Die Bally-Kugeln sind wieder da, aber es sind Nachbauten

Am Bally-Gebäude an der Bahnhofstrasse hängen die bekannten Kugeln wieder – jetzt neu mit Leuchtschrift.

Die neu interpretierten Bally-Kugeln am Zara-Haus. Foto: Doris Fanconi

Die neu interpretierten Bally-Kugeln am Zara-Haus. Foto: Doris Fanconi

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Sie sind zurück: die fünf charakteristischen Bally-Kugeln an der Bahnhofstrasse 66. Statt des Bally-Logos ist jede Kugel in den drei Einbuchtungen mit Rastern aus 35 LED-Lichtern bestückt, die täglich neue Wörter anzeigen. Gestaltet haben die Neuinterpretation der Bally-Kugeln Hans Grüninger und das Team von der Firma WBG AG für visuelle Kommunikation. Damit hat ein langwieriger Streit um denkmalschützerische Fragen und wirtschaft­liche Interessen ein versöhnliches Ende gefunden.

Unter Denkmalschutz

Während vier Jahrzehnten hingen die Kugeln an der Ecke des Gebäudes und prägten es, bis Arbeiter vor eineinhalb Jahren die runden Werbebotschafter demontierten. Der langjährige Mieter Bally zog aus, Zara zog ein, die Liegenschaft wurde saniert. Kurz vor den Renovationsarbeiten stellte der Stadtrat das Haus inklusive der Kugeln unter Denkmalschutz. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1968 und ist das Spätwerk der bekannten Zürcher Architekten Haefeli, Moser, Steiger, die unter anderem das Kongresshaus, das Universitätsspital und das Hochhaus zur Palme bauten. Die Besitzerin der Liegenschaft, die Immobilienfirma PSP Swiss Property, musste sich im Schutzvertrag verpflichten, die Fassade wieder in den ursprünglichen Zustand von 1968 zu versetzen und die alte Bally-Reklame zu erhalten.

Doch Zara duldete keine Kugeln mit dem Schriftzug einer fremden Marke an ihrer neuen Filiale. Dann fanden PSP und der Denkmalschutz eine Lösung, mit der alle leben konnten: Die PSP durfte die Kugeln demontieren, musste sie aber sorgfältig einlagern. Die Immobilienfirma verpflichtete sich, auf eigene Kosten anstelle der Bally-Lettern einen ­gestalterisch hochwertigen Ersatz zu ­finden und diesen auf den Kugeln an­zubringen. Dem Ersatz mussten auch die Denkmalpflege und die Fachstelle Reklamebewilligungen zustimmen.

Lichter mit Botschaften

Die Kugeln wurden in Altstetten auf ­einem Hausdach zwischengelagert. Ob dies einer sorgfältigen Lagerung entspricht, wie es im Schutzvertrag steht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die ­Werbekugeln, die der Zürcher Grafiker Gérard Miedinger 1968 gestaltet hatte, sich in einem desolaten Zustand be­fanden. «Die Kunststoffkugeln waren teilweise eingerissen, das Material porös», sagt der Gestalter Hans Grüninger. Die Kugeln seien einfach an ihr Lebensende gekommen, mit der Lagerung in Altstetten habe dies nichts zu tun.

Trotzdem zog Grüninger Spezialisten aus dem Schiffbau bei, um auszuloten, ob eine Renovation machbar ist. Doch diese rieten davon ab. Die Kunststoff­oberfläche lässt sich zwar sanieren und neu überziehen, der Zerfall darunter setzt sich trotzdem fort. Alle Kugeln mussten deshalb nach den alten Plänen neu geschaffen werden. Damit liess sich auch eine Farbveränderung aus der Vergangenheit korrigieren, was die neuen Kugeln näher zum Original bringt. Diese waren nämlich nicht graublau, sondern silberweiss, und die Schrift war nicht weiss, sondern rot. Die rote Schrift ist auch eine Reminiszenz an die ersten LED-Anzeigen aus der Zeit vom E­rstellungsjahr des Bally-Gebäudes.

Die Firma WBG, welche die Signaletik im Dolder und im Letzigrundstadion ­gestaltet hatte, entwickelte die LED-Lichter, bestehend aus 35 roten Punkten. Mit ihnen lassen sich alle Buch­staben des Alphabets kreieren. «Die ­Anzeige soll die Passanten ein wenig stutzig machen und nicht selbst­erklärend sein», sagt Grüninger.

564 Wörter stehen zur Auswahl. Ein Zufallsgenerator wählt Ausdrücke wie Story, Urban oder Thema aus. Daneben existiert eine Sammlung von 164 Begriffen, welche gezielt eingesetzt werden können, beispielsweise für Festanlässe. Während des WEF in Davos war ­«Forum» an der Fassade zu lesen. Die gesamte Liste musste der Denkmalpflege vor­gelegt werden: Die Wörter dürfen keine Werbebotschaften enthalten, weil das Reklamegesetz Werbung an der Fassade verbietet. Auch Marken- oder Pro­dukte­namen, politische Propaganda oder ­anstössige oder ehrverletzende Begriffe sind nicht erlaubt. Deshalb strich die Denkmalpflege auch die Wörter ­Hosen und Kleid von der Liste.

Die Sanierung, die neue Gestaltung und die Montage kosteten rund 450'000 Franken; 98 Prozent davon übernahm die PSP Swiss Property, den Rest die Denkmalpflege.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2015, 19:40 Uhr

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