Die ultraliberale Alchemistin

Elisabeth Schoch wirbt mit beinahe magischen Wachstumsformeln. Sie ist für Parkplätze und gegen ein Asylzentrum in Zürich-West.

Sie mag es modern, urban und gern auch teuer: Elisabeth Schoch.

Sie mag es modern, urban und gern auch teuer: Elisabeth Schoch. Bild: TA

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Elisabeth Schoch ärgert sich. Über das geplante Asylzentrum, das der Bund in ihrer Nachbarschaft aufstellen möchte. Über Kindergeschrei, Gesetzesflut und die Finanzpolitik der Stadt. Deshalb hat sie kandidiert: «Ich will mich nicht nur ärgern, sondern mitgestalten.» Am Sonntag reichten Schoch 1007 Stimmen im Wahlkreis 4+5 – ab Mai politisiert sie für die FDP im Gemeinderat.

Dort will sich Schoch dafür einsetzen, dass «sinnvoll investiert» wird. Zum Beispiel in Parkplätze, die ohne teure Pflastersteinumrandung auskommen. Generell sei, angesichts der finanziellen Lage, beim Bauen auf unnötigen Luxus zu verzichten, sagt Schoch. Des Weiteren will sie neue, unnötige Gesetze bekämpfen und sich für das Gewerbe starkmachen. Freisinnige Anliegen, für die Schoch kompromisslos eintritt. Wo «liberal» draufsteht, durchbricht ihr SmartvotePolygon beinahe die Umrandung.

Aufgewachsen ist Elisabeth Schoch, die gern liest und reitet, in Schwamendingen und beim Albisgüetli. Vor über sechs Jahren zog sie ins Industriequartier. Ihre Haltung zum Wohnquartier Zürich-West erläuterte sie im Sommer vergangenen Jahres in einem Interview mit dem Onlineportal Westnetz. Auf die Frage, wie sie die bauliche Entwicklung im Kreis 5 einschätze, antwortete sie: «Absolut positiv, denn ich habe eine Eigentumswohnung, die ziemlich an Wert zugelegt hat.» Politische Probleme, die mit dieser Entwicklung einhergehen könnten, sieht sie nicht. Im Gegenteil: Die FDP profitiere von weniger «Familiengroove» und mehr «erfolgreichen Geschäftsmenschen». Schoch: «Persönlich finde ich, es darf durchaus auch Quartiere geben, in denen man nicht ständig Kindergeschrei hört.»

Elisabeth Schoch mag es modern, urban und gerne auch teuer – solange ein Privater dafür bezahlt. Aslysuchende passen da nicht ins Bild. Als Sozialvorsteher Martin Waser (SP) den Bewohnern von Zürich-West das geplante Bundeszentrum vorstellte, schlug sich Elisabeth Schoch schnell auf die Seite der Gegner. Man könne doch ein Containerdorf nicht mitten ins Trendquartier stellen, sagte sie. Der Widerstand hatte Erfolg – vorerst. Obwohl das Projekt noch nicht vom Tisch ist, sind die Asylsuchenden seit Anfang Jahr in Altstetten untergebracht. Sobald eine Baueingabe für den ursprünglich geplanten Standort auf dem Duttweiler-Areal vorliegt, will Elisabeth Schoch den Kampf wieder aufnehmen. Lieber wären ihr Wohnungen oder ein neuer «Dorfkern» mit Platz und Gemeinschaftszentrum.

«Unlimitierte Möglichkeiten»

Elisabeth Schoch machte Karriere als Marketingexpertin, heute berät sie als Selbstständige kleine und mittlere Unternehmen. Die Methode, die sie dabei anwendet, stammt vom Alchemy Network. Gründer und CEO David Abingdon verspricht «unlimitierte Einkommensmöglichkeiten» und exorbitante Wachstumsraten. Schoch brachte das System 2009 in die Schweiz und akquirierte Leute, die sich in England zu Partnern ausbilden liessen. Kosten für Kurs und Unterlagen: 29 900 Franken, danach Mitgliedergebühren von monatlich 410 Franken. Der Schweizer Verband für Unternehmensberater (Asco) schreibt: «Aufgrund der Statements auf der AlchemyWebsite ist Vorsicht geboten.»

In England hat Lizenzgeber Abingdon die Weiterentwicklung des Alchemy Network inzwischen eingestellt und baut ein Netzwerk unter neuem Namen auf. Elisabeth Schoch sagt, sie verkaufe keine Lizenzen mehr und konzentriere sich ganz auf ihre Arbeit als Interimsmanagerin eines Start-ups. Ihre Alchemy-Website bleibe aber online: «Wir sind immer noch ein Netzwerk von Unternehmensberatern, wir bilden einfach keine neuen mehr aus.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2014, 08:29 Uhr

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