«Drei Ampeln sind eine zu viel»

Die Fussgängerquerungen der Glattalbahn seien zu kompliziert, sagt Patrick Eberling, Verkehrsexperte bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Mangelhafte Sicherheit: Auf diesem Bahnübergang wurden am vergangenen Freitag drei Männer vom Tram erfasst. Foto: Benjamin Hämmerle

Mangelhafte Sicherheit: Auf diesem Bahnübergang wurden am vergangenen Freitag drei Männer vom Tram erfasst. Foto: Benjamin Hämmerle

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Am vergangenen Freitag wurden auf einem Übergang der Glattalbahn drei Fussgänger vom Tram erfasst. Wie beurteilen Sie die Sicherheit der besagten Querung?
Positiv fallen mir die grosszügig bemessenen Warteräume auf. Nicht optimal ist hingegen, dass die Ampel für die Überquerung der Tramgeleise nicht synchron mit den beiden Ampeln für die Querung der Strasse läuft. Für die Sicherheit wäre es besser, wenn die drei Ampeln gleichzeitig auf Grün und Rot stehen würden und ein Fussgänger so die gesamte Strasse in einer Etappe gesichert überqueren kann. Auf die mittlere Lichtsignalanlage sollte aufgrund der Länge und Komplexität der Querung trotzdem nicht verzichtet werden. Je klarer die Informationen, desto einfacher für die Fussgänger.

Das würde den Verkehrsfluss bremsen.
Ja, hier besteht ein Konflikt zwischen Komfort und Verkehrssicherheit. In diesem Fall würde ich der Sicherheit den Vorrang geben. Dafür spricht, dass die Wagen der Glattalbahn sehr leise sind und ihre Geschwindigkeit deutlich höher ist als diejenige von Trams in der Innenstadt. Das birgt erhebliches Gefahrenpotenzial.

Würde ein blinkendes Warnlicht vor den Tramgeleisen eher beachtet als eine Ampel, die genau gleich aussieht wie die beiden Ampeln an den Strassenrändern?
In der Schweiz ist man sehr restriktiv mit blinkenden Warnlichtern, und das ist gut so. Wenn man damit beginnt, Gefahrenquellen mit Blinklichtern zu versehen, blinkt es am Schluss überall. Das hat zur Folge, dass die Verkehrsteilnehmer sich daran gewöhnen und die Blinklichter weniger beachten.

Wenn Sie eine Empfehlung abgeben könnten: Wie sollte die besagte Fussgängerquerung aussehen?
In meinen Augen wäre eine Barriere die sicherste Lösung. Angesichts der hohen Geschwindigkeit der Trams an dieser Stelle würde ich den Übergang so gestalten wie einen Bahnübergang ausserorts. Genügend Platz wäre vorhanden. Ein physisches Hindernis bietet immer mehr Sicherheit als eine Signalisation. Mit einer Barriere kann auch auf die mittlere Ampel verzichtet werden. Die Maxime sollte lauten, möglichst wenig Signale einzusetzen und dafür die Verkehrsteilnehmer klar und zwingend durch die Infrastruktur zu führen.

Wie beurteilen Sie die Konstruktion der Front der Glattalbahn? Müsste diese tiefer sein, damit bei einer Kollision keine Fussgänger unter das Tram rutschen können?
Zur Form der Fahrzeuge kann die Beratungsstelle für Unfallverhütung keine Aussagen machen. Es geht dabei um die Fahrzeugtechnik. Uns ist jedoch bekannt, dass im Zuge der Einführung der Cobra-Trams umfangreiche Anprallversuche durchgeführt wurden.

Wäre es denkbar, das Tram akustisch lauter zu machen oder eine Art Hupsignal vor einem Übergang einzuführen? Gerade im Umkreis des Flughafens hört man die Trams kaum.
Technisch wäre es natürlich denkbar, Trams akustisch lauter zu machen. Bei den hohen Geschwindigkeiten an dieser Stelle müsste das Tram aber schon von weit weg deutlich hörbar sein, was einen ziemlich lauten Ton zur Folge hätte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2014, 11:56 Uhr

Patrick Eberling ist Experte für Verkehrstechnik und -sicherheit bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) in Bern. Foto: PD

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