Die Stadtkrone

Als sich die Volksschule von der Kirche emanzipierte, kam Wiedikon zu seinen Wahrzeichen.

Auf dem Wiediker Hügelzug thronen von links nach rechts: die Kirche Bühl, das Volksschulhaus, eine Turnhalle und die heutige Kantonsschule.

Auf dem Wiediker Hügelzug thronen von links nach rechts: die Kirche Bühl, das Volksschulhaus, eine Turnhalle und die heutige Kantonsschule. Bild: Photoglob/Keystone

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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekamen der Baumeister Rudolf Gottlieb Gull und sein Sohn und späterer Stadtbaumeister Gustav den Auftrag, das Wiediker Schul- und Bethaus zu vergrössern. Die Bevölkerung des neuen Stadtquartiers war in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Man brauchte mehr Platz für Unterricht und Unterweisung. 266 fortschrittliche Wiediker verlangten in einer Unterschriftensammlung jedoch einen Neubau und die räumliche Trennung von Kirche und Schule. Dem Begehren wurde im Frühjahr 1894 an einer ausserordentlichen Versammlung diskussionslos zugestimmt.

Herrschaftliches Anwesen

Gustav Gull, der noch mit dem aufwendigen Bau des Landesmuseum beschäftigt war, kam für die Projektplanung nicht in Frage. Also entschied man sich für den Basler Architekten Paul Reber, einen Spezialisten für neugotische Sakralbauten, die zu der Zeit gerade en vogue waren. Als Standort für das neue Gotteshaus wählte man das damals noch vollständig im Grünen gelegene Schlössli-Areal auf dem parallel zu Sihl und Uetliberg verlaufenden Wiediker Moränenhügelzug.

Den Namen «Schlössli» verdankte der Flecken Erde vermutlich einem um 1812 erstellten herrschaftlichen Anwesen im Riegelbau, an dessen Stelle ab 1895 bis zu seinem Abriss 1970 das Restaurant Schlössli stand (das Gebäude mit der beschrifteten Fassade in der Bildmitte).

Im Winter 1896 wurde die Kirche Bühl feierlich eingeweiht. Wegen misslicher Wetterverhältnisse und Meinungsverschiedenheiten beim Innenausbau offenbar später als geplant. Bei der Aufrichte im Sommer 1896 trug der leidenschaftliche Poet Reber ein selbst verfasstes Gedicht aus der Sicht seiner Kirche vor: «Ach, was kann, Ärmste, ich dafür / Wenn man mich anfängt zu frisieren / Und dort vom Uetliberg, im Fluss / Auf mich herab schiesst Guss um Guss / Dass alle triefend retirieren!» Am Fusse des Backsteinbaus beginnt eine Parkanlage, die erst seit 2005 offiziell den Namen Kollerwiese trägt.

Schulanlage mit Spülung

Knapp nicht im Bildausschnitt ist das alte Schul- und Bethaus an der Schlossgasse, wo heute die Verwaltung der Kirchgemeinde Wiedikon einquartiert ist. Auf der Postkarte von 1920 ist die Kirche Bühl von weither sichtbar, heute ist diese beabsichtigte Wirkung nur noch zum Teil spürbar – Wiedikon ist längst kein Bauerndorf mehr.

Nordwestlich der Kirche baute Stadtbaumeister Arnold Geiser fast zeitgleich die Schulanlage Bühl. Das ursprüngliche Primarschulhaus, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu 66 Schüler in einem Klassenzimmer lernten, beherbergt heute die Volksschule. Im ehemaligen Sekundarschulhaus ist nun die Kantonsschule Wiedikon untergebracht. Quer dazwischen befindet sich eine Turnhalle als Bindeglied. Das Ensemble mit seinen streng symmetrischen Grundrissen und den umso verspielteren Dachlandschaften mit Türmchen und Giebeln erinnert an die Schlossarchitektur der deutschen Renaissance. In einer städtischen Broschüre steht, Schule und Kirche Bühl würden eine Art «Stadtkrone» bilden.

Stadtbaumeister Arnold Geiser war stolz auf seine Schule. Speziell auf die modernen sanitären Anlagen mit dem «automatisch wirkenden Schwemmsystem». Er schrieb: «Von grosser Wichtigkeit ist ferner die Abort- und Pissoiranlage. Man darf ohne Überhebung sagen, dass in Zürichs Schulhausbauten beinahe das Vollkommenste zur Ausführung gebracht wurde, was die Technik auf diesem Gebiete zu leisten vermag.»

Erstellt: 13.08.2010, 08:50 Uhr

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