Die Banker verlassen die Innenstadt

Die UBS zügelt 1500 Arbeitsplätze aus dem Stadtzentrum ab. Die Bank gibt 27 Standorte an bester Lage auf. Das Interesse daran ist enorm.

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In den letzten Monaten klingelte bei Peter Stipp, dem Verantwortlichen für die UBS-Immobilien auf der ganzen Welt, fast ununterbrochen das Telefon. Die Anrufer hatten gehört, dass die Grossbank in den nächsten Jahren 27 Standorte mit insgesamt 104'280 Quadratmetern an bester Lage aufgibt, und wollten sich einen davon sichern. Manche hofften auf ein Schnäppchen – die Bank, die in der Finanzkrise heftig durchgeschüttelt worden ist, wäre vielleicht gezwungen, einen Standort unter seinem Preis abzugeben. Dachten sie.

Peter Stipp schüttelt den Kopf. Er hätte manche Standorte sogar mehrfach vergeben können. Kein Wunder, finden sich darunter doch A1-Lagen wie Bahnhof- oder Fraumünsterstrasse. «Die Stadt Zürich prosperiert», sagt Stipp. Sie gehöre im Immobilienbereich gar zu den «heissesten Städten» auf der ganzen Welt. Die UBS hat die meisten dieser Räume gemietet und gibt sie zur Untermiete weiter – zum selben Preis, wie er betont. Einbezogen sind Anwaltskanzleien oder Ärzte. Die Handvoll Immobilien, welche die UBS besitzt, behält sie bis auf weiteres selber.

«Klein, ineffizient und teuer»

Weshalb aber gibt die Bank diese Standorte ab? «Diese Räume sind klein, ineffizient und sehr teuer», sagt Peter Stipp. In Altstetten kostet der Quadratmeter nicht einmal die Hälfte dessen, was die UBS in der City bezahlt. Von den 5600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bislang in der City arbeiteten, zieht sie bis 2014 viele an die Peripherie ab: 1000 nach Altstetten, 500 nach Oerlikon oder Opfikon. Bis zu 2400 Mitarbeiter zügeln 2013 zudem in den Neubau an der Europaallee beim Hauptbahnhof ein. Dort wird auch eine Geschäftsstelle entstehen.

Peter Stipp hat zwei Karten von der Zürcher Innenstadt vor sich liegen, auf der alle Standorte der UBS eingezeichnet sind. Die eine bildet die Situation von 2009 ab. Sie ist übersät mit roten Punkten, so als hätte die City die Masern. Die zweite zeigt den Stand 2014. Darauf finden sich nur noch ein paar verlorene Punkte um den Paradeplatz – der Hauptsitz am Paradeplatz sowie die Standorte an der Bärengasse, an der Bahnhofstrasse und das Konferenzgebäude Grünenhof an der Nüschelerstrasse. Der Immobilienchef hat keine leichte Aufgabe, denn natürlich sind nicht alle Banker «happy», fortan in Altstetten statt in der City arbeiten zu müssen. Welche Abteilungen wohin ziehen, ist noch nicht endgültig bestimmt, grundsätzlich gilt aber: Je näher sie am Kunden sind, desto näher arbeiten sie am Paradeplatz. Das betrifft den Bankdirektor gleichermassen wie den Sachbearbeiter.

Keine Einzelbüros mehr

An der Peripherie erwartet die Mitarbeiter unter Umständen eine weitere Enttäuschung: Sie finden dort praktisch keine Einzelbüros mehr vor – auch die Direktoren nicht. Nur Mitarbeiter, die mit vertraulichen Daten arbeiten, verfügen wo nötig über ein Einzelbüro oder arbeiten in zusätzlich gesicherten Zonen. Zudem stehen dort mehr Besprechungszimmer zur Verfügung. Laut Stipp hat die UBS aber «superschöne Arbeitsplätze» geplant, eine «Batteriehaltung» wird es nicht geben. Mit den neuen Büros geht auch eine neue, flexible Arbeitsphilosophie einher. Die Mitarbeiter haben keine fixen Arbeitsplätze mehr, sondern setzen sich je nach Projekt mit anderen Arbeitskollegen zusammen. Spontane Sitzungen halten sie in sogenannten Kollaborationszonen ab, und um nachzudenken, ziehen sie sich in «Fokusboxen» zurück.

Auch die bereits bestehenden flexiblen Arbeitszeitmodelle sollen künftig häufiger genutzt werden: Die Mitarbeiter können zum Beispiel später zur Arbeit erscheinen und dafür bis in den Abend hinein arbeiten, oder sie erledigen ihre Arbeit ein bis zwei Tage pro Woche zu Hause.

Kosten sparen

Dank den neuen oder renovierten Büroräumen kann die UBS ihren ökologischen Fussabdruck verkleinern. Sie verursacht weniger CO2, weniger Abwasser und benötigt weniger Parkplätze. An der Europaallee etwa teilen sich 2200 bis 2400 Mitarbeiter 60 bis 70 Plätze. Auch diese sind nicht für Direktionsmitglieder vorgesehen, sondern für Härtefälle, wie Stipp betont. Seiner Meinung nach hat sich die Kultur in der Finanzbranche in den letzten Jahren stark geändert. Vor der Krise, sagt er, hätte sich das Projekt kaum durchsetzen lassen. Es sei kein Druck vorhanden gewesen. Aber heute seien die Mitarbeiter eher bereit, solche Massnahmen mitzutragen. Sie sehen, dass so allein in Zürich substanziell Kosten in der Höhe von 70 Millionen Franken pro Jahr gespart werden können.

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Erstellt: 28.09.2010, 20:23 Uhr

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