Deutsche Schönheitskliniken auf Kundenfang in Zürich

Die Klinikgruppe Medical One, die bis vor kurzem vom schillernden Schönheitschirurgen Werner Mang geführt wurde, hat in Zürich eine Niederlassung eröffnet. Dabei verspricht die Werbung mehr, als die Realität halten kann.

In diesem Haus an der Hottingerstrasse befindet sich die Medical-One-Klinik. Nur weiss das dort niemand.

In diesem Haus an der Hottingerstrasse befindet sich die Medical-One-Klinik. Nur weiss das dort niemand. Bild: Dominique Meienberg

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Medical One zählt sich zu den «führenden Klinikgruppen für plastische und ästhetische Chirurgie in Europa». Sie betreibt in Deutschland sieben Kliniken sowie eine Reihe von Beratungszentren, wo sich Leute über die Möglichkeiten einer Verschönerung informieren können.

Bis vor einem Jahr hiess die Gruppe noch «Mang Medical One», genannt nach Werner Mang, dem illustren deutschen Schönheitschirurgen und Besitzer der Bodenseeklinik in Lindau. Seit 2007 war er Vorstandsvorsitzender der Gruppe. Doch dann machten negative Schlagzeilen dem Mann (und auch der Klinikkette) zu schaffen.

Der «Spiegel» schrieb über merkwürdige Praktiken des Arztes, der laut einer Festschrift «mit den meisten Prominenten in Deutschland und auch über die Grenzen hinweg in Europa bekannt und teilweise befreundet ist». Er habe entgegen der Abmachung nicht selbst operiert, Patientinnen hätten mehr als vereinbart zahlen müssen oder seien total unzufrieden gewesen mit dem Resultat der Behandlung. Und, was dann strafrechtliche Folgen hatte: Mang habe in seiner Bodenseeklinik einen Arzt ohne Zulassung eigenständig operieren lassen. Im Januar 2013 verurteilte ihn das Amtsgericht Lindau deswegen zu einer Geldstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Im November trennte sich Medical One von Mang.

Magenballon für 4900 Franken

Zur gleichen Zeit eröffnete Medical One eine neue Klinik in Zürich, an der Hottingerstrasse 18. Es ist die erste in der Schweiz. Laut Website besteht das Ärzteteam aus Ernst Foerster, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, und aus Jens Otte, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Ottes Spezialität ist die «Gesichtsverjüngung», er strafft Augenlider und bringt Falten zum Verschwinden.

Foerster ist spezialisiert auf Magenballone, mit denen stark übergewichtige Patienten angeblich auf schonende Weise bis zu 25 Kilo abnehmen. Ihnen wird ein mit Kochsalzlösung gefüllter Silikonballon über die Speiseröhre in den Magen geführt, um dort für ein Völlegefühl zu sorgen. Die Klinik in Zürich biete «hochmoderne Räumlichkeiten, in denen Sie sich wohl und in diskreter Atmosphäre fühlen werden», bewirbt Medical One den neuen Standort. Und weiter: «Unser Team informiert Sie umgehend über unsere vielseitigen Angebote.»

Die Realität sieht allerdings etwas anders aus. An der genannten Adresse in der Nähe des Kunsthauses steht ein unscheinbares älteres Haus. Ein Schild von Medical One sucht man vergebens. Im ersten Stock befindet sich eine Praxisgemeinschaft von drei Internisten, einer davon ist Ernst Foerster. Die Praxis erscheint freundlich, aber schon etwas in die Jahre gekommen. Die Praxisassistentin hört zum ersten Mal davon, dass hier eine Klinik von Medical One existieren soll. Sie ist auch nicht zuständig für Doktor Foerster. Dieser komme nur jede zweite Woche vorbei, jeweils an drei Nachmittagen, sagt sie.

Nun ein «Premium-Partner»

Für Terminvereinbarungen gibt Medical One in ihrer Werbung eine Gratisnummer an. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine Frau in Deutschland, die einem das Magenballon-Angebot erklärt: Implantation, nach circa sechs Monaten Explantation, Ernährungsberatung, Gewichtsüberwachung. Alles zusammen ab 4900 Franken. Zum Vergleich: In der Klinik Lindberg in Winterthur kostet ein Magenballon rund 6000 Franken. Doktor Foerster selber wollte Fragen des TA nicht beantworten. Etwa, wie viele Magenballone er bisher eingesetzt hat. Er schrieb nur, die Methode sei «seit mehr als 20 Jahren erfolgreich am Markt».

Dem widersprechen die Fachleute im Unispital. Sie implantieren keine Magenballone, müssen aber manchmal welche entfernen. Notfallmässig, wenn Patienten anderer Ärzte mit starken Beschwerden kommen. Laut Christoph Gubler, Oberarzt an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, bewirkt ein Magenballon nur eine kurzfristige Gewichtsabnahme. «Da auch gravierende Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Magengeschwüre auftreten können, erachten wir diese Methode als ungeeignet zur Behandlung der Fettleibigkeit.»

Der zweite Medical-One-Arzt in Zürich ist ein bekannter Schönheitschirurg. Jens Otte betreibt seit vielen Jahren zusammen mit seiner Frau eine Praxis in der Nähe des Stadelhoferplatzes. Medical One habe ihn angefragt, ob er bei der Gruppe einsteigen wolle, sagt Otte. Das habe er abgelehnt. Stattdessen sei er nun «Premium-Partner». Er berät in Zürich Patientinnen und Patienten, die sich danach in Deutschland operieren lassen. Oder anders gesagt: Er akquiriert Schweizer Kundinnen für die deutschen Schönheitskliniken. Laut Otte sind die Preise dort günstiger als in Zürich.

Mang in Zürich abgeblitzt

Die Firma Medical One erklärt die Expansion in die Schweiz mit der Nachfrage: In der Vergangenheit hätten es viele Schweizer Patienten vorgezogen, sich in Deutschland in einer ihrer Kliniken behandeln zu lassen. Das habe die Gruppe bestärkt, «eine wohnortnähere Präsenz für unsere Patienten zu schaffen». Die ungewöhnliche Organisation in Zürich erklärt der Pressebeauftragte so: «Unter dem Begriff Klinik subsumieren wir eine Präsenz in einer Stadt, in der wir selbst oder eben unsere Partner Behandlungen anbieten.» Doktor Foerster führe an der Hottingerstrasse medizinische Vorgespräche durch, behandle die Patienten aber im Spital Zollikerberg, wo er Belegarzt sei.

Schönheitsoperationen boomen. Zahlreiche Praxen machen in Zürich ihr Geschäft damit. Erst letzten September nahm die Klinik Pallas, die zur gleichnamigen Gruppe gehört, im Löwenbräu-Areal den Betrieb auf. Neben ihrem Hauptgebiet, der Augenheilkunde, bietet sie auch ästhetische Chirurgie an. Die bekannteste Klinik in Zürich ist aber die Pyramide. Deren Direktor Beat Huber zeigt sich von der neuen Konkurrenz unbeeindruckt. Medical One suche seit längerem den Marktzugang in Zürich. Werner Mang selber habe sich bei der Pyramide einmal als Belegarzt beworben. Man habe ihm eine Absage erteilt. Der Grund: Der berühmte Mang hat keinen Facharzttitel für Plastische Chirurgie, sondern nur für Hals - Nasen - Ohren.

Korrekt (10. März 2014): Professor Werner Mang ist nicht nur Facharzt für Hals, Nasen, Ohren (HNO), sondern Facharzt für HNO/plastische Operationen an der Bodenseeklinik in Lindau. Diese und die deutsche Klinikgruppe Medical One haben sich am 1. September 2013 einvernehmlich getrennt. Mang widerspricht einer Aussage des Direktors der Klinik Pyramide in Zürich, dass er vor einiger Zeit dort habe tätig werden wollen: Er habe sich niemals mündlich oder schriftlich als Belegarzt in der Klinik Pyramide am See beworben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2014, 06:35 Uhr

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