«Die Gefahr ist zu gross, einen wie Martin Bäumle zu verheizen»

Thomas Maier, Präsident der Grünliberalen, schätzt die Chancen seiner Partei bei den Regierungsratswahlen als zu gering ein. Deshalb verzichtet die GLP auf eine Kandidatur.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Grünliberalen treten nicht zu den Regierungsratswahlen im kommenden April an. Fehlt es ihnen an Kandidaten?
Nein, ganz im Gegenteil, wir hätten sehr gute Kandidaten. Die Chancen, nächsten Frühling einen Sitz im Regierungsrat zu erobern, schätzen wir allerdings als sehr gering ein.

Eine Kandidatur könnte doch die Wahlen ins Parlament befeuern, weil ein solcher Kandidat sehr stark in der Öffentlichkeit steht. Betrachten Sie den Verzicht nicht als Nachteil?
Nein, gar nicht. Es wird immer ­wieder kolportiert, dass eine Partei ein Zugpferd für Parlamentswahlen brauche. Wir sind der Meinung, mit unseren Spitzenkandidaten für die Kantonsratswahlen die Qualität grünliberaler Kantonsräte aufzeigen zu können. So können wir den Wählern präsentieren, was wir in den letzten vier Jahren im Kantons­parlament erreicht haben und was unsere Ziele sind. Denn die Kantonsratswahlen finden regional in den Bezirken statt – also nahe bei den Wählern. Da ist es uns wichtig, unsere Kandidaten aus den Gemeinden und Bezirken lokal und regional gut zu präsentieren. Wenn man all das gut macht, benötigt man nicht zwingend ein vermeintliches Zugpferd.

Hat die Partei von sich aus auf ein solches Zugpferd verzichtet, oder hat die Parteileitung Leute angefragt, die dann alle abgesagt haben?
Der Entscheid war primär strategisch. Wir analysierten die Ausgangslage und kamen zum Schluss: Egal, wen wir aufstellen, die Chancen stehen schlecht für einen Regierungsratssitz.

Wenn Nationalrat Martin Bäumle als Aushängeschild der Partei Interesse gehabt hätte, wäre die GLP dann angetreten?
Diese Frage stellte sich nicht, da er früh klarstellte, dass er nicht antreten will. Unabhängig davon bleibt die Ausgangslage aus unserer Sicht zu schwierig. Dass wir aber Ambitionen für den Regierungsrat haben, ist klar. Wir sind immerhin die viertgrösste Partei im Kanton. Sollte die Gelegenheit in vier bis sechs Jahren gut sein, wollen wir Verantwortung in der Regierung übernehmen. Die Gefahr, eine prominent Person wie Martin Bäumle, Tiana Moser oder mich zu verheizen, ist uns im Moment einfach zu gross. Diese Karte ziehen wir, wenn wir ernsthafte Chancen haben.

Spielen da auch die ­Erfahrungen der Stadtpartei mit, die in den letzten beiden Jahren bei Stadtratswahlen zwei Schlappen ­einstecken musste?
Natürlich sind wir für andere Parteien unterdessen eine ernstzunehmende politische Konkurrenz. Wir müssen uns also gut überlegen, wo wir unsere personellen und finanziellen Ressourcen am besten einsetzen.

Um den siebten Sitz zeichnet sich ein spannender Kampf zwischen dem Grünen Martin Graf und der prominenten CVP-Frau Silvia Steiner ab. Haben Sie keine Angst, dabei in Vergessenheit zu geraten?
Nein. Natürlich ist die CVP-Kandidatin bekannt – jedoch primär in der Politszene. Breite Bevölkerungsschichten unterscheiden stark zwischen den Wahlen in die Regierung und den Wahlen ins Kantonsparlament. Wenn wir einen sehr guten Wahlkampf für den Kantonsrat führen und unsere amtierenden Parlamentsmitglieder Vollgas geben, mache ich mir keine Sorgen.

Im Kantonsrat haben die Grünliberalen heute 19 Sitze. Wie viele Sitze streben Sie neu an?
Wir haben ein enormes Wachstum hinter uns – vor vier Jahren konnten wir die Sitzzahl fast verdoppeln. Nun wollen wir auf hohem Niveau moderat wachsen: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, 20 Sitze zu erreichen.

Werden die Grünliberalen ­Regierungsratskandidaten anderer Parteien unterstützen?
Das ist offen. Der kantonale Vorstand wird entscheiden, ob und wen wir allenfalls unterstützen.

Erstellt: 12.09.2014, 06:45 Uhr

Thomas Maier, Parteipräsident der Grünliberalen des Kantons Zürich, vertritt die Partei auch im ­Nationalrat. Foto: Büttner - Meienberg/Pixsil

Artikel zum Thema

SP setzt auf eine Zweierkandidatur

Die Juso und Daniel Jositsch wollten eine aggressive Strategie für die Zürcher Regierungsratswahlen fahren. Sie sind bei der Parteibasis abgeblitzt. Mehr...

Bäumle weist Kritik der CVP zurück

Der Chef der Grünliberalen glaubt, dass die BDP bei den Wahlen 2015 von einer Listenverbindung mit seiner Partei profitieren würde. Mehr...

Bäumle und das ungesunde Politiker-Leben

Hintergrund Wenig Schlaf, viel Stress und zu viel und zu spätes Essen: Wie die politische Arbeit den GLP-Präsidenten über seine Grenzen brachte. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...