Hintergrund

Die Mietwohnung als Geldquelle

Über die Internetplattform Airbnb können Reisende Unterkünfte bei Privaten finden. Viele Zürcher bieten ihre Wohnung dort an – und manche finanzieren damit gleich zwei Mieten.

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Der Lebenspartner von Peter Meier* brach im Januar dieses Jahres auf, um für ein halbes Jahr im Ausland zu studieren. Nun musste eine Lösung her für den fehlenden Mietanteil für die Dreizimmerwohnung in Wipkingen. «Erst dachte ich daran, ein WG-Zimmer für die ganze Zeit an einen Studenten zu vermieten.» Doch bald kam ihm eine bessere Idee: Er schrieb die Wohnung auf Airbnb aus. «Von da an nahm ich die Hälfte der monatlichen Miete von 2000 Franken ein und hatte insgesamt nur die Hälfte der sechs Monate tatsächlich Mitbewohner.»

Auf Airbnb schreiben Private weltweit einzelne Zimmer oder gar ganze Wohnungen und Häuser aus, die Reisende für bestimmte Zeit mieten können. Die Angebote werden klar beschrieben und reichen von einfachen und günstigen bis hin zu luxuriösen Objekten. Zudem können die Besucher die Angebote im Nachhinein bewerten, was Interessierten zusätzliche Anhaltspunkte gibt.

Nun, da Peter Meiers Lebenspartner zurück ist, bietet das Paar die Wohnung weiterhin an. «Wenn wir ein Wochenende weg oder in den Ferien sind», erklärt Meier. Bisher sei es nie schwierig gewesen, sie auch kurzfristig an den Mann oder die Frau zu bringen. «Mit 110 Franken pro Nacht für zwei Personen sind wir aber auch vergleichsweise günstig.» Rund 100 Fremde lebten seit Anfang Jahr bereits in der Wohnung des 31-Jährigen. Und nur einmal machte er schlechte Erfahrungen: «Da übernachteten vier Personen bei uns und hinterliessen die Wohnung ziemlich schmutzig.» Doch die Vorteile überwiegen: «Pro Monat nehmen wir zwischen 600 und 800 Franken ein. Das senkt unsere Miete deutlich.»

Zustupf von 300 Franken

Noch weiter geht Ruth Müller*. Sie mietet seit Jahren eine günstige Wohnung im Kreis 4. Doch plötzlich packte sie der Wunsch, wieder mit Freunden zusammenzuwohnen. «Aber ich konnte mir zwei Mieten gleichzeitig unmöglich leisten.» Freunde zeigten ihr Airbnb. Eigentlich wollte Müller nur die Miete ihrer alten Wohnung ausgleichen. Als sie diese vor einem knappen Jahr auf Airbnb anbot, gelang ihr das anfangs kaum. Nun hat sich die Situation geändert. Durchschnittlich nimmt sie 1800 Franken monatlich ein. Damit kann sie beide Mieten bezahlen und hat sogar noch einen Zustupf von 300 Franken. In den letzten zwei Sommermonaten waren die Einnahmen wegen der vielen Ferienreisenden besonders hoch und schlugen mit bis zu 2700 Franken zu Buche. «Das ist aber sehr aussergewöhnlich», wie Müller erklärt.

Schlechte Erfahrungen machte Müller innerhalb des knappen Jahres kaum. «Bei zwei von 50 Buchungen gab es Probleme: Einmal trank eine Gruppe junger Leute sämtlichen Alkohol leer, ein anderes Mal machten Besucher einen Stuhl kaputt und sagten nicht einmal etwas.» Würden diese Erfahrungen überwiegen, würde Müller die Wohnung nicht mehr anbieten. «Die Besucher sind aber meistens sehr nett, und es ist ihnen bewusst, dass sie in einer Privatwohnung wohnen, der sie Sorge tragen müssen.» Zudem seien sie viel näher am Leben in Zürich dran: «Anders als im Hotel erleben sie ihre Ferien, als ob sie wirklich hier wohnen würden.»

Kritik vom Mieterverband

Doch dies ist für Müller mit einigem Aufwand verbunden. Täglich checkt sie ihre E-Mails, beantwortet Anfragen, und pro Woche muss sie rund zwei bis vier Stunden für Reinigungsarbeiten und Waschen der Bettwäsche aufwenden. Peter Meier hat mittlerweile verschiedene Standard-E-Mails eingerichtet, die er an Interessierte versenden kann. Zudem macht ihm das vermehrte gründliche Putzen in seiner Wohnung nichts aus: «Davon haben wir ja auch selbst etwas.»

Über 900 Angebote findet man auf Airbnb im Raum Zürich. Die meisten liegen preislich zwischen 90 und 150 Franken pro Nacht. Die jeweiligen Wohnungsmieter bewegen sich mit ihren Angeboten allerdings in einem gesetzlichen Graubereich. Laut Walter Angst, Sprecher des Mieterverbandes, sei die Regelung klar: «Untermieter müssen dem Vermieter gemeldet werden, und man darf zwar Aufwände wie Putzen oder Mitbenutzen der Möbel zusätzlich verrechnen, einen Gewinn darf man aber nicht machen.»

Angst kritisiert scharf, wenn Wohnungen kaum mehr bewohnt, dafür aber «touristisch genutzt» werden. Merke dies der Vermieter, sei eine Kündigung die wahrscheinliche Folge. «Auch wenn mir keine Präzedenzfälle bekannt sind, gehe ich doch davon aus, dass solche Kündigungen von den Gerichten geschützt würden.»

*Namen geändert

Erstellt: 30.08.2013, 10:32 Uhr

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