Die vielen Kriege des Jens Gloor

Der ehemalige Betreiber der Schwulenbar «Nervous» legt sich mit allen und jedem an. Nun attackiert er Atlantis-Mieter Werner Hofmann.

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«Ich weiss auch nicht, was für Seilschaften uns auslöschen wollen»: Jens Gloor, soviel ist für ihn sicher, geschieht immer wieder furchtbares Unrecht. Der neuste Übeltäter heisst Werner Hofmann – der Mann, der mit eigenem Geld das leerstehende Hotel Atlantis in ein Studentenheim verwandelt. Hofmann habe seine «Ideen gestohlen», ihn «eiskalt abserviert», meint Gloor.

Die neuste Privatfehde nimmt ihren Ursprung im November, als Gloor sich mit seinem Lebenspartner Carlos Garotta blind bei Hofmann bewarb. Nachdem das Paar über die Medien von Hofmanns Plänen erfuhren, das Atlantis umzunutzen, wollten sie das leerstehende Hotel übernehmen. Ein Bewerbungsgespräch mit einem seiner Mitarbeiter sei positiv abgelaufen, sagt Hofmann. Als dieser aber Referenzen einholte, war der Fall schnell klar.

Hofmann soll zahlen

Wie so oft, wenn Gloor und Garotta beteiligt sind, blieb die Absage jedoch nicht unbeantwortet. Im Nachhinein will Gloor sich nicht nur beworben haben – das ganze Konzept, das Hofmann im Atlantis umsetzen will, soll von ihm stammen. Dass der Bezug der Studentenzimmer gestaffelt ablaufen soll: Gloors Idee. Dass Zimmer wochenweise an Geschäftsleute vermietet werden: Gloors Idee. Dass im Erdgeschoss ein Kinderhort eingerichtet werden könnte: Gloors Idee.

«Alles Blödsinn», kommentiert Werner Hofmann. Er kenne Gloor und Garotta nicht persönlich, «aber die scheinen irgendein Problem zu haben.» Ein Problem hat das Duo tatsächlich, und zwar seit November 2008. Damals hatte die Gewerbepolizei das Lokal der beiden, die Nervous-Bar, geschlossen. Die Stadt hatte eine Baubewilligung verschlampt. Für den finanziellen Schaden wollte man jedoch nicht geradestehen.

Gloor und Garotta bombardierten daraufhin Ämter, Parlamentarier und Stadtrat mit Beschwerdebriefen. Eine SP-Wahlveranstaltung störten die zwei mit lauten Zwischenrufen, die homosexuelle Stadtpräsidentin Corine Mauch bezeichneten sie als «schwulenfeindlich».

Doch die Stadtpräsidentin und der Unternehmer, sie sind nicht die einzigen, die den Zorn von Gloor und Garotta auf sich gezogen haben:

  • Tom Wyss, dem Chefredaktor des Gay-Magazins «Display», warf Gloor in einem offenen Brief «verbalen Durchfall» vor. Wyss hatte sich erdreistet, die Methoden des Nervous-Duos anzuzweifeln. Die «Display»-Redaktion wolle die Gay-Community spalten und habe einen «Knall», schrieb Gloor. Sein Aufruf, das «Display» zu boykottieren, lief ins Leere.
  • Den Hotelier Thomas Sos beschuldigen Gloor und Garotta des Betrug. Der Hintergrund: Sos hat im Haus an der Schützengasse 7, wo die beiden vorher das Backpacker-Hostel «iPR Guesthouse» betrieben hatten, ein Boutique-Hotel unter dem Namen «Townhouse» eröffnet. Nun verlangt Gloor von Sos 200'000 Franken für Mobiliar. Ausserdem soll er ihnen die Marke gestohlen haben.
  • Weil der damalige Stadtratskandidat Daniel Leupi nach der Attacke auf Corine Mauch nicht mehr Facebook-Freund von Gloor sein wollte, will dieser den grünen Stadtrat nicht mehr mit «Herr Leupi» anreden. In seinen Protestmails, in denen er das Polizeidepartement und dessen Vorsteher angreift, wählt er nur noch die Anrede «Hoi Daniel».
  • Gloor hat auch die Presse im Visier: «Der Tagi manipuliert Meinungen.» Die Wiederverwendung eines Fotos, das die Attacke auf Corine Mauch zeigt, wollte Gloor per Anwalt verbieten. Er kündigte an, ein Buch zu schreiben, in dem «auch Tamedia einen Platz bekommt».

Die Auseinandersetzung mit einer Behörde, die Gloor erwiesenermassen Unrecht angetan hat, hat sich innert eines Jahres zu einem Mehrfrontenkrieg ausgeweitet. Wo Gloor und Garotta auftauchen, da entstehen Privatfehden, da kommt es zu Kleinkriegen. Die unfreiwilligen Kontrahenten Gloors werden mit Vorwürfen und Drohungen eingedeckt. Alle sollen sie unter einer Decke stecken, behauptet er.

«Ich weiss auch nicht, warum wir überall auf solche Widerwärtigkeiten stossen», meint Jens Gloor im Gespräch. Er und Carlos versuchten doch nur, wieder einen Fuss auf den Boden zu bringen. Gerne würde das Paar in Brasilien, dem Heimatland Garottas, etwas neues aufbauen. Wann, ist unklar. «Wir können nicht gehen, bevor wir hier nicht fertig sind.» Die menschliche Tragödie, die mit den Verfehlungen einer Behörde begann, hat noch lange kein Happy End. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.01.2011, 12:17 Uhr

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