Durchmesserlinie zu steil für den Intercity

Auf der Ost-West-Achse müssen die SBB künftig zusätzliche Lokomotiven einsetzen. Der Grund: Die schweren Intercity-Züge schaffen Tunnel und Rampe der Durchmesserlinie sonst nicht. Von einer Fehlplanung wollen die SBB trotzdem nicht sprechen

Ab Ende 2015 rollen die Intercity-Züge über die neue Strecke: Die Brücke der Durchmesserlinie im Bau. (3. Juni 2014)

Ab Ende 2015 rollen die Intercity-Züge über die neue Strecke: Die Brücke der Durchmesserlinie im Bau. (3. Juni 2014) Bild: Keystone

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Wieder Probleme bei der Zürcher Durchmesserlinie: Nachdem im Sommer bekannt geworden war, dass die Brücken der neuen Strecke wegen eines Konstruktionsfehlers nachgebessert werden müssen, macht nun auch das Streckenprofil Schwierigkeiten. Der Tunnel und die Rampe der Durchmesserlinie sind so steil, dass die SBB in Zukunft zwei Loks für ihre Intercity-Züge brauchen. Dies haben Testfahrten in den vergangenen Monaten gezeigt.

Wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt, sind die Intercity-Züge zwischen St. Gallen und Genf und zwischen Romanshorn und Brig betroffen. Weil diese ab Ende 2015 die Durchmesserlinie benützen, müssten sie eine zweite Lok haben. Es bestehe «erhöhter Traktionsbedarf», sagt SBB-Sprecher Stephan Wehrle der Zeitung. «Im Bahnhof Löwenstrasse könnte es zu Verzögerungen kommen, wenn die Züge nicht schnell genug aus dem Bahnhof herauskommen.»

Nun brauchen die SBB etwa zehn zusätzliche Loks. Über die Höhe der Kosten für diese Lösung machen die SBB keine Angaben. Um eine Fehlplanung handle es sich nicht. Die Durchmesserlinie habe so steil gebaut werden müssen, weil rund um den Hauptbahnhof bereits einige Tunnels gegraben worden seien.

Neue Züge zu spät ausgeliefert

Neben der Steigung in der Durchmesserlinie gibt es einen zweiten Grund für die Doppel-Lok-Lösung. Weil auf den betroffenen Strecken zahlreiche Langsamfahrstellen geplant sind, ist eine schnelle Beschleunigung der Züge unumgänglich.

Zumindest auf der Strecke St. Gallen–Genf wäre die Doppelbestückung allerdings nicht nötig, wenn die SBB ihre neuen Fernverkehr-Doppelstockzüge des Zugbauers Bombardier pünktlich hätten in Betrieb nehmen können. Diese sollten ab Ende 2013 ausgeliefert werden, momentan wird mit einer Auslieferung ab Ende 2015 gerechnet.

Die Eröffnung der Durchmesserlinie für den Fernverkehr Ende 2015 bringt unter anderem einen neuen Direktzug zwischen Basel und St. Gallen und etwa 10 Minuten kürzere Fahrzeiten zwischen St. Gallen und Zürich. (ldc)

Erstellt: 12.10.2014, 08:59 Uhr

Die Fahrt von Zürich-Nord in den neuen Bahnhof Löwenstrasse im Zeitraffer. Video: Melanie Finschi

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