Die Bestrafung des Neumarkt-Theaters

Die Bürgerlichen haben im Zürcher Gemeinderat auf die «Entköppelungs»-Aktion reagiert. Sie verlangen eine Kündigung des Subventionsvertrages mit dem Theater am Neumarkt.

«Schweiz entköppeln», die Aktion von Philipp Ruch (sitzend) im Neumarkttheater, beschäftigt nun die Politik. Bild: Urs Jaudas

«Schweiz entköppeln», die Aktion von Philipp Ruch (sitzend) im Neumarkttheater, beschäftigt nun die Politik. Bild: Urs Jaudas

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Die am Mittwochabend eingereichte Motion von SVP, FDP und CVP verlangt vom Stadtrat, dass er dem Parlament eine Weisung zur Kündigung des unbefristeten Subventionsvertrags mit der Theater Neumarkt AG auf den nächstmöglichen Termin vorlegt. Die Stadt subventioniert das Haus mit jährlich 5,4 Millionen Franken. In der Begründung steht, das Neumarkt-Theater werde seinem Ruf heute nicht mehr gerecht und könne die üppigen staatlichen Mittel nicht mehr rechtfertigen. Mit der Fluchaktion gegen einen nationalen Politiker – Roger Köppel – seien die gesellschaftlichen Grundwerte und die Humanität in einer Art verletzt worden, die weder mit dem Strafgesetzbuch noch mit der Kunstfreiheit vereinbar seien. «Es ist an der Zeit, in Stadtrat und Gemeinderat neu über die Zukunft des Theaters am Neumarkt zu entscheiden.»

Marco Denoth sagte, auch die SP verurteile diese «unsägliche Aktion», doch sei es schade, das sie jetzt nochmals so viel Raum erhalte. Die Unabhängigkeit der Kunst müsse bewahrt werden, weshalb eine Subventionskürzung nicht in Frage komme. Roger Liebi (SVP) entgegnete, nicht nur die Kunst sollte frei sein, auch die Steuerzahler müssten frei sein in der Entscheidung, was sie subventionieren. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) betonte, sie habe sich schon vor einer Woche klar von der Aktion distanziert. Eine kritische Debatte darüber sei richtig, doch gelte es, kühlen Kopf zu behalten und die Verhältnismässigkeit zu wahren. Kunst müsse Fehler machen können. Eine liberale und selbstbewusste Gesellschaft halte das aus. Ob die Motion im Rat eine Mehrheit findet, ist fraglich, da sich die GLP in einer ersten Reaktion dagegen geäussert hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 12:48 Uhr

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