Dieser Alteingesessene mag es ganz schön lebendig

An den Lärm muss man sich im Josef erst gewöhnen. Aber spätestens nach Molkenschwein und Kuchen wird er zur Nebensache.

Tobias Emmenegger (l.) und Christian Grammer (r.) sind seit 14 Jahren Teilhaber im Josef.

Tobias Emmenegger (l.) und Christian Grammer (r.) sind seit 14 Jahren Teilhaber im Josef. Bild: Sabina Bobst

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In diesem Fall gab ein Rezept den Ausschlag, das eines Schokoladenkuchens. Seit Jahren lagert jenes vom Restaurant Josef im Zürcher Kreis 5 im Küchenschrank. Meine Freundin und begnadete Köchin hat es mir vor Jahren mit den Worten «Damit wirst du die Herzen aller Schokomäuler gewinnen» vermacht. Wie recht sie hatte!

Beim Betreten des Lokals macht sich aber zuerst einmal Ernüchterung breit, die Worte von Freunden hallen nach, dass man sich im Josef wegen des Lärms kaum unterhalten könne: An der Bar läuft Musik, das Lokal ist an diesem Dienstagabend bis auf unseren reservierten Tisch besetzt. Der Lärmpegel so hoch, dass wir dem Platzierenden unseren Namen mehrmals laut nennen müssen. Eigentlich, so lassen wir uns später sagen, sei Freitag der lauteste Abend. Noch lauter.

Peace mit dem Teller

Einmal am Tisch, zerschlägt sich die Befürchtung, kein Gespräch führen zu können. Und mit jedem Glas Heida (9.50 Fr.) mehr können wir über unsere altmodische, nörgelnde Haltung zunehmend lachen. Dazu haben viele Umgebungsgeräusche auch Positives: Die Tischnachbarn hören nicht mit.

Die Brust vom Molkenschwein auf Mandarinensuppe sieht nicht nur schön aus. Bild: Sabina Bobst

Spätestens beim Essen haben wir uns mit dem Josef versöhnt – das Peace-Zeichen im Logo des Restaurants war dafür nicht ausschlaggebend. Wir begnügen uns mit der Variante 3 Teller (53 Fr.), die wir mit den Angeboten von der Karte nach freier Wahl und in eigener Reihenfolge füllen lassen. Vor 26 Jahren eröffnet, kam das Josef schon bald auf dieses Konzept. Christian Grammer und Tobias Emmenegger führen es als Teilhaber seit 14 Jahren weiter.

Bald ein neuer Koch

Die Kombination von Onsen-Ei, Pinienkernen, roter Peperoni sowie Belperknolle und Speck überzeugt – auch farblich. An den Chorizo zu den Jakobsmuscheln, Fleisch und Fisch auf einem Teller, muss sich meine Begleitung hingegen zuerst gewöhnen. Das sei ihr ein Tier zu viel. Da sagt ihr das Forellenfilet mit Knoblauch und Bratkartoffeln mehr zu. Ein Gedicht für alle Sinne ist die Brust des Molkenschweins mit Mandarinensuppe. Schade, wäre diese ab April nicht mehr auf der Karte. Dann folgt ein junger Koch auf Marcelo Drovandi, der eine Vorliebe für spanisch angehauchte Gerichte hat.

Trotz drei Tellern, für eine Süssspeise bleibt noch Platz – selbstverständlich wählen wir den Schokoladenkuchen (9.50 Fr.). Ob das Rezept noch immer das gleiche sei wie vor 20 Jahren, will meine Begleitung wissen – ohne Zugabe von Mehl. Das sei nun in den Jahren im Betrieb noch nie gefragt worden, sagt der Servierende. Mit einem Lächeln auf den Lippen kommt er aus der Küche zurück. «Nun habe ich etwas dazugelernt», sagt er, «ohne Mehl, mit etwas Rum oder Cointreau.» Und: Unser Stück schmeckt besser als zu Hause.

Restaurant Josef

— Preis-Leistungs-Verhältnis
Drei Teller für 53 Franken – diese Rechnung geht genau auf.

— Ambiance
Wer ein ruhiges Tête-à-Tête sucht, ist hier an der falschen Adresse. Im Josef herrscht jugendliche Lebendigkeit, bei der es zuweilen ziemlich laut werden kann.

— Service
Das zeitweise etwas längere Warten lohnt sich. Einmal am Tisch, ist das Servierpersonal zuvorkommend und reicht auch das nachbestellte Wasser schnell.

— So kommt man mit dem ÖV hin
Mit dem Bus 32 oder den Tramlinien 4, 6, 8, 11, 13 bis Limmatplatz und 5 Minuten zu Fuss über Lang- und Gasometerstrasse.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 07.02.2020, 12:19 Uhr

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