Die Gastfreundschaft, das spürt man hier, ist echt gemeint

Der White Elephant gehört zu den ältesten thailändischen Restaurants in Zürich. Das Lokal überzeugt mit hoher Qualität und erstklassigem Service.

Die thailändische Köchin Orasanarak Orasa bringt die Küche ihrer Heimat aus dem Nordosten des Landes im White Elephant zur Geltung. Bilder: Andrea Zahler

Die thailändische Köchin Orasanarak Orasa bringt die Küche ihrer Heimat aus dem Nordosten des Landes im White Elephant zur Geltung. Bilder: Andrea Zahler

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Bei unserem Besuch im White Elephant im Hotel Marriott steht Orasanarak Orasa in der Küche, wir hatten sie kürzlich abends im Ausgang in einem thailändischen Pub kennen gelernt. Also bitten wir sie, uns Empfehlungen zu machen und uns die drei vorgeschlagenen Vorspeisen so zuzubereiten, als würde sie diese für sich selber und ihre Freunde auftischen.

Orasanarak Orasa entschuldigt sich vorab, dass sie in der Küche des White Elephant zwar fast alle Zutaten für die Entrees habe, aber die fermentierten Krebse für den Papaya-Salat fehlten. Für die meisten westlichen Nasen riechen diese kleinen Wassergetiere nicht einfach nur stark, sie stinken regelrecht. Verwendet werden sie vor allem in der Küche des Isaans; aus diesem kulinarisch höchst spannenden Gebiet im Nordosten Thailands stammt ursprünglich auch die 39-jährige Köchin.

Trotz Schärfe schmeckt man die Nuancen

Die Isaan-Küche ist zudem für ihre Schärfe bekannt. Und Orasanarak Orasa hält sich beim Neua Yang Nam Tok (23 Fr.) nicht mit Chilis zurück. Zubereitet ist der Salat mit mundgerecht geschnittenen Stücken von Rindsfilet, gewürzt ist er mit Chilis, thailändischem Basilikum, geröstetem und gemörsertem Reis sowie mit Fischsauce und Limettensaft. Auch wenn das Gericht im Mund ein heisses Chilifeuer entfacht, sind die einzelnen Nuancen der ausbalancierten Sauce gut zu schmecken.

Etwas weniger scharf ist dem Som Tam (22 Fr.), der Salat aus grünem Papaya. Das Laab Gai (19 Fr.) wiederum ist ein Salat aus gehacktem Pouletfleisch. Alle Gerichte werden in einem Bananenblatt serviert, das zu einem Schüsselchen gefaltet wurde. Dazu essen wir, so wie das die Leute im Isaan auch tun, gedämpften Klebreis (5 Fr.), der die Schärfe der Salate ein wenig ausgleicht.

Die drei Vorspeisen (von links): Laab Gai, Som Tam und Neua Yang Nam Tok.

Bei den Hauptgängen bewegen wir uns weg vom Norden Richtung Zentral- und Südthailand. Zum einen lassen wir uns einen Pla Nueng Manau (56 Fr.) auftragen, einen gedämpften Seebarsch an einer säuerlichen Sauce mit Limettensaft, Chili und Knoblauch. Der Fisch ist perfekt gegart, am Rücken entlang aufgeschnitten und so auf der Platte liebevoll arrangiert. Auch hier sind Schärfe, Säure und Salzigkeit sehr schön ausgewogen. Einzig das Gaeng Keow Gai (37 Fr.) mag uns nicht überzeugen. Das grüne Curry mit Poulet ist geschmacklich erstaunlicherweise sehr flach. Etwas Abhilfe schaffen kann die zusätzlich bestellte Fischsauce, die dem Gericht ein wenig mehr Kick verschafft.

Es tönt nach viel Essen, das wir bestellt haben. Tatsächlich haben wir nicht alle Schälchen und Teller leer gegessen. Darum haben wir das gemacht, was auch reiche Thailänder in ihrer Heimat in den besten und teuersten Restaurants ohne zu zögern auch tun: Wir bitten den Service, die Reste einzupacken. Sie haben für das Nachtessen am nächsten Tag gereicht.

White Elephant

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Das im Marriott Hotel untergebrachte Lokal gehört zu den teureren Thai-Restaurants in der Stadt. Verwendet werden sehr gute Produkte.

– Ambiance
Eigentlich liegt das Lokal an einem Zürcher Unort: Davor herrscht reger Verkehr auf der Autobahn. Drinnen hört man allerdings nichts davon. Die Atmosphäre ist gediegen, wenn auch etwas altbacken.

– Service
Erstklassig. Freundlich lächelnd wird man als Gast vom thailändischen Personal bedient. Die Gastfreundschaft, das spürt man, ist echt gemeint.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Mit dem Tram 11 oder 14 zum Stampfenbachplatz und dann zu Fuss die Walchestrasse hinunter zum Hotel Marriott. Oder, und das ist schöner: vom Hauptbahnhof am Schweizerischen Nationalmuseum vorbei durch den Platzspitzpark und über den Drahtschmidlisteg zum Kloster-Fahr-Weg, dann die Unterführung unter dem Neumühlequai zum Hotel Marriott nehmen.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über Restaurants im Grossraum Zürich.

Erstellt: 17.10.2019, 16:53 Uhr

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