Die Versechseläutung der Parade

Love-Mobiles voller zuckender Körper sind das erotisierende Aushängeschild des Techno-Umzugs. Neuerdings fahren dort auch Politiker mit.

Die Gemeinderäte sollen ihren Dresscode den Love-Mobiles anpassen: Raver-Pärchen bei einer Pause auf einem der Wagen. Bild: Thomas Egli

Die Gemeinderäte sollen ihren Dresscode den Love-Mobiles anpassen: Raver-Pärchen bei einer Pause auf einem der Wagen. Bild: Thomas Egli

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Die Aufgabentrennung der Zürcher Festumzüge war mal klar: Das Sechseläuten ist der Umzug, wo sich gesetztere Honoratioren vom Fussvolk für ihre politischen Verdienste feiern lassen. Und die Street Parade ist der Umzug des Fussvolks, das zu einem bestenfalls pseudopolitischen Allerweltsslogan sich selbst und die eigene Jugend feiert. Aber jetzt verwischen diese Grenzen.

Wie die NZZ berichtet, fahren dieses Jahr auf den Love-Mobiles, diesen rollenden Schaubühnen der exhibitionistisch Veranlagten, Zürcher Gemeinderäte aus fast allen Fraktionen mit. Quasi von Amtes wegen: Der diesjährige Gemeinderatspräsident Martin Bürki (FDP) hat sie aufgeboten, damit sie solche Anlässe kennenlernen, über die sie jeweils entscheiden, statt nur die medial vermittelten Geschichten über Dreck, Drogen, und Gedränge zu rezyklieren. Neben der Street Parade stehen im Lauf des Jahres auch andere Exkursionen auf dem Programm.

«Mit der Musik kann ich nicht viel anfangen»

Trotz des wohlmeinenden Impulses: Die Ansage «Gemeinderäte erobern die Love-Mobiles» (so der Titel der NZZ) klingt einigermassen unsexy – wäre sie im Jahr eins der Street Parade gefallen und nicht erst bei der 27. Ausgabe, wäre der Umzug vermutlich keine Erfolgsgeschichte geworden. Zumal die beteiligten Politiker nicht in ihren Zwanzigern sind, sondern mehrheitlich zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt. Und sich die eine oder der andere einen Ruck geben muss.

«Mit der Musik kann ich sonst nicht viel anfangen», wird SP-Gemeinderätin Heidi Egger zitiert. Sie werde sich wohl eher in den hinteren Reihen aufhalten. Das sei kein Problem, sagt Organisator Bürki. Man müsse sich auf dem Love Mobile nicht unter die Exzentriker mischen, die ganz vorne tanzen. Bloss dem Dresscode auf dem Wagen müsse man sich anpassen. Das heisst vor allem für die bürgerlichen Vertreter: Anzug und Krawatte für einmal zu Hause lassen. Nicht, dass man am Ende noch einen Blumenstrauss überreicht bekommt. (hub)

Erstellt: 09.08.2018, 09:07 Uhr

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