«Die Leitung ist aus dem Jahr 1894»

Ein Rohrbruch wie der von Donnerstagmorgen beim Manesseplatz ist aussergewöhnlich. Riccarda Engi von der Wasserversorgung erklärt, warum es mehr als eine Stunde gedauert hat, bis die Fontäne versiegte.

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Um 10 Minuten nach 5 Uhr barst eine Wasserleitung an der Uetlibergstrasse beim Manesseplatz. Eine grosse Fontäne schoss 15 Meter in die Höhe. Enorme Wassermassen ergossen sich auf die Strasse, zahlreiche Keller wurden überflutet, kopfgrosse Steine auf Dächer geschleudert oder hundert Meter weggespült, Autos in der näheren Umgebung haben Totalschäden, gemauerte Balkone und Wohnungen waren geflutet, das Chaos gross. In dieser Situation war die Wasserversorgung der Stadt Zürich stark gefordert. Mediensprecherin Riccarda Engi sagt, weshalb es beinahe eineinhalb Stunden dauerte, bis das Wasser abgestellt war.

Was ist heute Morgen unter dem Asphalt passiert?
In der Uetlibergstrasse ist eine Haupttransportleitung geborsten. Das war ein Rohr mit 60 Zentimeter Durchmesser und 10 bar Druck. Das ist noch nicht mal die dickste Leitung. Wir haben Leitungen von 8 bis 80 Zentimeter im Boden und dann noch den Stollen rund um Zürich mit einem Durchmesser von 2 Meter 20. Alleine die Trinkwasserleitungen der Stadt messen 1540 Kilometer. Das entspricht etwa der Strecke Zürich–London retour.

Wieso ist die Leitung geborsten?
Sie war alt und auf der Liste der 30 Kilometer Leitungen, die wir jährlich ersetzen. Das war eine Grauguss-Leitung aus dem Jahr 1894. Wenn eine solche Leitung bricht, dann drückt das Wasser von Innen eine Kerbe aus dem Rohr. Bei diesem Rohrbruch war die Kerbe himmelwärts, deshalb auch die grosse Fontäne. Das Wasser schiesst mit einem sehr hohen Druck aus dem Rohr und spült alles weg, was sich in den Weg stellt. Da ist auch eine 10 Zentimeter dicke Asphaltdecke kein Hindernis. Bei 10 bar Druck fliesst das Wasser wie bei einem Wasserfall von 100 Metern Höhe. Da kommt eine grosse Menge. Wenn dann das Wasser abgestellt und versickert ist, sieht es aus wie ein Bombenkrater.

Warum hat es über eine Stunde gedauert, bis das Wasser abgestellt wurde?
Dieser Rohrbruch ist vor sechs Uhr passiert, darum mussten wir unsere Pikettleute mobilisieren. Das dauert dann eben zusätzlich 20 Minuten.

Wie funktioniert die Alarmkette nach so einem Rohrbruch?
In unserer 24 Stunden besetzten Steuerzentrale wird ein Druckabfall festgestellt. Wir können diesen grob lokalisieren. Inzwischen melden Anwohner bei Schutz & Rettung, dass Wasser aus dem Boden austritt. Schutz & Rettung alarmiert uns und die Polizei und rückt aus. Wir schicken unseren Pikettdienst und suchen inzwischen nach einem Weg, wie wir das Wasser umleiten können.

Kann man das Wasser nicht einfach abdrehen?
Das ist heikel. Dann steigt der Druck in den anderen Leitungen. Deshalb haben solche Leitungen auch keine Schieber, die sofort schliessen, sondern Klappen. Diese Klappen schwenken sehr langsam zu. Das kann mehr als eine Viertelstunde dauern. Damit werden Folgebrüche verhindert.

Hat das nicht etwas sehr lange gedauert?
Das war dem Umstand zu verdanken, dass unsere Leute, als sie dann auf dem Platz waren, sich in knietiefem Fliesswasser mit Geschiebe und Geröll in der Gischt an den Schieber vortasten mussten. Der war nicht einfach zu finden.

Sind die Anwohner jetzt ohne Wasser?
Nein, die werden über eine 15 Zentimeter Leitung versorgt. Sonst hätten wir schon Säcke mit Trinkwasser verteilt und an einem Hydranten ein Standrohr angebracht, damit die Anwohner Wasser holen können.

Wer räumt den Dreck weg und repariert die Leitung?
Dafür haben wir eine Vertragsunternehmung, eine ganz normale Tiefbaufirma, die wir beauftragen. Die räumen das Geröll weg, machen den Aushub, unsere Rohrnetzmonteure reparieren die Leitung, danach stellt die Baufirma den vorherigen Zustand wieder her.

Wie werden die Anwohner entschädigt?
Wir haben eine Haftpflichtversicherung, die für solche Schäden aufkommt. Die Inspektoren sind bereits vor Ort.

Was geschieht mit den Autos?
Nach unserer Erfahrung sind geflutete Autos oft Totalschäden, aber das müssen die Inspektoren beurteilen.

Wird jetzt die ganze Uetlibergstrasse aufgerissen und alles ersetzt?
Vorerst nur das betroffene Stück. Die Uetlibergstrasse wird aber sicher heraufgestuft in der Prioritätenliste der zu ersetzenden Leitungen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.03.2013, 14:33 Uhr

«10 bar Druck entspricht einem Wasserfall von 100 Metern Höhe»: Riccarda Engi, Mediensprecherin der Wasserversorgung Stadt Zürich. (Bild: zvg)

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