Die Promis und die Bestplatzierten für die Zürcher Wahlen

1054 Zürcherinnen und Zürcher stellen sich für ihre Parteien zur Wahl in Stadparlament. Einige fallen auf.

Hier wollen sie alle hin und sich für ihre Anliegen ins Zeug legen: Blick in den Zürcher Gemeinderatssaal. Foto: Sabina Bobst

Hier wollen sie alle hin und sich für ihre Anliegen ins Zeug legen: Blick in den Zürcher Gemeinderatssaal. Foto: Sabina Bobst

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Er tanzt aus der Reihe: Andreas Hauri (52, GLP). Hauri will am 4. März Zürcher Stadtrat werden und macht sogar Stadtpräsidentin Corine Mauch das Amt streitig. Aber in den Gemeinderat will er nicht. Er ist das Schlusslicht auf der GLP-Liste im Kreis 9. Das ist ziemlich ungewöhnlich. Die anderen neuen Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat führen die Listen ihrer Parteien meist an. Hauris Zurückhaltung ist aber verständlich: Er ist bereits Kantonsrat. Beide Gremien wären ihm wohl zu viel.

Hauris Mitstreiter im Kampf um den Stadtrat haben hingegen Spitzenpositionen auf den Gemeinderatslisten: Markus Hungerbühler (CVP) ist auf dem ersten Platz wie die Grüne Karin Rykart und der Freisinnige Michael Baumer. Susanne Brunner (SVP) ist auf Platz zwei, wie ihr Parteikollege Roger Bartholdi. Mindestens zwei der fünf werden es wohl in den Stadtrat schaffen. Die besten Chancen haben Baumer, Rykart oder Hungerbühler – was im Frühling wiederum mehreren Neuen die Tür in den Gemeinderat öffnen würde.

Auf Baumer könnte die Rechtsanwältin Corina Ursprung Sprenger folgen. Bei der CVP hat ein Mann mit dem interessanten Namen Charles Schnyder von Wartensee gute Aussichten. Er ist auf Platz zwei direkt hinter Hungerbühler. Schnyder von Wartensee (28) ist Geschäftsführer der Stadtzürcher CVP. Auf die Grüne Rykart könnte wieder eine Frau folgen: die Lehrerin Franziska Schneider (60) ist dafür auf der besten Position. Stets vorausgesetzt, sie alle werden nicht weggestrichen.

Zwei Neulinge ganz vorne

Die Plätze hinter den Stadtratskandidaten sind für Neulinge gut – aber nicht die besten. Noch besser aufgestellt sind zwei Sozialdemokratinnen: die Museumsleiterin Maya Kägi Götz und die Projektleiterin Barbara Haller. Bemerkenswert: Sie stehen als neue Kandidatinnen im Wahlkreis 4 und 5 an der Spitze ihrer Liste. Mindestens eine der beiden dürfte das Rennen machen, schliesslich tritt der jetzige Gemeinderatspräsident Peter Küng zurück. Auch bei der SVP haben drei neue Kandidaten gute Wahlchancen, weil Kurt Hüssy, Thomas Monn und Daniel Regli zurücktreten. Am ehesten gewählt werden für sie Tobias Baggenstos (25), Logistiker, Unternehmensberater Beat Camen (69) und Treuhänder Reto Brüesch (46). Zumindest haben sie die besten Plätze auf den Parteilisten. Brüesch hat aber eine harte Konkurrentin: Die umstrittene Erzieherin Sefika Garibovic ist hinter ihm und könnte ihn dank ihrer Bekanntheit überholen. Im Zusammenhang mit dem jungen Straftäter Carlos hatte sie mehrere Auftritte in den Medien.

Auch auf anderen Listen finden sich prominente Namen – aber häufig auf chancenlosen Schlussrängen: Die Filmemacher Samir und Paul Riniker kandidieren erneut für die Alternative Liste, wie der Autor Willi Wottreng. Die Gewerkschafterin Natascha Wey steht auf der Liste der SP, Guerilla-Gärtner Maurice Maggi und Nationalrat Bastien Girod sind bei den Grünen. Girods Name steht auf dem letzten Platz.

Knifflige Aufgabe für Barandun

Mit einer schwierigen Aufgabe hat die CVP Nicole Barandun betraut. Die Präsidentin des Gewerbeverbands führt zwar eine Liste an, aber im Kreis 6, wo die CVP bisher keinen Sitz hält. Offenbar dient Barandun dort als Wahlkampftreiberin, die einen ersten Sitz für die Mittepartei holen soll.

Insgesamt stellen sich am Sonntag, 4. März, 1054 Zürcherinnen und Zürcher zur Wahl in den Gemeinderat. Das sind knapp 70 weniger als 2014. Schaffen werden es 125 von ihnen. Wie beim letzten und vorletzten Wahltermin ist der Frauenanteil tiefer als jener der Männer. Knapp 40 Prozent sind Kandidatinnen, 60 Prozent Kandidaten. Da ändert es auch wenig, dass die konservative EDU im Kreis 4 + 5 nur auf Frauen setzt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.01.2018, 21:10 Uhr

Die Kommunisten sind zurück

Die Partei der Arbeit tritt in fast allen Kreisen zur Wahl an – mit vielen Jungen.

Auf einmal ist sie wieder da, die PdA, die Partei der Arbeit. Nach Jahren der Bedeutungslosigkeit will sie zurück auf die politische Bühne. Ihr Spitzenkandidat, Anwalt Marcel Bosonnet, erklärt es so: «Die AL ist uns zu bürgerlich geworden. Deshalb haben wir entschieden, uns in diesem Jahr bemerkbar zu machen.» Und das gleich in den meisten Wahlkreisen. In elf von zwölf hat die Partei eine Liste von Kandidatinnen und Kandidaten zusammengestellt, die im Frühling in den Gemeinderat wollen.

Auffällig viele junge Frauen und Männer engagieren sich für die Partei, die sich am alten, kommunistischen Ideal einer klassenlosen Gesellschaft orientiert. Fast auf allen Listen finden sich Kandidatinnen und Kandidaten, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Die Jungen, sagt der 68-jährige Bosonnet, seien die treibenden Kräfte gewesen, um an den Wahlen teilzunehmen. Sie würden sich von den linken Parteien wie der SP und der AL nicht mehr vertreten fühlen. Vor allem seit die AL mit Sicherheitsvorsteher Richard Wolff einen Mann in der Regierung hat, der mit seinen Polizisten auch mal einer Demonstration Einhalt gebietet. Bosonnet sagt: «Diese Repression lehnen wir ab.» Demonstrationen seien wichtig für die Demokratie.

«Sofortige Mietzinssenkung um 25 Prozent»

Einsetzen will sich die Partei der Arbeit aber vor allem für bezahlbare Wohnungen. So fordert sie zur «Linderung der Notsituation» beispielsweise eine «sofortige Mietzinssenkung um 25 Prozent» in Zürich. Und sie steht dafür ein, dass die Stadt selbst aktiv mehr Wohnungen baut, vorrangig für Menschen mit kleinem Budget. Die rot-grüne Mehrheit mache dafür klar zu wenig, kritisiert sie auf ihrer Website.

Die Chancen der PdA sind gering. Sie müsste mindestens in einem Wahlkreis fünf Prozent der Stimmen gewinnen. Sonst bekommt sie keinen Sitz im Stadtparlament. Vor knapp 40 Jahren schied sie aus dem Gemeinderat aus und spielt seither in der Stadtpolitik kaum eine Rolle – obwohl sie einst gar einen Stadtrat stellte. Edgar Woog hatte als Regierungsmitglied aber wenig Glück. Der Kommunist wurde nach kurzer Zeit im Amt wegen Veruntreuung von Spendengeldern verurteilt. Er verlor seinen Sitz 1949 nach einem Amtsenthebungsverfahren, nach nur drei Jahren. Später hiess es in den Medien, dass der Prozess im Zeichen des Kalten Krieges stand und politisch motiviert war. (meg)

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Hohe Bilder

Sefika Garibovic


Erzieherin (SVP)

Samir


Filmemacher (AL)

Willi Wottreng


Autor (AL)

Natascha Wey


Gewerkschafterin (SP)

Maurice Maggi


Gärtner (Grüne)

Nicole Barandun


Anwältin (CVP)

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