Die Kalbshaxenmoschee

In Zürich gibt es seit 1866 eine Moschee. Die erste war die Kalbshaxenmoschee, so wurde im Volksmund die frühere Fleischhalle am Limmatquai genannt.

Um 1900 war die Limmat mit Einbauten bestückt: Links unten der obere Mühlesteg, abgebrochen 1950; in der Mitte die Fleischhalle; rechts die Schipfe.

Um 1900 war die Limmat mit Einbauten bestückt: Links unten der obere Mühlesteg, abgebrochen 1950; in der Mitte die Fleischhalle; rechts die Schipfe. Bild: Keystone

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Eigentlich ist es schade, dass die Fleischhalle 1962 ersatzlos abgebrochen wurde. Das Gebäude war noch bestens in Schuss und eine architektonische Perle. Da stimmte einfach alles: das Verhältnis von Länge zu Breite zu Höhe. Und erst die beiden Kuppeln. Vor allem die markante Mittelkuppel verstand es, Eindruck zu machen.

Der zierliche Bau entstand wie der Schlachthof nach Plänen des Stadtbaumeisters Ludwig Hanhart. Die Fleischhalle wurde 1866 an der gleichen Stelle errichtet, wo heute das Café Rathaus steht. Und genau an dieser Stelle soll auch der umstrittene Hafenkran zu stehen kommen, der die Zürcher für kurze Zeit aus ihren Sehgewohnheiten reissen soll.

Private Metzger gab es nicht

Im Volksmund wurde die Fleischhalle «Kalbhaxenmoschee» genannt. Sie war aber natürlich eine Markthalle für alle Arten von Fleisch, denn aus hygienischen Gründen war es damals nicht erlaubt, in privaten Metzgereien Fleischwaren anzubieten. Angeliefert wurde die Ware per Boot. Innen war die Kalbshaxenmoschee weit weniger attraktiv. Fleischbank reihte sich an Fleischbank, insgesamt waren es rund 40.

Eine Fleischbank war übrigens eine Sandsteinbank, die aus hygienischen Gründen mit einer Marmorplatte überdeckt war. Die Halle war gut durchlüftet. Das war angenehm im Sommer – und teuflisch kalt im Winter. An besonders kalten Tagen schlotterten die Metzger wie die Schlosshunde. An den Wänden soll sich jeweils eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht gebildet haben. Wirtschaftlich gesehen war die Kalbshaxenmoschee ein Flop. Sie wurde 1866 eröffnet, im gleichen Jahr wurde aber auch der Fleischverkauf liberalisiert, das heisst, jeder Metzger konnte nun sein eigenes Geschäft eröffnen. Das taten viele, und bald war die Fleischhalle viel zu gross. Schon 1900 gab es lediglich noch 19 Verkaufsstände, 1950 gar nur noch 6. Diese letzten 6 Metzger hingegen wollten auf keinen Fall raus und kämpften bis vor Bundesgericht für den Erhalt der Fleischhalle – allerdings erfolglos.

Für eine freie Limmat

Das Ende der Kalbshaxenmoschee läutete eine Motion des Landesrings ein. Die Partei des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler verlangte eine «freie Limmat» und damit die Befreiung des Flusses von seinen charakteristischen Bauten. Es war eine Zeit des Aufbruchs nach den langen Kriegsjahren. Plötzlich wurde als beengend empfunden, was Zürich während Jahrhunderten geprägt hatte: leben und arbeiten am und im Fluss. 1949 und 1950 wurden die beiden Mühlestege mit ihren vierstöckigen Mühlen und Geschäftshäusern abgebrochen. 1951 nahm der Gemeinderat die Motion für die freie Limmat an, und 1962 fiel dann die Kalbshaxenmoschee dem Bagger zum Opfer. Ironischerweise wurde just in diesem Jahr der Grundstein für die erste richtige Moschee in Zürich gelegt: die Mahmut-Moschee an der Forchstrasse.

Erstellt: 13.08.2010, 10:03 Uhr

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