Dieser Chip ist nicht für die Katz

Nach den Hunden soll nun auch Hauskatzen ein Mikrochip implantiert werden. Tierschützer fordern ein Obligatorium.

Eindeutige Identifikation: Katze auf ihrem Kratzhund. Foto: PD

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Wenn Katzen verloren gehen, ist das meist eine schreckliche Situation für die Tierbesitzer. Ist der vierbeinige Liebling womöglich jemand anderem zugelaufen, oder liegt er bereits irgendwo tot am Strassenrand? Dass Katzen verschwinden, ist keine Seltenheit. «Jedes Jahr werden in der Schweiz weit über 8000 Katzen allein bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) als vermisst gemeldet. Und laufend werden Tierheimen und Tierärzten zugelaufene Katzen gebracht», sagt Esther Geisser, Juristin, Präsidentin und Gründerin von Network for Animal Protection ­(NetAP). Im Kanton Zürich werden laut Veterinäramt Zürich jährlich ungefähr 900 Tiere als vermisst gemeldet.

Damit entlaufene Büsis schneller ­wieder zu ihren Frauchen und Herrchen zurückfinden, organisieren die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) zusammen mit Animal Identity Service AG, der einzigen nationalen Heimtierdatenbank, eine jährlich im November stattfindende Aktion für die elektronische Kennzeichnung von Hauskatzen. Viele Tierärzte pflanzen während des laufenden Monats Katzen zu reduziertem Preis einen Mikrochip ein. «Ein Chip würde es massiv ver­­einfachen, Hauskatzen wieder ihren Haltern zuzuführen», so Esther Geisser.

Im Gegensatz zu den Hunden, bei denen Identifizierung und Registrierung bereits obligatorisch sind, werden Katzen nach wie vor freiwillig elektronisch gekennzeichnet. Laut GST sind nur ungefähr zehn bis zwanzig Prozent der 1,4 Millionen in der Schweiz lebenden Tiere gechippt. Im Kanton Zürich waren das per Ende letztes Jahr 56 636 Tiere, von geschätzten 280 000 insgesamt. Letztes Jahr haben im Kanton Zürich 8563 Katzenbesitzer ihre Tiere neu ­chippen und registrieren lassen.

Kastrieren und chippen

Die GST, die STMZ sowie NetAP empfehlen das Chippen von Katzen aus verschiedenen Gründen. «Halterinnen und Halter könnten bei allfälliger Vernachlässigung des Tieres zur Verantwortung gezogen werden, und bei Kastrations­einsätzen könnte man private von verwilderten Katzen unterschieden», sagt Esther Geisser von NetAP, die weltweit Katzen zu ihrem eigenen Schutz unfruchtbar macht. Auch medizinisch sei am Chippen nichts auszusetzen, es habe absolut keine Nachteile und werde von den Katzen grundsätzlich gut vertragen. Der Vorgang sei vergleichbar mit dem Ohrlochstechen beim Menschen.

Leider gebe es aber immer noch Tierärzte, welche Tiere einschläfern, die nach einem Unfall keinem Halter zugewiesen werden konnten. Weil sie Angst haben, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Auch der Katzenspezialist und Verhaltensforscher Dennis C. Turner ist voll des Lobes für den elektronischen Mikrochip: «Ich bin dafür, dass Katzen mit Auslauf sowohl gechippt als auch kastriert werde.n. Dies gehöre zu einer verantwortungsvollen Katzenhaltung, und in ganz Europa steige die Akzeptanz und Bereitschaft, Katzen mit einem Mikrochip zu versehen, sagt der Experte.

Katzentür mit Chip öffnen

Die Vorteile des Katzenchippens sind in der Schweizer Tierärzteschaft unbestritten: Eindeutige Identität des Tieres; rasche Rückbringung zum Tierhalter; nur kurze Aufenthalte im Tierheim, was geringere Kosten für den Tierhalter und die öffentliche Hand mit sich bringt; beim Prüfen auf Kadaverstellen können Tierhalter über den Tod ihres Tieres informiert werden; Unsicherheiten, wer bei zugelaufenen und streunenden Katzen die Kosten zu tragen hat, würden kleiner. Ein weiterer Vorteil sind Katzentürchen mit Chip-Erkennung, die fremden Katzen den Eintritt verweigern. Die GST weist darauf hin, dass herkömmliche Halsbänder und Plaketten mit Adressangaben oft an Zweigen und Ästen hängenblieben und so eine Gefahr für Katzen darstellen.

Die einzigen Argumente gegen die elektronische Kennzeichnung sieht Juristin Geisser in den Kosten und dem Fehlen eines Lesegeräts. «Nicht alle Gemeinden und Polizeistationen ver­fügen über ein Lesegerät. «Da kann es sein, dass der Halter eines toten Tieres trotz eines Chips nicht verständigt wird.» Es gebe auch Leute, die empfinden das Chippen per se als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Tieres. «Diesem Argument kann ich nicht folgen, denn das Chippen dient ja allein dem Schutz des Tieres», sagt Geisser.

«Katzenleid ist gross»

Auf Bundesebene erachtet man «ein ­Mikrochip-Obligatorium als unverhältnismässig», sagte ein Sprecher des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und ­Veterinärwesen (BLV) gegenüber dem «Landboten». Eine Chip-Pflicht für Katzen sei auch vor dem Hintergrund des Tierseuchengesetzes nicht zwingend nötig. Trotzdem unterstütze das BLV eine freiwillige elektronische Kennzeichnung von Hauskatzen auf privater Basis.

In der letzten Herbstsession reichte der SVP-Nationalrat Pierre Rusconi einen Vorstoss zur Prüfung einer Einführung eines obligatorischen Mikrochips auch für Katzen ein. «Es wäre sehr zu begrüssen, wenn das Obligatorium eingeführt würde, da das Katzenleid in unserem Land gross ist», sagt Tierärztin und Tierschützerin Esther Geisser. Erst vor zehn Tagen habe sie und ihr Team eine Rassekatze gerettet, die von ihrem Besitzer samt Transportbox im Fluss hätte ertränkt werden sollen. «Leider konnte der Täter nicht eruiert werden.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2014, 22:33 Uhr

Pass und Versicherung

Der Chip, auch Transponder genannt, ist so gross wie ein Reiskorn und enthält eine einmalige, nicht veränderbare Identifikationsnummer. Sofort nach dem Setzen des Chips meldet der Tierarzt den Vierbeiner bei Anis (Animal Identity Service AG) an. So ist das Tier registriert und Tierärzte, Tierheime und Polizei können jederzeit überprüfen, zu wem es gehört. Damit ist der Chip nicht nur eine Art Pass, sondern auch eine Art Versicherung für Tier und Besitzer und hilft, vermisste Katzen wiederzufinden. Einen Mikrochip zu implantieren, ist mit dem Ohrlochstechen zu vergleichen. Es gibt keine bleibenden Schäden, das Tier wird nicht eingeschränkt und akzeptiert den Chip grundsätzlich sehr gut. Er wird auf der linken Halsseite die Haut gepflanzt. (roc)

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