fall werde ihr der Titel von der ETH entzogen, sagt Fiala. «Das wäre zwar sehr schmerzlich, aber verkraftbar. Das erworbene Wissen würde dadurch nicht geschmälert.»

Das Vroni Plag Wiki, das Anfang 2011 gegründet wurde, untersucht verschiedene Hochschulschriften – hauptsächlich Dissertationen –, die unter Plagiatsverdacht geraten sind. Die Dokumentationen lösten in der Regel Überprüfungen durch die zuständigen Fakultäten aus und führten in mehreren Fällen zur Aberkennung des Doktorgrades.

Nach Stoibers Tochter benannt

Vroni Plag ist nach der Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Veronica Sass, benannt, deren Dissertation als Erste untersucht wurde. Rund 40 Arbeiten haben die anonymen Mitarbeiter inzwischen untersucht, darunter nur noch wenige von Politikern. Mit Doris Fialas Arbeit kehren die Macher also zu ihrem Kernthema zurück. Weil Fiala in den Medien sagte, dass es sich bei ihrer Arbeit um kleine Fehler handle und nicht um ein Plagiat, hätten Aktivisten der Gruppe sich ihre Arbeit besorgt und diese untersucht, sagt Weber-Wulff. «Die Arbeit war online erhältlich und sehr einfach zu untersuchen, da viele Quellen online sind.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.05.2013, 14:14 Uhr

Abgeschrieben bei Wikipedia: Gegenüberstellung der deutschen Plagiatsjäger. (Für Grossansicht bitte anklicken) (Bild: PD)

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