Diese Gürtellinie lässt sich sehen

Die Designmesse Blickfang gastiert erstmals in Oerlikon. Die propagierte Neuerfindung ist kaum spürbar, doch Entdeckungen gibt es auch am neuen Ort – für Hosenträger und Vierbeiner.

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Neuerfindung. So propagierten die Organisatoren der Designmesse Blickfang ihre 21. Ausgabe. Die Renovation des Kongresshauses zwang die Macher zu einem Standortwechsel – und dazu, ihr Konzept zu überdenken. Und das war nötig. Nach zwanzig Jahren hatte sich bei vielen Besuchern eine gewisse «Blickfangmüdigkeit» breit gemacht. Die Ausstellungsarchitektur war jedes Jahr dieselbe – Möbel unten, Textilien oben. Und viele Produkte ähnelten sich. Geschäftsführerin Jennifer Reaves sagt deshalb: «Wir haben ein neues, weisses Blatt geschenkt bekommen.»

Im Stage One in Oerlikon haben die Blickfang-Macher nun ein neues Zuhause gefunden. In der langen Fabrikhalle mit Galerie reihen sich die rund 200 Stände aneinander. Da werden Badehosen neben Betten, Ohrringe neben ausziehbaren Tischen und Schäle neben Stühlen inszeniert. In einem Concept Store und in Zonen mit den Titeln «Bon Voyage», «Alltagslieblinge» und «Men’s World» sind einige Aussteller zusammengefasst. Doch: Völlig neu wirkt die Messe deswegen nicht.

Und Entdeckungen gibt es auch da. Unsere Blickfänge:

Farbig umgürtelt: Das Gürtel-Tragen mag derzeit nicht gerade in Mode sein. Aber die Produkte von Mae machen zweifelsohne Lust auf das Accessoire. Die Tessiner Textildesignerin Vanessa Venturi fertigt seit zehn Jahren Unikate aus bunten Stoffen – etwa aus Tartan (Karomuster im Schottenstil), Liberty (fein geblümelt) oder Pied de Poule (Hahnentrittmuster). Ein Polyesterband im Inneren gibt dem Gürtel Halt. «Ich wollte die klassischen Gürtel verspielter interpretieren», sagt Venturi. Stoff, Breite, Länge, Schnalle sind wählbar. In ihrem Atelier in der Altstadt von Locarno näht Venturi alle Artikel von Hand. Die Japaner sind von Venturis Kreationen schon länger begeistert, nun sollen es auch die Deutschschweizer werden.
maemade.ch

Mehr als ein Schlüsselbrett: Als Mutter wollte Karin Sieber-Graf zuhause Ordnung haben, auch bei den Schlüsseln. Da ihr alle Schlüsselbretter zu bieder waren, entwickelte sie ein eigenes. Aus einem Metallprofil und einem Stück gebogenem farbigem Filz. Über die Jahre erweiterte sie das Stecksystem dauernd, Tablare, Haken und Brillenhalter kamen dazu. «Mein Produkt ist immer unfertig, also beliebig erweiterbar», sagt die Rheintalerin.

Seit vier Jahren setzt sie ganz auf ihre Erfindung und hat bereits diverse Designpreise eingeheimst. Ihre Produkte stellt sie in Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben alle selber her.
schluesselbrett.ch

Ledrig leicht loungen: Von Haus aus sind Seraina Merz und Samuel Tobler Architekten. Doch als sie letztes Jahr die Neugestaltung eines Gartencafés in Chur übernahmen, entwickelten sie die Gartenstühle gleich selber. Seither sind die beiden nebenberuflich Stuhldesigner und führen ihr eigenes Label Eszett. «Mit Leidenschaft», sagt Seraina Merz. Das sieht man ihren neusten Entwicklungen an: Stühle und Sessel mit Lederflächen. Auch bei diesen Kreationen haben die beiden ein 6 Meter langes Industrierohr in eine Stuhlform gebogen. Die Rohrresten dienen als Zwischenstreben, so dass es sich auf dem Sitz angenehm leicht und unbeschwert loungen lässt.
eszett.ch

Spielzeug für grosse Jungs: Lain Schibli sieht nicht nur aus wie ein grosser Junge, er möchte auch eine Leidenschaft seiner Kindheit bewahren und weitergeben: das Spielen. «Es heisst immer, wenn Erwachsene spielen, sei das Zeitverschwendung. Falsch. Spielen tut auch mit 30 und mehr Jahren noch gut», sagt er. Deshalb hat der Grafiker während seines Studiums an der ZHDK den Flipperkasten-Bausatz Makerball entworfen. Alle Teile werden verschraubt, so dass sich der Kasten kompakt verstaut werden kann. Mit einem zusätzlichen Mikrokontroller und einem App lassen sich Punkte zählen. In der Vorstellung von Schibli bauen seine Käufer den Kasten weiter. Ganz nach dem Motto: Der Fantasie ist auch im Erwachsenenalter keine Grenze gesetzt.
makerball.jimdo.com

Porzellan für jede Schnauze: Hunde und Katzen sind längst nicht mehr Haustiere, die sich mehr ausserhalb der Wohnung als innerhalb aufhalten. Sie essen und schlafen da, wo Frauchen und Herrchen es auch tun und bereichern deren stilvolles Ambiente. Bloss, Fressnäpfe und Hundebetten gehörten bis anhin nicht eben zu den prachtvollsten Einrichtungsgegenständen. Auch bei Hundehalterin Sigrid Mantsch nicht. Deshalb entwickelt die Grazer Architektin seit sechs Jahren unter dem Label sig-ma-Design schöne Wohnaccessoires für Vierbeiner. «Es geht mir nicht darum, dass der Hund ein möglichst designtes Zuhause hat. Ich als stilbewusste Halterin will keinen Fremdkörper in meinen vier Wänden haben», sagt Mantsch. Angefangen hat sie mit einem Möbelstück, das wie eine Holzkommode mit Lamellenfront aussieht, aber zu einer Hundehütte ausgezogen werden kann. Später kamen die Fressnäpfe dazu. Sie sind alle aus Porzellan gefertigt, haben je nach Schnauze eine andere Form und sind in einen tiefen Holzschemmel mit Antirutschfüssen eingelegt. Neu gibt es die Schalen auch für Katzen – kleiner, selbstverständlich.
sig-ma-design.com

Blickfang, heute Sonntag, 12. November, 11 bis 18 Uhr. Stage One, Elias Canetti-Strasse 146.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2017, 10:22 Uhr

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