Die Grösse spielt doch eine Rolle

Fanwimpel, Rosenkränze, Plüschtiere: Die Polizei entscheidet von Fall zu Fall, welche Spiegeldeko im Auto zulässig ist.

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255 Franken Busse: Sein Fanwimpel am Rückspiegel kam einen GC-Fan teuer zu stehen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete.

Die Frage drängt sich auf: Was ist denn mit all den Duftbäumchen, Plüschwürfeln, Gebetskränzen und Kuscheltieren, die in Autos von den Innenspiegeln baumeln? Müssen sich alle Liebhaber von Autoinnendekoration vor der nächsten Polizeikontrolle fürchten? Oder hatte der GC-Fan einfach Pech?

Grosser Ermessensspielraum

Adrian Feubli, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, verweist auf die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge, Artikel 71, Absatz 4. Dort heisst es wörtlich: «An, vor oder hinter den Scheiben dürfen keine Gegenstände angebracht werden, welche die Sicht des Führers oder der Führerin beeinträchtigen.»

Doch ab welcher Grösse beeinträchtigt ein Gegenstand die Sicht des Fahrers? Das Gesetz lässt der Polizei hier viel Spielraum. Adrian Feubli will keine genaueren Angaben machen: «Ob die Sicht des Fahrers gewährleistet ist oder nicht, liegt letztlich im Ermessen des Polizisten, der die Kontrolle durchführt.»

Bei der Stadtpolizei Winterthur sieht man es ähnlich. «Wir empfehlen unseren Polizisten, sich in das entsprechende Fahrzeug zu setzen und selber zu beurteilen, ob ein Gegenstand die Sicht nicht zu sehr behindert», erläutert Hugo Strausak, Dienstchef der Winterthurer Verkehrspolizei. «Je kleiner die Frontscheibe, desto weniger Dekoration verträgt der Innenspiegel.»

Keine Jagd auf Spiegel-Sünder

Eine Busse wegen eines am Innenspiegel hängenden Duftbaums liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, wie sowohl Feubli als auch Strausak bestätigen. Es liegt daher auf der Hand, dass noch grössere oder voluminösere Gegenstände wie die häufig anzutreffenden Plüschwürfel, Miniboxhandschuhe oder farbige Girlanden erst recht eine Busse zur Folge haben können. Lediglich kleine Kettchen oder Rosenkränze dürften keine Einwände seitens der Polizei hervorrufen.

Müssen sich Autofahrer jetzt auf vermehrte Rückspiegelkontrollen durch die Polizei gefasst machen? Strausak winkt ab: «Wir werden keine Jagd auf Rückspiegel-Sünder machen. Und im Zweifelsfall können es Polizisten auch bei einer Ermahnung belassen.»

Also: Wer mit seiner Dekoration im Auto kein Risiko eingehen will, sollte den Duftbaum besser am Schalthebel anbringen, den Plüschteddy auf dem Hintersitz versorgen oder den Fanwimpel gegen einen Gebetskranz eintauschen. Vielleicht wird der Grasshopper-Club ja nächstens GC-Gebetskränze in seinen Fanshop aufnehmen, für alle, die im Auto nicht auf Devotionalien ihres favorisierten Fussballvereins verzichten können.

Erstellt: 15.10.2012, 16:05 Uhr

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