«Die Leute werfen einfach alles in den Wald»

Über 1200 Schulkinder säubern heute die Zürcher Wälder. Dabei finden sie nicht nur tonnenweise Abfall, sondern machen manchmal auch irritierende Entdeckungen.

Aufräumarbeiten im Wald: Dritt- bis Sechstklässler bei der Putzaktion.

Aufräumarbeiten im Wald: Dritt- bis Sechstklässler bei der Putzaktion. Bild: TA-Archiv

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Leere PET-Flaschen, vergammelte Plastiksäcke, schmutzige Taschentücher und Papierfetzen – es ist erstaunlich, was im Zürcher Wald an Abfall so weggeworfen wird. «Die Leute lassen einfach alles liegen», sagt Naturpädagogin Silvia Fux von Grün Stadt Zürich. Besonders Grillstellen sehen nach nächtlichen Gelagen oft aus wie eine einzige Müllhalde.

Fux kennt die Problematik mit dem Abfall in den Zürcher Wäldern. Seit sieben Jahren organisiert sie bei Grün Stadt Zürich die traditionelle Waldputzete, die heute Mittwoch in den Gebieten Zürich-, Käfer-, Höngger- sowie Uetliberg stattfindet.

Hinweise auf ein Verbrechen

Über 1200 Schülerinnen und Schüler aus 53 Klassen durchstreifen den Wald rund um die Stadt und sammeln Abfall ein. Im vergangenen Jahr betrug die Sammelmenge 1350 Kilogramm, im Jahr 2013 waren es 2710 Kilogramm, welche die Wegwerfgesellschaft hinterlassen hat.

Gemäss Fux finden die Kinder dabei längst nicht nur gewöhnlichen Abfall, sondern durchaus auch kuriose Dinge. «In den letzten Jahren entdeckten wir eine Spielkonsole und in der Nähe der Uetlibergbahn zerschlissene Plastikschlitten im Gestrüpp.» Auch eine komplette Polstergruppe befand sich schon unter den Funden, und vor vier Jahren entdeckten die Kinder drei Tresore, allerdings geknackte. Heute fanden die Kinder am Hönggerberg/Grünwald einen Computer, Garten- und Bürostühle, ein Portemonnaie aus Leder samt Ausweisen und Kreditkarten sowie Möbelteile und Eisenstangen.

Abfall zieht Abfall an

Laut Fux gibt es Waldgebiete, wo sich mehr Abfall anhäuft als anderswo. «Zum Beispiel beim Hohenstein im Uetliberg, wo es einen beliebten und dementsprechend rege benutzten Grillplatz hat», sagt sie. Man kennt das ja: Abfall scheint weiteren Abfall magisch anzuziehen. Und das kann schnell ausarten.

Organisiert wird die Putzaktion seit 20 Jahren von den Naturschulen in Zusammenarbeit mit den Waldrevieren und unterstützt durch weitere Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich, die den Abfall nach der Aktion fachgerecht entsorgen. Deren Sprecher Lukas Handschin sagt, der Anlass habe einst mit 10 bis 15 Schulklassen begonnen und sei über die Jahre kontinuierlich gewachsen. Es hätten schon über 70 Klassen am beliebten Fötzelen teilgenommen. «Da gab es fast zu viele Kinder und zu wenig Abfall», sagt Silvia Fux.

Manche Kinder scheinen den Wald nicht zu kennen

Alle teilnehmenden Kinder werden heute mit Gummihandschuhen und Abfallsäcken ausgerüstet und von Wildhütern und Forstwarten fachkundig begleitet. Selbstverständlich seien nicht alle mit der gleichen Euphorie dabei, sagt Silvia Fux. Die Stimmung drehe aber, sobald die Dritt- bis Sechstklässler das Schulzimmer erst einmal hinter sich gelassen haben und im Wald stehen.

«Die Motivation stellt sich von allein ein, wenn man erklärt, dass sie mit ihrer Säuberungsaktion den Tieren und Pflanzen im Wald helfen», sagt Fux. Zudem sei der Waldputztag auch ein Bewegungsprogramm für die Kinder, denn bei manchen Schülerinnen und Schülern habe man den Eindruck, sie kennen den Wald überhaupt nicht, obwohl er praktisch vor ihrer Haustüre liege. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.03.2015, 11:57 Uhr

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