Die Deutschen bauen Stadien deutlich billiger

Die Fifa zahlt nichts ans neue Zürcher Hardturmstadion. Jetzt rücken die Baukosten ins Zentrum der Debatte.

Die Baukosten pro Sitzplatz werden im neuen Hardturmstadion deutlich höher ausfallen: Fussballarena in Dresden.

Die Baukosten pro Sitzplatz werden im neuen Hardturmstadion deutlich höher ausfallen: Fussballarena in Dresden. Bild: Keystone

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Rund 150 Millionen Franken soll das geplante Hardturmstadion kosten. Der Weltfussballverband wollte sich ursprünglich mit 20 Millionen Franken daran beteiligen. Weil die Stadt auch Stehplätze einbauen will, gibts kein Geld vom Verband (TA von gestern). Die Fifa setzt sich weltweit für Sitzplätze in Stadien ein. Trotzdem hat der Verband gestern seinen Entscheid zum Teil korrigiert. Er möchte zwar das Stadion nach wie vor nicht finanziell unterstützen, will aber sein Versprechen einlösen und Zürich 20 Millionen Franken überweisen, wie TeleZüri meldet. Stadtrat Gerold Lauber (CVP) soll bis Ende Januar der Fifa mitteilen, wie er das Geld verwenden will. Im Vordergrund stehen Projekte für den Breitensport.

Damit stehen die Baukosten von 150 Millionen Franken wieder stärker im Fokus. Im Vergleich mit anderen Fussball-arenen erscheint das Hardturmstadion teuer, wie die Studie «Finanzierung von Fussballstadien» der Technischen Universität Wien zeigt.

Grosse Unterschiede

Die Studie verglich die Baukosten pro Sitzplatz in konventionellen deutschen Stadien in Hamburg, Münster, Dresden und Augsburg: Ein Sitzplatz kostet in diesen Arenen zwischen 1136 und 1500 Euro. Die Werte für einen Sitzplatz in neueren Schweizer Stadien sind deutlich höher: 5200 Franken in der Swissporarena in Luzern, 7000 Franken in der St.-Jakob-Arena in Basel. Für den Hardturm ergibt sich ein Wert von 7700 Franken.

Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartementes, lässt die Rechnung pro Sitzplatz nicht gelten. Solche Vergleiche seien unseriös, weil die Voraussetzungen und Nutzungen unterschiedlich seien. «Das geplante Hardturmstadion liegt in der Nähe einer Wohnzone, was lärmtechnische Lösungen erfordert. Auch die verkehrstechnische Erschliessung ist anspruchsvoll.» Spinner relativiert die Baukosten: Auf die Lebensdauer eines Gebäudes von 60 Jahren würden sie nur 10 Prozent der Unterhaltskosten ausmachen.

Doch wie setzen sich die Kosten zusammen? In der Weisung des Stadtrates vom Sommer 2010 findet sich eine Aufstellung der Baukosten. Damals lagen die geschätzten Kosten noch bei 128,2 Millionen Franken.

  • Grundstück: 15'456'000 Franken

  • Vorbereitungsarbeiten: 2'657'000 Franken

  • Gebäude: 73'257'000 Franken

  • Bauliche Betriebseinrichtung: 11'473'000 Franken

  • Umgebung: 11'271'000 Franken

  • Baunebenkosten inkl. Finanzierungskosten: 10'741'000 Franken

  • Ausstattung: 3'345'000 Franken.

Die Stadt hat 2003 angekündigt, «gut und günstig» bauen zu wollen. Ende letzten Jahres hat sie beim Bau der Schule Blumenfeld in Affoltern gezeigt, dass sie dies auch beherzigt. Nachdem sich abzeichnete, dass das Budget von 71 Millionen Franken wohl überschritten wird, ordnete Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) eine Überarbeitung des Projekts an. Architekten verschmälerten daraufhin Schulhausgänge, hoben unterirdische Räume auf, vereinfachten die Konstruktion und verringerten teure Fassadenflächen. Kosteneinsparung: 8 Millionen Franken.

Die Wirtschaftlichkeit sei auch beim Hardturmstadion von zentraler Bedeutung, sagt Urs Spinner. Der Rotstift könne beim Stadion aber erst angesetzt werden, wenn das Siegerprojekt im Lauf dieses Jahres bestimmt worden sei. Dass die Stadt höchstwahrscheinlich 20 Millionen Franken mehr investieren müsse, gefährde das Projekt an der Urne nicht, ist Spinner überzeugt. Einen grösseren Einfluss hätten die allgemeine wirtschaftliche Lage, Erfolge oder Misserfolge von FCZ und GC sowie die Hooligan-Problematik.

Erstellt: 14.01.2012, 10:09 Uhr

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