Die Spur führt zum Sprayer von Zürich

Ist der Sprayer von Zürich wieder unterwegs? Harald Naegeli streitet es ab, die Indizien sprechen für das Gegenteil.

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«Wie kommen Sie darauf?», fragt er im Tonfall vollendeter Überraschung. Und klingt am Telefon so, als habe man ihn gefragt, ob er denn die Sixtinische Kapelle bemalt habe, damals im 16. Jahrhundert. Nun macht die Überraschung des Harald Naegeli ebenfalls staunen, wonach nicht er die Sprayereien von Zürich zu verantworten hat, die jetzt wieder aufgetaucht bzw. aufgesprayt sind.

Er hat wieder angefangen

Der Aktionskünstler Harald Naegeli hatte Ende der 70er-Jahre als «Sprayer von Zürich» die Stadt verziert, bis er vor 25 Jahren ertappt, zwei Jahre später in Deutschland gefasst und in der Schweiz zu einer demonstrativ hohen, neunmonatigen Gefängnisstrafe samt Busse verurteilt worden war. Seiner Verhaftung war eine jahrelange Kontroverse vorausgegangen, bei der halb Zürich über illegale Kunst auf privatem Grund debattiert hatte. Nach seiner Entlassung verzog Naegeli nach Deutschland und grollte; fast alle seiner Zürcher Werke wurden übermalt.

Warum aber sein jetziges Erstaunen so erstaunt: Vor ein paar Wochen teilte der 68-Jährige selber dem «Tages-Anzeiger» mit, er habe «wieder angefangen - in Deutschland, wo ich lebe». Und dann hinzugefügt: «Hier kommt es noch - wer weiss.» Gemeint hier in Zürich, wo Nägeli im Quartier Hottingen ein Haus besitzt. In dessen Nähe sind nun mehrere neue Sprühaktionen registriert worden: zwei an der Zollikerstrasse beim Botanischen Garten der Universität Zürich und zwei an der Englischviertelstrasse, vor einem Altersheim und im Eingang einer Parkgarage. Sprayereien also, aber auf nicht allzu kontroverser Unterlage. Sie werden von der Stadt übermalt, wenn der Besitzer das wünscht.

Dem Naegeli Sorge tragen

«Das bin ich nicht», sagt Naegeli zu den sprühenden Werken in seiner Umgebung. Er nehme an, dass ihn jemand imitiere. «Das ist so in der Kunst, dass man kopiert wird.» Falls das stimmt, sind die Kopien sehr naegelikompatibel geraten. Dieselbe hingeschlängelte Eleganz, derselbe sichere Blick für Raumgestaltung und Abstraktion, derselbe witzige Einbezug der Umgebung. So spriessen auf der Mauer vor dem Botanischen Garten organisch geformte Linien aus einem einsamen Metallpfosten, der sich sicher über den Zuwachs freut. Auch die anderen Werke wurden nicht bloss hingesprayt, sondern unter Berücksichtigung eingelassener Wasserhähne oder Lichtschalter aufgetragen. «Ein echter Naegeli?», fragt eine Frau, die vor dem Altersheim ihr Auto parkiert hat - «ja, dem muss man Sorge tragen.»

Das dürfte dem Künstler gefallen, dessen anarchische Selbstvergewisserung von einem zunehmend pathetischen Kunstanspruch überlagert wird. «Wie kein zweiter europäischer Künstler habe ich - im Widerspruch zur bürgerlichen Ordnung - Kunst wertfrei und autonom in die Öffentlichkeit gestellt», diktierte der Einmalige dem TA Ende August. Mit zunehmendem Alter sehe er sich aber wieder stärker als einen politischen Menschen.

Wie er darauf kommt? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2008, 10:54 Uhr

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