Ein Bus ohne Fahrer – aber mit Notfallknopf

Das ist der selbstfahrende Shuttlebus, den die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich zurzeit testen.

Ein Mini-Bus ohne Chauffeur: Der Shuttle «Self-e» wird auf dem VBZ-Areal in Zürich-Altstetten getestet. (7. Februar 2018) Video: Tamedia

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Die VBZ-Mitarbeiter auf dem grossen Firmengelände an der Luggwegstrasse in Altstetten werden für die nächsten zwei Wochen zu Versuchskaninchen. Auf dem Areal wurde eine 1,3 Kilometer lange Busstrecke mit fünf Haltestellen angelegt. Somit müssen die Angestellten in dieser Zeit nicht mehr zu Fuss in die Kaffeepause gehen. Sie werden von einem Kleinbus mit 11 Plätzen gefahren, der so vollgestopft ist mit Elektronik, Kameras und GPS-Antennen, dass er den Weg auch ohne Chauffeur findet. Passend haben die Verkehrsbetriebe das Fahrzeug ohne Lenkrad und Gaspedal «Self-e» getauft.

Wie VBZ-Chef Guido Schoch gestern vor den Medien erklärte, sollen mit dem Self-e Erfahrungen gesammelt werden. Die VBZ sind insbesondere interessiert an den aktuellen technischen Möglichkeiten von selbstfahrenden Verkehrsmitteln im Strassenverkehr. Ziel sei es nicht, dieses Fahrzeug auf dem regulären VBZ-Streckennetz einzusetzen. Für die grossen Passagierströme in Zürich sei es nicht ideal, zudem könne es vorderhand auch tempomässig nicht im Stadtverkehr «mitschwimmen». Das elektronisch angetriebene Self-e erreicht zwar eine Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h, ist vorderhand aber nur mit 12 km/h unterwegs.

Fernziel: Pendelbus

Der Kleinbus wurde entwickelt vom Start-up AMoTech und wird von den Verkehrsbetrieben Schaffhausen betrieben. Diese setzen es zu Testzwecken auf dem SIG-Areal ein. Fernziel ist aber, den Kleinbus, der in Schaffhausen «Trapizio» genannt wird, auf einer regulären Linie zwischen Neuhausen und dem Rheinfall pendeln zu lassen.

Wie realistisch selbstfahrende Fahrzeuge im Stadtverkehr sind, wollte Schoch gestern nicht einschätzen. Überzeugt ist er hingegen davon, dass sich die Mobilität in Zukunft verändern wird und dabei auch selbstfahrende Fahrzeuge eine Rolle spielen werden. Womöglich, so Schoch, werde dies jedoch zuerst auf der Schiene zur Tatsache.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) lobte den Test mit dem «kleinen, herzigen Self-e». Die Verkehrsbetriebe würden zu Recht versuchen, die Mobilität weiterzuentwickeln. Dies sei in einer Stadt wie Zürich ein Schlüsselthema in der Bevölkerung. Das zeigten auch die Zufriedenheitsumfragen, welche die Stadt regelmässig durchführe.

Das Projekt auf dem VBZ-Areal steht für Mauch noch in einem grösseren Kontext. Der Stadtrat habe sich das Ziel gesetzt, Zürich zu einem führenden Standort für digitale Innovationen, zu einer «Smart City» zu machen – zu einem Schweizer Silicon Valley sozusagen.

Auf dem VBZ-Areal steht die digitale Innovation im Verkehr noch am Anfang. Self-e wird zwar ohne Chauffeur unterwegs sein. Doch ohne Begleitung gehts noch nicht. Zu gross sind die technischen Unsicherheiten. Der Begleiter trägt eine Konsole mit einem roten Stoppknopf bei sich – für alle Fälle. Die VBZ-Angestellten sollen schliesslich nur Versuchskaninchen sein und nicht zu Opfern werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2018, 08:37 Uhr

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