Interview

«Die Männer fördern sich selbst genug»

Die Präsidentin der FDP-Frauen Stadt Zürich weist eine Mitschuld an der gestrigen Wahlschlappe weit von sich. Dafür stellt sie Forderungen für die Gesamterneuerungswahl: Mindestens eine FDP-Frau soll antreten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Uttinger, der Stadtzürcher FDP-Präsident Michael Baumer sagt in einem Interview der NZZ, Sie sollten sich Ihre Gedanken machen, welchen Anteil Sie am gestrigen Resultat haben. Tragen Sie eine Mitschuld an der Wahlschlappe der FDP?
Nein. Wir haben bei den Ersatzwahlen lediglich versucht, einer profilierten Frau die Chance auf einen Sitz im Stadtrat zu geben. Das ist schliesslich auch meine Aufgabe als Präsidentin der FDP-Frauen. Inzwischen hatten wir eine parteiinterne Aussprache zu diesem Thema. Jetzt geht es darum, gemeinsam das Beste für die Zukunft der Partei zu erreichen und zusammen herauszufinden, wer als chancenreichste Kandidatin oder chancenreichster Kandidat für die Gesamterneuerungswahlen aufgestellt werden kann.

Muss es eine Frau sein?
Die FDP-Delegierten sollten zumindest die Möglichkeit haben, eine Frau wählen zu können. Das haben wir schon seit dem Rücktritt von Kathrin Martelli gefordert. Auch ein gemischtes Team wäre möglich – also beispielsweise neben dem bereits amtierenden Stadtrat Andres Türler ein weiterer Mann und eine Frau. Allerdings weiss ich nicht, ob er überhaupt wieder antreten will. Ich gehe jedoch davon aus.

Welche Frauen kommen als Kandidatinnen infrage?
Es gibt verschiedene sehr gute Frauen in der FDP. Beispielsweise Nationalrätin Doris Fiala oder die Kantonsrätinnen Carmen Walker Späh, Leila Feit oder Regine Sauter.

Carmen Walker Späh wurde von den Delegierten als Kandidatin für die Stadtratsersatzwahl abgelehnt. Will sie überhaupt nochmals antreten?
Wir haben noch keine konkreten Gespräche geführt, daher ist es noch zu früh, um hier eine Aussage zu machen. Grundsätzlich geht es darum, herauszufinden, wer bei den Zürcher Wählerinnen und Wählern überhaupt eine Chance hat. Unser Ziel muss sein, einen zweiten Sitz zu gewinnen. Noch lieber auch einen Dritten.

Und Sie glauben, dass Frauen die grössere Wahlchance haben?
Über die Hälfte der Wählerschaft sind Frauen. Sie sollten auch in der Exekutive entsprechend vertreten sein. Wir haben die Frauen bisher einfach vergessen – insbesondere die FDP. Dabei müssen wir gerade sie abholen und ihnen die Chance geben, in eine Exekutive gewählt zu werden. Hier haben wir noch Nachholbedarf.

Wie sieht es bei den Männern aus? Welchen Kandidaten würden Sie vorschlagen?
Ich bin der Meinung, dass wir eine Persönlichkeit aufstellen müssen, die ein klares liberales Profil nach aussen trägt. Gemeinderat Severin Pflüger wäre für mich ein geeigneter Kandidat. Aber er ist momentan noch zu sehr in der Familie eingebunden. Es ist auch für Männer schwierig, Familie und Beruf zu verbinden – und das Stadtratsamt ist ausgesprochen anspruchsvoll und zeitintensiv. Ich muss aber zugeben, dass ich mich bisher mehr mit Frauen als mit möglichen männlichen Kandidaten auseinandergesetzt habe. Die Männer fördern sich selbst genug.

Erstellt: 22.04.2013, 11:12 Uhr

Ursula Uttinger

Ursula Uttinger ist Präsidentin der Liberalen Frauen Stadt Zürich und Zürcher Gemeinderätin aus dem Kreis 6.

Artikel zum Thema

Partei-Rebellin wider Willen

Bis vor einer Woche war Ursula Uttinger eine wenig bekannte Zürcher FDP-Gemeinderätin. Jetzt ist sie das bekannteste schwarze Schaf der Stadtpartei. Mehr...

Die Korrekte

FDP-Kantonsrätin Carmen Walker Späh steht im Fokus, weil die Partei sie nicht für die Nachfolge von Stadtrat Martin Vollenwyder nominieren wollte. Sie könnte dennoch zum Zug kommen. Wer ist diese Frau? Mehr...

Die FDP im Schockzustand

Wahl in den Stadtrat Mit der Wahl von Richard Wolff stehen in Zürich sieben linksgrüne Stadträte zwei Bürgerlichen gegenüber. Die FDP muss eine schwere Niederlage hinnehmen. Und nennt verschiedene Gründe dafür. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...