«Die Schweiz geht nicht unter, wenn der Rosenverkäufer bleibt»

Juristisch sieht es für den Kurden Kubeysi Genoglu zappenduster aus. Doch die ehemalige SP-Gemeinderätin Rose Zschokke kämpft weiter für dessen Verbleib in Zürich. Es sei eine «Bauchgeschichte».

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Rechtlich gesehen ist der Fall klar: Rosenverkäufer Kubeysi Genoglu muss gehen. Wörtlich heisst es im Urteil des Bundesgerichts: «Die vorstehenden Erwägungen führen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer und Y. die Ehe rechtsmissbräuchlich eingegangen sind mit dem Ziel, dem Beschwerdeführer ein Aufenthaltsrecht zu verschaffen.» Genoglu reiste 2004 illegal in die Schweiz ein und heiratete kurz darauf eine zwanzig Jahre jüngere, drogenabhängige Frau. Ganz ausserordentliche Umstände, um ein überwiegendes privates Interesse am Verbleib in der Schweiz zu bejahen, würden nicht vorliegen, die Rückkehr in die Türkei sei ohne weiteres zumutbar, schreiben die Lausanner Richter. Bis zum 24. Februar muss der Kurde das Land verlassen.

Trotzdem geben die Freunde Genoglus nicht auf. Ihre Unterschriftensammlung, die in zahlreichen Bars und Restaurants im Langstrassenquartier aufliegt, läuft weiter. Initiantin der Aktion ist die ehemalige SP-Gemeinderätin Rose Zschokke. Als die 74-Jährige vom drohenden Schicksal des beliebten Rosenverkäufers erfahren hatte, reagierte sie spontan. So ist in der Petition denn auch nichts von einer Scheinehe zu lesen: «Unseres Wissens hat er sich nichts Schwerwiegendes zuschulden kommen lassen.» Zschokke kehrte erst gestern Nacht von einem Kurzaufenthalt in London zurück. Heute sagt sie: «Ich bin keine naive alte Gumsel.» Juristisch sei die Sache gelaufen. Das wisse auch Genoglu. Kämpfen will sie dennoch weiter für den Mann, der seit 10 Jahren mit seiner Vase voller Rosen zum Zürcher Nachtleben gehört.

«Eine Bauchgeschichte»

Zschokke sagt, sie argumentiere menschlich: «Das ist eine Bauchgeschichte.» Der Rosenverkäufer sei stets höflich, niemand habe ein Problem mit ihm. «Die Schweiz geht nicht unter, wenn er hierbleibt.» Die Petition, an der sich auch die Bar Daniel H., die Olé Olé Bar, die Ambossrampe oder das Schlössli an der Neufrankengasse beteiligen, läuft noch bis Samstag.

Am Montag besucht Rose Zschokke zusammen mit dem Rosenverkäufer die Sitzung des Kantonsrats, um Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) die Unterschriftenbögen zu überreichen. Man hoffe, dass dieser die Härtefallkommission einschalte.

«Für alle gilt dasselbe Recht»

Gespalten sind die Userinnen und User in den Kommentarspalten des «Tages-Anzeigers». Eine Frau schreibt zum Beispiel: «Spielt doch keine Rolle, ob Heirat in Liebe oder zum Zwecke. Bleib da!» Viele andere finden aber auch: «Für alle gilt dasselbe Recht. Er muss gehen.»

Rose Zschokke macht sich keine grossen Hoffnungen, obwohl die Petition sehr gut laufe. Genoglu habe seiner Frau Päckli geschickt und sie besucht, als sie eine Gefängnisstrafe verbüsste. Da sei es doch schwierig, von einer Scheinehe zu sprechen. Das Vorsprechen bei Fehr stellt sich Zschokke ein bisschen so vor wie eine Audienz beim König im Mittelalter: «Wir werden den Regierungsrat ganz einfach bitten, dass der Rosenverkäufer bleiben darf.»

Erstellt: 05.02.2014, 14:01 Uhr

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