Die längste Werkstätte der Schweiz

Verstopfte WC, defekte Klimaanlagen oder kaputte Drehgestelle: All diese Probleme werden künftig in der SBB-Serviceanlage Herdern in Altstetten repariert. Vorteil: In die 420-Meter-Halle passen ganze Züge.

Die neue Serviceanlage der SBB in Altstetten. (Video: Melanie Finschi)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die SBB haben heute Freitag in Zürich-Altstetten (nähe Hardturm-Areal) eine neue, 420 Meter lange Serviceanlage für Fernverkehrszüge in Betrieb genommen. Die Halle, so gross wie vier Fussballfelder, grenzt direkt an die bereits bestehende Anlage; die SBB investierten 123 Millionen Franken. Mit dieser neuen Infrastruktur können Komponenten wie Antriebssysteme, Drehgestelle, Klimageräte oder die Bioreaktoren der Toiletten betriebstüchtig gehalten und bei Defekten rasch ausgetauscht werden. Damit können Standzeiten reduziert werden und die Züge schneller wieder in Betrieb gehen. Die Gesamtlänge der fünf neuen Zugstandplätze beträgt einen Kilometer.

Die Bauzeit betrug rund zwei Jahre, letzten Sommer konnte der Rohbau mit Gebäudehülle und Dach fertiggestellt werden. In den vergangenen Monaten wurde nun die Bahntechnik mit den notwendigen Anlagen eingebaut. Dazu zählen Gleisanlagen, Fahrleitungen, Hallenkräne, Hebeböcke, Hochperrons, WC-Absaug- und Logistikanlagen. Nach 30-tägigem Probebetrieb erfolgt der offizielle Betriebsstart gleichzeitig mit der Eröffnung der Durchmesserlinie im Juni 2014.

Aufwendige Trennmanöver entfallen

Mit der Inbetriebnahme des neuen Servicestandorts professionalisieren die SBB die Instandhaltung ihrer Züge weiter: Künftig kann an einem ganzen, rund 900 Tonnen schweren und 400 Meter langen Zug gearbeitet werden, ohne die einzelnen Wagen aufwendig trennen zu müssen. «Weil die Züge schneller wieder aus der Instandhaltung in den Betrieb kommen, profitieren auch unsere Kundinnen und Kunden von der neuen Anlage», sagte Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, anlässlich der Eröffnungsfeier in Zürich-Altstetten. «Wenn die Züge in Zürich am Morgen zu spät aus dem Service kommen, dann fahren wir tagsüber in der ganzen Schweiz Verspätungen ein.»

Neben den bestellten, aber mit Verspätung ausgelieferten Doppelstock-Fernverkehrszügen von Bombardier werden künftig auch andere Züge in der Herdern gewartet: Dazu zählen die IC2000 und die ICN-Neigezüge, aber auch Kompositionen der Zürcher S-Bahn. Ab Mitte Juni 2014 werden zudem am 358 Meter langen deutschen ICE 1, der zwischen Hamburg und Zürich verkehrt, nachtsüber Servicearbeiten durchgeführt, damit dieser am Morgen wieder betriebstüchtig und sauber in die Gegenrichtung verkehren kann. So könne man die vorhandene Infrastruktur bestmöglich auslasten, wie es an der heutigen Medienkonferenz hiess.

Die neue SBB-Serviceanlage in der Herdern steht an prominenter, für Bahnreisende gut sichtbarer Stelle, täglich fahren mehrere Hundert Züge dort vorbei. Aktuell arbeiten am Standort in der Herdern rund 120 Mitarbeitende, in den nächsten Jahren wird die Anzahl auf rund 260 Mitarbeitende ansteigen. Die 420 Meter lange Südfassade – die sogenannte Stadtkante – wirkt dreidimensional und wird so ihrer Position optisch gerecht. Auf dem Hallendach wurde eine Fotovoltaikanlage in der Grösse von 4000 Quadratmetern installiert. Diese liefert Strom für 200 Haushalte.

Filippo Leutenegger als «Mister ÖV»

«Die SBB und der öffentliche Verkehr werden auch in Zukunft im Zentrum der Zürcher Verkehrspolitik stehen, und die Bahn ist das wichtigste Transportmittel von und nach Zürich», sagte der neue Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger an seinem ersten öffentlichen Auftritt. Diese Worte kamen beim bahnfreundlichen Publikum gut an, denn vom neuen FDP-Stadtrat und Verkehrsminister wird von gewerbenahen Kreisen erwartet, dass er die bisherige links-grüne Verkehrspolitik etwas autofreundlicher gestaltet. Leutenegger outete sich als ÖV- und Intercity-Experte, der schon fast sein ganzes Leben lang zwischen dem Tessin, Zürich, Bern und Basel hin- und herpendelt. Leutenegger liess es sich nicht nehmen, mit einer orangen Mechanikermütze auf dem Kopf unter Drehgestelle zu kriechen.

Zürich-Herdern – offene Türen am Samstag

Morgen Samstag können Interessierte einen Blick hinter die Kulissen der Instandhaltung werfen: Die neue Serviceanlage in Zürich-Herdern öffnet ihre Türen fürs Publikum und stellt Tätigkeiten und Berufsbilder des Standorts auf anschauliche Weise vor. Die Anlage an der Aargauerstrasse 15, Nähe Tramhaltestelle Aargauerstrasse, ist von 9 bis 17 Uhr offen. Ab Zürich HB (Gleis 16) verkehrt ein Shuttle-Service direkt zum Standort Herdern. Mehr Informationen auf www.sbb.ch/herdern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2014, 16:11 Uhr

Bildstrecke

Die längste Werkstätte der Schweiz

Die längste Werkstätte der Schweiz Einweihung der SBB-Serviceanlage Herdern in Altstetten: In die 420-Meter lange Halle passen ganze Züge.

Artikel zum Thema

Streit um SBB-Überbauung im Seefeld

Der Zürcher Gemeinderat stellt sich gegen den Stadtrat und besteht auf einen Gestaltungsplan für das Tiefenbrunnenareal. Mehr...

SBB vergeben heiklen Auftrag

Wer das Gratis-Internet an Bahnhöfen nutzt, landet beim «Blick». Öffentlich ausgeschrieben haben die SBB den Auftrag nicht. Mehr...

SBB begräbt Pläne für Gateway Limmattal

Die SBB stellt den umstrittenen Containerterminal Gateway Limmattal zurück. Sie reagiert damit auf ein Mediationsverfahren des Bundes. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Blogs

Mamablog Die Diktatur der Frühaufsteher

Tingler Das Alter als Wahl

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...