Die Altstadtwohnung, die niemand will

An bester Lage mitten im Kreis 1 steht seit über einem Jahr eine grosszügige Wohnung leer. Besichtigt wird sie nur von Ausländern.

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«Wer hier wohnen will, der muss das lieben», sagt Renzo Caduff von der Bruppacher Verwaltungs AG. Davon gibts offenbar nicht viele. Seit mehr als einem Jahr steht die 184-Quadratmeter-Wohnung an der Kirchgasse leer. Dabei ist die Lage neben dem Grossmünster sehr attraktiv. Altstadtwohnungen sind beliebt – aber auch teuer. 7810 Franken muss monatlich hinblättern, wer in diesen sechs Zimmern hausen will.

«Der Preis ist vielleicht ein bisschen hoch», räumt Caduff ein. Doch der Vermieter beharre auf seinem Mietzins. Bei Schweizern stösst das Objekt auf wenig Interesse. Caduff führt vor allem Russen, Tschechen, Polen und Amerikaner durch die Wohnung. «Das sind in der Regel Leute, die in der Schweiz eine Firma im Finanzbereich eröffnen und eine schöne, zentral gelegene Wohnung suchen.»

Zentral ist man hier definitiv. Das Problem ist bloss, dass der Parkett knarrt, das Sonnenlicht erst nach 12 Uhr durchdringt, der steinerne Flurboden sehr uneben ist und ein Balkon fehlt. Ansonsten hat die Wohnung ausserordentlich viel Charme zu bieten. Und eine Aussicht in drei Himmelsrichtungen. Unter anderem blickt man direkt an die schönen Mauern des Theologischen Instituts, dahinter ragen die Türme des Grossmünsters in den Zürcher Himmel.

Zahlungskräftige Wohngemeinschaft gesucht

Das Haus wurde 1281 erstellt und ist somit noch zehn Jahre älter als die Eidgenossenschaft. Ein steinernes Schild an der Fassade weist auf zwei «prominente» Bewohner hin. Neben Konrad von Mure, einem Verfasser Lateinischer Lehrgedichte, lebte hier auch der Naturforscher, Stadtarzt und Historiker Johann Jakob Scheuchzer. Ein etwas bekannterer Name findet sich am Haus nebenan. Dort lebte der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli während seiner Amtszeit als Leutpriester im Grossmünster.

Seit die Wohnung leersteht wurde mehrmals renoviert. Unter anderem wurde die Küche und Toiletten modernisiert. Renzo Caduff kann sich mehrere Wohnmöglichkeiten vorstellen. Eine Wohngemeinschaft käme für ihn genauso infrage wie eine Verbindung aus Wohnen und Arbeiten. Ob sich dafür bald die richtigen Mieter finden lässt, bleibt fraglich. Bisher brachte auch die Werbetafel am Fenster nicht viel, die vor wenigen Wochen aufgehängt wurde.

Erstellt: 11.02.2011, 12:41 Uhr

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