Die «Frau mit dem Tunnelblick» ist endlich am Ziel

Jahrelang setzte sich FDP-Kantonsrätin Carmen Walker Späh vergebens für einen Rosengartentunnel ein. Ein geschickter politischer Schachzug brachte schliesslich den Durchbruch.

Nennt sich hartnäckig: Carmen Walker Späh kämpft seit 20 Jahren für eine Verkehrsentlastung am Rosengarten.

Nennt sich hartnäckig: Carmen Walker Späh kämpft seit 20 Jahren für eine Verkehrsentlastung am Rosengarten. Bild: Doris Fanconi

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Was hat man ihr nicht schon für Namen gegeben: «Die Frau mit dem Tunnelblick», «Maulwurf» oder gar «Madame Waidhaldetunnel». Und immer schwang eine Mischung aus Bewunderung und Spott mit für Carmen Walker Späh. Denn die 55-jährige FDP-Politikerin kämpft seit bald 20 Jahren für ein und dasselbe Ziel: für eine Verkehrsentlastung am Rosengarten. Und zwar mit einem Tunnel. Jahrelang lief Walker Späh damit auf. Kaum jemand glaubte, dass ihre Vision umsetzbar wäre. «Du mit deinem Tunnel», haben ihr selbst Parteifreunde gesagt, «den erlebst du nie mehr.» Doch jetzt scheint sie am Ziel zu sein.

Der TA trifft die Kantonsrätin am Bucheggplatz für einen Spaziergang entlang der Strasse, die der «Blick» einst als «längste Lüge der Schweiz» bezeichnete. Als wir das Riesenrondell mit der spinnenartigen roten Fussgängerbrücke überqueren, bleibt sie stehen und sieht sich um: «Auch dieser Platz wird ganz anders aussehen. Es wird wieder Begegnungsräume geben im Quartier.» Die Rechtsanwältin und Vollblutpolitikerin strahlt einen Moment lang wie ein Maikäfer.

Hartnäckig bis stur

Man kann es verstehen: Das Projekt, das Stadt und Kanton am Dienstag vorgestellt haben, ist wohl der grösste politische Erfolg in der Karriere der gebürtigen Urnerin. Einer Karriere, die einige Rückschläge zu verzeichnen hatte. Obwohl Carmen Walker Späh zu den profiliertesten und populärsten Politikerinnen der FDP gehört, ist sie von ihrer Partei mehr als einmal düpiert worden. 2008 unterlag sie als Kandidatin für das Parteipräsidium Beat Walti. 2012 gaben die Parteidelegierten im Kampf um den frei werdenden Stadtratssitz von Martin Vollenwyder dem fast unbekannten Marco Camin den Vorzug.

Doch von Widrigkeiten hat sie sich nie irritieren lassen. «Ich kann sehr hartnäckig sein», sagt sie über sich selbst. Gegner nennen sie stur, was auch damit zusammenhängt, dass sie bekannt ist, sich pointiert zu äussern.

Beim Rosengartentunnel wählte Walker Späh statt scharfer Worte eine andere Taktik, und die hat sich als geschickter Schachzug erwiesen. Sie scharte die Kommission für Planung und Bau des Kantonsrats hinter sich. Und sie holte Mitstreiter ins Boot, indem sie andere Anliegen unterstützte, etwa die Umfahrung Eglisau. Der Rat überwies prompt zwei Motionen. «Ich wollte, dass der Tunnel nicht mehr nur mit meiner Person verknüpft ist», sagt Walker Späh. «Denn eine Motion der kantonsrätlichen Kommission hat viel mehr Gewicht.» Das jetzt vorgestellte Projekt will sie denn auch nicht als ihren alleinigen Sieg verbucht haben: «Es gab viele Mitstreiter. Ohne sie wäre der Tunnel nicht mehrheitsfähig gewesen.»

«Teuer, aber gerechtfertigt»

Billig ist diese Lösung nicht, im Gegenteil. Wir spazieren hundert Meter in eine Seitenstrasse, und hier nimmt der Verkehrslärm rapide ab, hier stehen gepflegte Häuser in gepflegten Gärten. Sind mehr als 800 Millionen Franken wirklich gerechtfertigt, wenn doch hinter den ersten Häusern an der Rosengartenstrasse das Leben blüht? «Ja, natürlich», sagt Walker Späh. «Es geht auch um die Luftqualität. Und man muss sehen: Die Rosengartenstrasse zerschneidet das ganze Quartier.» Wenig später beschreibt sie, wie sie die Strasse vor ihrem inneren Auge in Zukunft sieht: «Eine Quartierstrasse mit Bäumen und Platz für die Velos, mit wohnlichen Häusern und Läden in den Erdgeschossen und natürlich mit einem Tram.»

Dass der Zürcher SP-Stadtratskandidat Raphael Golta am Dienstag gesagt hat, es profitierten zu wenige Menschen vom Tunnel, hat sie deshalb fürchterlich geärgert: «Vom Tunnel und vom Tram profitieren so viele Menschen, wie Uster Einwohner hat! An sie denkt Raphael Golta nicht. Er macht nur Parteipolitik, statt über seinen Schatten zu springen und mitzuarbeiten.»

Erstellt: 03.10.2013, 11:19 Uhr

(Bild: TA-Grafik)

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