Die SVP sagt nach Köbi Kuhns Auftritt Ja zum Stadion Hardturm

Der frühere Nationaltrainer warb mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für das neue Fussballstadion: Die SVP sagt überraschend deutlich Ja zum 216-Millionen-Kredit.

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Die grosse Frage des Abends lautete: Wird die SVP-Basis ihren Chefs folgen und Ja zum Stadionneubau für 216 Millionen Franken sagen, obwohl die FDP zuvor die Nein-Parole beschlossen hatte? Sie tat es. Von den 66 Delegierten stimmten 38 Ja, 26 Nein und 2 weder noch. Dem Resultat war eine emotionale Diskussion vorausgegangen. Kurz nach 20 Uhr ergriff Stadtparteipräsident Roger Liebi im Restaurant Blue Monkey das Wort. Es sei nun mal so, dass der Gemeinderat einstimmig für das Projekt gestimmt hatte, deshalb gebe es keine kontradiktorische Einführung, sagte er fast entschuldigend. «Faule Ausrede», tönte es aus dem Saal. Ein Heimspiel, das war spätestens jetzt klar, würde es für den Vorstand nicht werden. Doch Liebi hatte einen Joker auf der Bank: Köbi Kuhn. 6-mal Meister, 5-mal Cupsieger, 2007 Schweizer des Jahres. Wer, wenn nicht der Ex-Nati-Coach, sollte die Delegierten überzeugen?

Die rechte Hand am Mikrofon, die linke in der Hosentasche, legte der bald 70-Jährige los: «Fussball ist in der Muttermilch.» Gebe man einem Kind einen Ball, verlange dieses nicht nach einem Schläger, sondern versetze dem Ball einen Kick. Fussball, sagte Kuhn, könne man nur im Stadion richtig geniessen. Dafür dürfe dieses aber nicht halb leer sein wie bei ihm damals, als er im 200 000 Zuschauer fassenden Maracaña-Stadion von Rio de Janeiro vor 40 000 Fans in einer Weltauswahl spielte. Ein Stadion für 19 000 sei genau richtig, sagte Kuhn. Im heutigen Letzigrund brauche man in der Westkurve einen Feldstecher, um ein Tor auf der gegenüberliegenden Seite zu sehen. «Die Leute kommen ins Stadion, wenn man den Schweiss der Spieler riechen kann.» Er selber werde nicht an die Urne gehen können, sagte Kuhn. Er, der Wiediker, wohne mittlerweile ja knapp ennet der Stadtgrenze. «Ich habe aber vor wiederzukommen», sagte Kuhn – und erntete nicht nur dafür einen langen Applaus.

«Wir haben schon ein Stadion!»

Danach folgte eine Druckphase der Gegner. Kantonsrat und Stadtpolizist Rolf Stucker äusserte massive Sicherheitsbedenken. Die Anliegen der Fans nach getrennten Kurven seien höher gewichtet worden als die Sicherheit, sagte er, deshalb werde er Nein stimmen. Von Liebi kaum zu bremsen war Stefan Urech, Präsident der SVP 4 und 5. Der Jungpolitiker sagte: «Wir weichen nicht von der SVP-Linie ab, sondern Sie, liebe Gemeinderäte!» Und: «Weshalb soll es ausgerechnet in einer Wirtschaftsmetropole nicht möglich sein, dass Private ein Stadion finanzieren?» Gemeinderätin Monika Erfigen doppelte nach: «Wir haben ja schon ein Stadion, stimmen Sie Nein!» Und Gemeinderat Daniel Regli sagte: «Wir machen Hunderte Anträge in den Budget-Debatten, und jetzt unterstützen wir ein Staats-Stadion?» Von Glaubwürdigkeit war die Rede, schliesslich habe man erfolgreich das Nagelhaus bekämpft und andere Luxus-Lösungen.

Die Delegierten überzeugen konnten aber die Argumente der Befürworter: Kinder brauchen Vorbilder. Vorbilder brauchen ein echtes Stadion. Wer Fussball spielt, wird nicht kriminell. In 10 Jahren redet niemand mehr darüber, wie viel das Stadion gekostet hat. In St. Gallen funktionierts ja auch.

Am Schluss fasste Alfred Heer, Präsident der Kantonalpartei, zusammen: «Der Fussball leistet mehr Integration als das Zürcher Sozialamt.» Bei einem Nein würde die rot-grüne Stadtregierung das Geld für wesentlich Unsinnigeres verwenden, drohte er. Und das wollte dann doch niemand.

Köbi Kuhn lächelte zufrieden und trat vor die Kamera und die Mikrofone.

Erstellt: 22.08.2013, 21:33 Uhr

Ex-Nationaltrainer Köbi Kuhn. (Bild: Keystone )

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