«Die Bank hat einen angemessenen Gewinn anzustreben»

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) veräussert mehrere ihrer Immobilien – an die Meistbietenden. Bei Politikern und vielen Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet stösst dies auf Ablehnung. Die Bank nimmt Stellung.

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Die ZKB macht momentan mehrere ihrer Immobilien zu Geld: Das Sportzentrum Sonnenberg und Anteile an den Tertianum-Altersheimen sind bereits verkauft – jeweils an die Meistbietenden. Ebenfalls zum Verkauf stehen weitere Immobilien (siehe Bildstrecke). Die Bank will so ihre Eigenkapitalbasis erhöhen.

Die Verkäufe stossen vielen aber sauer auf. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran äusserte sich in einem offenen Brief an die Bank und kritisierte die Verkäufe an Meistbietende: «Ihr seid eine Volksbank im Volksvermögen, und ihr seid der lokalen Volkswirtschaft und euren Eigentümern – dem Volk – verpflichtet.» Dafür erhält sie in den Kommentarspalten auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet viel Unterstützung. Manche Leser glauben an übereilte Verkäufe, weil der Bank Probleme mit den US-Behörden drohen.

Auch im Kantonsrat wird diese Frage noch zu reden geben: In einer Anfrage an den Bankrat stellen drei SP-Vertreter die Frage «inwieweit ein solcher Verkauf von ZKB-Liegenschaften, bei denen Gewinne auch ins Ausland abfliessen, nicht im Widerspruch zum Leistungsauftrag der Zürcher Kantonalbank steht, welche die ZKB einerseits dazu verpflichtet, zur Lösung von volkswirtschaftlichen Aufgaben des Kantons beizutragen, und der sie andererseits dazu anhält, den preisgünstigen Wohnungsbau zu fördern».

«Auch lokale Investoren berücksichtigen»

Diego Wider, Sprecher der ZKB, gibt an, die Bank sei bemüht, bei ihren Verkäufen auch lokale Investoren zu berücksichtigen. Es liege jedoch auch im Interesse des Eigentümers «einen angemessenen Preis für den Verkauf dieser Liegenschaften zu erzielen». Dazu sei sie zudem durch das Kantonalbankengesetz verpflichtet, woraus Wider Artikel 3 zitiert: «Die Bank ist nach kaufmännischen Grundsätzen zu führen und hat einen angemessenen Gewinn anzustreben.»

Beim Verkauf der ZKB-Anteile an der Tertianum-Gruppe sei zudem ausschlaggebend gewesen, dass die Weiterentwicklung der Gruppe mit der bisherigen Trägerschaft nicht optimal gewährleistet sei. «Für die Zürcher Kantonalbank gehören weder der Betrieb einer Gesellschaft im Bereich Leben und Wohnen im Alter noch die Investition in ein Immobilienportfolio zum Kerngeschäft.» Bei den zusätzlich zum Verkauf stehenden Liegenschaften will die ZKB keine «Details zum Fortschritt und Inhalt der Verkaufsverhandlungen» bekannt geben. Nur soviel: «Es laufen Gespräche mit verschiedenen Interessenten.»

Bankrat vertritt Interessen des Kantons

Die Interessen der Bevölkerung und des Kantons würden in der ZKB durch den Bankrat vertreten. «Die vom Zürcher Kantonsrat gewählten Mitglieder des Bankrates haben dem Verkauf der Liegenschaften zugestimmt.»

Laut Wider haben die Verkäufe nichts mit Druck aus den USA zu tun: «Die Immobilienstrategie der Bank sieht vor, nicht betriebsnotwendige Liegenschaften, zu verkaufen. Ein Zusammenhang mit der Schaffung von Liquidität im Hinblick auf Probleme mit den US-Behörden besteht nicht.»

Erstellt: 24.06.2013, 15:00 Uhr

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