Die überraschenden Pläne fürs neue Zürcher Hochschulquartier

Das Geheimnis um die ersten Bauvorhaben fürs Uniquartier ist gelüftet. Eine unerwartete Lösung haben die Architekten Herzog & de Meuron gefunden.

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Das Generationenprojekt bekommt ein Gesicht. Die Projektverantwortlichen von Stadt und Kanton Zürich, des Universitätsspitals sowie der Universität und der ETH Zürich haben heute Dienstag gemeinsam Visualisierungen der ersten beiden grossen Neubauten für das Hochschulgebiet Zürich Zentrum präsentiert.

Die Stararchitekten Herzog & de Meuron aus Basel werden für die Uni ein neues Bildungs- und Forschungszentrum realisieren. Das sogenannte Forum UZH soll in der Ecke zwischen Rämi- und Gloriastrasse stehen, wo sich heute einige Turnhallen und ein Sportplatz befinden.

Ein neuer Platz an der Rämistrasse

Der Entwurf wartet mit einer grossen Überraschung auf: Das Gebäude ist so weit von der Rämistrasse zurückversetzt, dass davor ein zusätzlicher öffentlicher Platz entsteht – ähnlich wie man das von den historischen Hauptgebäuden von Uni und ETH kennt. Dieser Platz grenzt direkt an den heutigen Spitalpark an, der als «Gloriapark» das grüne Herz des neuen Hochschulquartiers bilden soll. Möglich wird er, indem zum Beispiel die Turnhallen in den Untergrund abgesenkt werden.

Herzog & de Meuron waren das einzige von elf am Wettbewerb beteiligten Architektenteams, die auf eine solche Lösung kamen. Alle anderen Entwürfe sahen wuchtige Bauten vor, die direkt an die Rämistrasse angrenzen. Selbst die schärfsten Kritiker des Hochschulquartiers zeigten sich heute sehr angetan von dieser Idee.


Grafik: Grossprojekte im Hochschulquartier


In der Mitte des neuen Platzes befindet sich eine Öffnung, die den Blick auf einen darunterliegenden, versenkten Garten freigibt. Durch diesen gelangt man von der Rämistrasse her in den Lichthof des Neubaus – beide Elemente zusammen sollen sich zum namensgebenden Forum verbinden, einem Begegnungsort.

Die Fassade des Hauptgebäudes ist geprägt von keilförmigen vertikalen Sonnenblenden. Diese sind so gestaltet, dass im Sommer beim höchsten Stand der Sonne kein direktes Licht ins Gebäude gelangt und sich dieses nicht erwärmt.

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Den Studienauftrag fürs Kernareal des Unispitals hat das Architekturbüro Christ & Gantenbein für sich entschieden. Ihr Neubau besteht aus zwei Häusern, die mit den historischen Bauten ein Ensemble bilden sollen. Das herausragendste Merkmal ist, dass sie eben gerade nicht aus der Umgebung herausragen: Sogar das Dach des höheren, hangwärts gelegenen Gebäudes kommt nur auf 499 Meter über Meer statt auf die maximal erlaubten 512 Meter. Beim zweiten Gebäude ist die Abweichung teilweise sogar doppelt so gross.

Spitalratspräsident Martin Waser wies darauf hin, dass die Neubauten damit nicht höher würden als das bestehende Spitalgebäude aus der Nachkriegszeit. Möglich geworden sei das unter anderem, weil man noch einmal über die Bücher gegangen sei und alles ausgelagert habe, was nicht zwingend ins Zentrum gehöre. So wurden etwa 600 administrative Arbeitsplätze nach Dübendorf verlegt. Durch solche Massnahmen habe sich der Flächenbedarf um 30 Prozent reduziert.

In den Oberirdischen Räumen des neuen Spitalgebäudes sollen sich primär Einzelzimmer für die Patienten und Operationssäle befinden. Dass letztere nicht in den Untergrund verlegt werden, um die Gebäudehöhen weiter zu senken, ist laut Waser allein schon deshalb zwingend, damit sich die Menschen im neuen Spital auch wohl fühlen.


Video: So wirbt der Kanton für das Grossprojekt

Die Pläne im Kurzfilm erklärt. Video: Tamedia/Kanton Zürich


Die Bauten sollen in einer ersten Bauphase bis 2027 realisiert werden. Derzeit dürfte allerdings noch kein einziger Stein gelegt werden, denn wegen eines laufenden Rechtsmittelverfahrens fehlt es momentan an gültigen Gestaltungsplänen. Der Verein Zukunft Hochschulgebiet, der sich für eine «städtebaugerechte Eingliederung der Bauten in den Hang» einsetzt, hat gegen die Pläne fürs Hochschulgebiet rekurriert und dabei einen Teilerfolg errungen.

Das kantonalen Baurekursgericht hat im März 2018 die drei Gestaltungspläne Kernareal Ost, Wässerwies und Schmelzberg ausser Kraft gesetzt. Das Hauptargument: Bevor die Baudirektion einen Gestaltungsplan vorlegen könne, müsse die Stadt Zürich ihre Bau- und Zonenordnung anpassen. Das Geschäft befindet sich derzeit in der vorberatenden Kommission des Gemeinderats. Noch ist offen, ob die Arbeit dieses Jahr abgeschlossen wird, und ob es allenfalls aufgrund eines Referendums zu einer Abstimmung und damit zu weiteren Verzögerungen kommt.

Im Fall des Unispitals drängt die Zeit besonders, weil die Bausubstanz der Altbauten nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Falls der Ersatz zu lange verzögert würde, müsste man stattdessen in teure Provisorien investieren. Noch bleibt aber etwas Reserve. Das Vorprojekt beginnt laut den Verantwortlichen zwar sofort, der Baubeginn ist aber auch im Idealfall nicht vor der zweiten Hälfte 2021 geplant.

Es scheint denkbar, dass die präsentierten Bauvorhaben die Beratungen im Gemeinderat beschleunigen. So teilte etwa die FDP der Stadtkreise 7 und 8 heute mit: «Aufgrund der vorgelegten Pläne sind wir zuversichtlich, dass die BZO-Beratungen im Gemeinderat zu einem für das vorliegende Projekt guten Ergebnis kommen.»

Anders sehen es die Projektgegner vom Verein Zukunft Hochschulgebiet. Ihrer Ansicht nach sind die Spitalneubauten nach wie vor zu gross. Man hoffe, dass «weitere Optimierungen zu einer städtebaulich verträglicheren Entwicklung» führen, heisst es in einer Medienmitteilung.

Bis zum 8. Februar 2019 findet im Amtshaus IV der Stadt Zürich eine Ausstellung zum künftigen Hochschulgebiet statt. Die Arbeiten des Projektwettbewerbs FORUM UZH werden ab dem 9. Januar im Lichthof des Hauptgebäudes der Universität Zürich öffentlich ausgestellt. Gleichzeitig präsentiert auch das Universitätsspital im Eingangsbereich des Trakts Nord 2 alle Beiträge der beteiligten Planerteams. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.01.2019, 10:17 Uhr)

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