Die neue Hochschule macht Kopfweh

Keine Lüftung, seltsam platzierte Steckdosen, zu kleine Mensa: Kurz nach der Eröffnung der Zürcher Hochschule der Künste treten Mängel zutage.

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Nach fünfjähriger Bauzeit ist letzte Woche das Toni-Areal in Zürich-West eröffnet worden. Fast 800 Millionen Franken haben die Eigentümerin Allreal und der Kanton Zürich als Mieter für den Umbau der ehemaligen Joghurtfabrik ausgegeben. Rund 5000 Studenten, Dozenten und Mitarbeiter nisten sich langsam im Gebäude ein. Die ersten Angestellten sind bereits im Frühling eingezogen, das Gros der 2300 Studenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) und der 1100 Studierenden der Departemente Angewandte Psychologie und Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) folgt seit letzten Dienstag.

Und bereits kommt erste Kritik auf. So klagen mehrere Personen, die schon länger auf dem Areal arbeiten, über Kopfschmerzen. «Das kommt von der fehlenden Lüftung», vermutet eine dieser Personen. «In den Räumen entsteht ein Druck. Zudem wird es an warmen Tagen schnell heiss.» Fenster öffnen gehe nicht, weil draussen der Auto- und Bahnlärm zu gross sei. Tatsächlich sei es auf der Seite der Bahn laut, bestätigt ZHDK-Kommunikationschefin Heike Pohl. Und auch wenn die Lüftung bereits auf gutem Niveau laufe, sei es «sicher richtig, dass in einzelnen Räumen wie IT-Schulungszimmern, dem Kaskaden-Café sowie in einzelnen wenigen Büros noch kein zufriedenstellendes Klima herrscht». Die Techniker arbeiteten mit Hochdruck an Verbesserungen, versichert Pohl. Sie weist darauf hin, dass die Feineinstellung von Anlagen dieser Dimension in der Regel «mindestens ein Jahr» dauere. Sie selbst arbeite seit Mai im Gebäude, sagt die ZHDK-Sprecherin. Ihr sei bisher aber niemand über den Weg gelaufen, der sich über die Lüftung beschwert habe. Alle fänden «Haus und Atmosphäre super».

Warteschlange vor den Liften

Kurios mutet ein weiterer Mangel an. Studenten wundern sich darüber, dass sie ihre Laptops in den Vorlesungsräumen nur über Steckdosen an der Decke anschliessen können. «Die haben die Steckdosen vergessen oder falsch montiert», so die Vermutung. Das stimmt nicht. Die Stromversorgung erfolge grundsätzlich über die Decke, bestätigt Pohl. Das werde nun aber überprüft. «Wo nötig, wird die Ausstattung ergänzt.»

Offensichtlicher scheint ein weiterer Mangel zu sein. Die Mensa mit ihren 90 Plätzen für Tausende Studenten ist viel zu klein (siehe auch Box). Die Folge: An schönen Tagen streben alle mit dem Tablett auf die Dachterrasse und stehen an einem der drei Lifte an, der sie vom 3. in den 8. Stock bringen soll. Bis zu zehn Minuten müsse man in der Rushhour warten, heisst es. Im zehnstöckigen Turm sei es gut möglich, dass es in den ersten Tagen zu Wartezeiten komme, räumt Sprecherin Pohl ein. Allerdings geht sie davon aus, dass sich die Personenströme schnell einpendeln werden. Ausserdem weist sie auf die verschiedenen Treppenhäuser hin.

Studenten sollen raus

Die Mensa habe inklusive der Tische in der Eingangshalle 230 Plätze, korrigiert die ZHDK-Sprecherin. In Mensa, Bistro und Kaffeebar stünden insgesamt 440 Plätze zur Verfügung. Dass die Mensa eher klein geraten sei, sei den Planern bewusst gewesen. Die Situation ist gar absichtlich herbeigeführt. Die Studenten sollen ins Quartier hinausströmen und es beleben. Das nahe Migros-Restaurant und weitere Restaurants und Cafés freuten sich auf die neue Kundschaft. Teilweise böten sie den Hochschulangehörigen Vergünstigungen an.

Auf der Klage-Pinnwand im Gebäude wird ebenfalls gepoltert. In den Social Media kursieren aber offensichtlich auch Missverständnisse. Ein Twitterer mutmasste etwa, dass die grosse Theaterbühne wegen einer Fehlplanung bei den Fluchtwegen nicht wie geplant fürs externe Publikum zugänglich ist. ZHDK-Sprecherin Pohl repliziert, dass die Bühne nur für Proben vorgesehen sei und Aufführungen mit Publikum weiterhin im Theater der Künste an der Gessnerallee stattfänden.

Am Wochenende vom 27./28. September kann sich das interessierte Publikum ein Bild von der neuen Zürcher Hochschule machen. Es sind die Tage der offenen Tür. Für den 25. Oktober ist das ZHDK-Fest terminiert.

Erstellt: 18.09.2014, 15:10 Uhr

(Videotrailer «Wilder Westen»: ZHDK)

Wo die Mensa ganz fehlt

Dass die verschiedenen Abteilungen der ZHDK im Toni-Areal konzentriert wurden, hat Auswirkungen auf andere Schulen. So kann die Allgemeine Berufsschule Zürich (ABZ) ihrerseits zusammengelegt werden. 2300 Lernende aus den bisher vier Standorten sollen ab 2017 im Gebäude am Sihlquai ein- und ausgehen, in dem bisher neben der ABZ auch die ZHDK einquartiert war. Viele der Berufsschüler nehmen einen Beruf im Gastrogewerbe in Angriff. Trotzdem soll es nach der 31-Millionen-Sanierung des Hauses keine Mensa für die angehenden Köche geben. Nur Selecta-Automaten sollen den Lehrpersonen und Lernenden zur Verfügung stehen. Das hat die Politik auf den Plan gerufen. SP, SVP und AL haben eine dringende Anfrage an den Regierungsrat eingereicht, wie heute Donnerstag bekannt wurde. Sie stellen kritische Fragen und wundern sich, dass die 1,5 Millionen Franken für die Mensa gestrichen wurden, während das meiste Geld für den Erdbebenschutz, Hochwasserschutz und die Denkmalpflege verwendet wird. Auch in der ABZ selbst hat sich Widerstand geregt. Gemäss NZZ hat die Schule im August eine Petition mit 1350 Unterschriften eingereicht. (pu)

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