Dieser Museumsdirektor wird Chef der Kronenhalle

Andreas Spillmann heisst der neue Verwaltungsratspräsident des bekannten Zürcher Lokals. Er führte einst das Schauspielhaus aus einer Krise.

Andreas Spillmann steht neu nicht nur an der Spitze des Landesmuseums, sondern auch des Restaurants Kronenhalle.

Andreas Spillmann steht neu nicht nur an der Spitze des Landesmuseums, sondern auch des Restaurants Kronenhalle. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Der neue Chef des Zürcher Restaurants Kronenhalle ist ein branchenfremder. Doch Andreas Spillmann, Direktor des Schweizerischen Landesmuseums, war der Wunschkandidat des bisherigen Verwaltungsratspräsidenten Peter Beglinger. Der 75-Jährige hat das Amt altershalber nach 15 Jahren abgegeben. Der Wechsel wurde vor wenigen Tagen im «Schweizerischen Handelsamtsblatt» veröffentlicht.

Als Verwaltungsratspräsident will Spillmann im Hintergrund bleiben. Er möchte sich auf Anfrage weder zu seiner Motivation für das Amt noch zu seinen Ideen oder der Zukunft der Kronenhalle äussern. Er verweist auf das «bewährte Team», das die Kronenhalle leitet und in den nächsten Monaten mit Dominik N. Godat einen neuen Direktor erhält. Spillmann ist auch neuer Präsident der Hulda-und-Gustav Zumsteg-Stiftung, der das Gebäude am Bellevue und die Kunstsammlung der Kronenhalle gehört. Sie unterstützt unter anderem auch junge Gastronomen, die Textilbranche und das Kunsthaus Zürich.

Lange Tradition: Die Kronenhalle beim Bellevue von aussen. Foto: Keystone/Christian Beutler

Den ersten Kontakt zur Kronenhalle hatte Spillmann durch die Stiftung. 2007 übergab diese dem Landesmuseum das Textilarchiv der Firma Abraham – der ehemalige Kronenhalle-Besitzer Gustav Zumsteg hatte das Unternehmen an die Weltspitze geführt. 2010 veranstaltete das Landesmuseum die Ausstellung «Soie pirate», die Zumstegs Vermächtnis zeigte. Spillmann wurde 2014 in die Stiftung berufen.

Vom Schauspieler zum Museumsdirektor

Spillmann hat eine erstaunliche Karriere hinter sich, das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» bezeichnete ihn einmal als «Manager und Künstler in einer Person». Der 60-Jährige leitet das Schweizerische Nationalmuseum seit 2006, zu diesem gehören die Ausstellungshäuser in Zürich, Prangins und Schwyz sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis. In der Stadt Basel war Spillmann von 1998 bis 2002 an Kulturchef.

Daraufhin wechselte er als kaufmännischer Leiter zum Schauspielhaus Zürich, dem er in der Saison 2004/05 interimistisch auch als künstlerischer Direktor vorstand. Es waren fulminante Jahre. In dieser Zeit war auch Christoph Marthaler Intendant. Dieser brachte beispielsweise Christoph Schlingensief nach Zürich, der für diverse Skandale sorgte. Spillmann konnte das Schauspielhaus aus der Schuldenkrise herausführen und 2005 an den neuen Intendanten Matthias Hartmann übergeben. Ursprünglich hatte sich Spillmann in München zum Schauspieler ausbilden lassen, danach hatte er in Zürich Volkswirtschaft studiert.

«Streit hinter Spitzenvorhängen»

Die Übergabe des Verwaltungsratspräsidiums von Beglinger an Spillmann ist in Harmonie über die Bühne gegangen. Ganz anders war das vor 15 Jahren. Nach dem Tod des damaligen Besitzers Gustav Zumsteg war es zu einem erbitterten Machtkampf gekommen. Der Grund: Direkte Nachkommen des am 17. Juni 2005 verstorbenen Patrons fehlten.

Im Testament hatte er zwar fast alles bis ins Detail geregelt, doch wie die Führung für das Lokal auszusehen hatte, wurde unterschiedlich interpretiert. Zwei Lager entstanden, die sich gegenseitig beschuldigten und nur noch über Anwälte miteinander kommunizierten. Der «Landbote» bezeichnete den Konflikt als «Streit hinter Spitzenvorhängen». Erst im Spätherbst des Jahrs 2005 kam es zu einer Einigung. Anwalt Peter Beglinger, den Gustav Zumsteg zum Willensvollstrecker eingesetzt hatte und der damals bereits der Präsident der Hulda-und-Gustav-Zumsteg-Stiftung war, konnte das Verwaltungsratspräsidium der Kronenhalle übernehmen.

Erstellt: 14.02.2020, 11:30 Uhr

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