Ein Hauch Barça in Aussersihl

Hans Gamper gründete den FC Zürich und den FC Barcelona. Nun wird ihm eine Strasse gewidmet.

Als er noch Hans und nicht Joan hiess: Gamper 1896 im FCZ-Dress. Foto: FCZ-Museum

Als er noch Hans und nicht Joan hiess: Gamper 1896 im FCZ-Dress. Foto: FCZ-Museum

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Der Zürcher Stadtrat hat gestern beschlossen, die bestehende Gamperstrasse im Kreis 4 Hans (Joan) Gamper zu widmen. Die Sackgasse, die von der Feldstrasse abzweigt, wurde bei der Eingemeindung von Aussersihl nach einem Anwohner benannt, von dem sonst nichts bekannt ist: Johannes Gamper.

Jetzt heisst die Strasse immer noch Gamperstrasse, auf Antrag des Stadt­archivs ehrt sie neu aber Hans Gamper für seine Verdienste als Förderer des Sports, insbesondere des Fussballs in der Schweiz. «Er steht auch für die zahlreichen Schweizer, die durch die Gründung wichtiger europäischer Vereine einen bedeutenden Beitrag zur Förderung des Fussballs in Kontinentaleuropa geleistet haben», teilte der Stadtrat mit.

Nach Auskunft von Saro Pepe, Leiter des FCZ-Museums, waren Schweizer auch bei den Gründungen des FC Bari (1908), Inter Mailand (1908) oder des FC Bologna (1909) massgeblich beteiligt. Die Schweiz kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem deshalb auf den Fussball, weil die Internate, viele davon in der Westschweiz, reiche Engländer anzogen.

Erster Captain des FC Zürich

Hans Gamper wurde 1877 in Winterthur geboren, lebte ab 1886 aber in Zürich, wo er bald auch das Bürgerrecht erhielt. Im Seidengeschäft Grieder machte er die kaufmännische Lehre und trieb in der Freizeit sehr viel Sport. Mit 18 Jahren gründete er im Sommer 1896 zusammen mit Kollegen den FC Zürich, entstanden aus Mitgliedern des FC Excelsior Zürich und des FC Turicum. Gamper wird der erste Captain des FCZ, er absolviert als auswärtiges Mitglied aber auch einige Spiele für den FC Basel und den FC Winterthur. Das war bis 1898 möglich. Zu den Gründungsmitgliedern des FCW zählt er allerdings nicht. Neben dem Fussball war Gamper auch als Leichtathlet tätig, organisierte das erste Athletische Sportfest in der Rennbahn Hardau und gewann den 800-Meter-Lauf in Rekordzeit.

Von Diktatoren gefürchtet

1898 zog Hans Gamper nach Barcelona, um als Buchhalter für die katalanische Eisenbahn zu arbeiten. Dort nannte er sich Joan Gamper. Schon im folgenden Jahr suchte er mittels Zeitungsinserat Mitglieder für einen Fussballclub und gründete am 29. November 1899 den Futbol Club Barcelona. In den folgenden vier Jahren schoss er in 51 Spielen 120 Tore. Nach seiner Aktivzeit wurde der mittlerweile verheiratete Vater zweier Söhne fünfmal zum Präsidenten des FC Barcelona gewählt.

Weil der Verein immer mehr zu einem Symbol katalanischer Identität wurde, entmachtete der Diktator Primo de Rivera die ganze Clubführung, schloss das Stadion für sechs Monate und verbot Gamper, je wieder als Clubpräsident zu amten. Im grossen Börsencrash 1929 verlor Gamper sein Vermögen, da er in Zuckerrohr aus Kuba investiert hatte. Im Juli darauf erschoss er sich in seinem Haus. Tausende folgten dem Trauerzug. Die Verehrung, die Joan Gamper in Barcelona geniesst, zeigte sich auch 1955, als der FC Barcelona sein neues Stadion nach ihm benennen wollte. Doch das verbot der Diktator Franco, weil Gamper für das Regime als Förderer der katalanischen Unabhängigkeit galt.

Noch heute veranstaltet der FC Barcelona jedes Jahr ein Turnier um die Joan-Gamper-Trophäe. Ein Pokal aus dem Jahr 1979 ist im Museum des FC Zürich an der Werdstrasse 21 ausgestellt. Im Museum des FC Barcelona wiederum ist Gampers FCZ-Mitgliederausweis ausgestellt. Auf der Website des FC Barcelona wird auch der verbreiteten Meinung widersprochen, Gamper habe dem FC Barcelona die Farben Rot-Blau verschrieben in Übernahme der Farben des FC Basel. Dafür gebe es keine Belege.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2016, 10:07 Uhr

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