Ein Hip-Hop-Lokal für Erwachsene

Zürich wird für ausgehfreudige Erwachsene ein Stück attraktiver: Im vegetarischen Restaurant in der Europaallee wird der Sihlpost-Club eröffnet.

Davide Caccia (links) und Argjent Baftiri im Hiltl am Europaplatz. Foto: Reto Oeschger

Davide Caccia (links) und Argjent Baftiri im Hiltl am Europaplatz. Foto: Reto Oeschger

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Nach der Pädagogischen Hochschule, den Wohnungsund Ladenmietern zieht nun der erste Club in der Europaallee ein. Schon länger war bekannt, dass Rolf Hiltl in seinem vegetarischen Lokal, das im März 2016 eröffnet wurde, einen Club plant. Jetzt ist klar, wer künftig am Europaplatz an den Wochenenden ab 23 Uhr für Musik sorgt. Argjent Baftiri und sein Partner Davide Caccia haben Ende September die SiPo Club GmbH gegründet. Ihr Sihlpost-Club soll am 1. Dezember die Türen öffnen. Geplant sei ein neuer Hip-Hop-Club, bestätigt Baftiri auf Anfrage. Der 29-Jährige und sein gleichaltriger Partner organisieren seit über zehn Jahren in Zürich in verschiedenen Clubs unter dem Label Restlezz Hip-Hop-Partys. Neben den Clubs Mascotte und Plaza bespielen sie insbesondere zusammen mit Rolf Hiltl dessen erstes Restaurant, das Clublokal an der St.-Anna-Gasse.

Dank Hiltl konnten sich die beiden Partyorganisatoren den Traum eines eigenen Clubs erfüllen, wie sie sagen. Seit sie 21 Jahre alt sind, leben die beiden Freunde vom Organisieren von Veranstaltungen. Nun haben sie eine eigene Firma gegründet. «Das Restaurant Hiltl in der Europaallee soll zum Partymekka für Erwachsene Hip-Hopper werden», sagt Baftiri. Sie wollen vor allem Clubgänger wie sie selber anziehen, die mit der Hip-Hop-Musik gross geworden sind, aber keine Lust mehr haben, mit 18- bis 22-Jährigen in Clubs zu tanzen. Deshalb wird der Sihlpost-Club ab 25 Jahren sein.

Post-Chic der 1930er-Jahre

«Von der Musik her wollen wir Hip-Hop, R ’n’ B, Rap, Neo-Soul und alles, was mit Black Music zu tun hat, bieten.» Baftiri und Caccia, die das Programm zu einem grossen Teil selbst zusammenstellen, setzen vor allem auf lokale und nationale DJs. Doch auch internationale Gäste sollen regelmässig auf dem Lineup stehen.

Den Erfolg teilen sich die beiden Clubbetreiber mit Hiltl. An der operativen Führung ist der Vegi-Pionier aber nicht beteiligt. «Seitens der Hiltl AG stellen wir die Location zur Verfügung und unterstützen die Jungs», sagt Rolf Hiltl. Freitags und samstags ab 23 Uhr werden in der ehemaligen Garage der Poststelle die Theken mit dem vegetarischen Essen durch eine spezielle Vorrichtung an die Decke gefahren und ein Teil der Tische sowie Stühle weggeräumt, sodass ein Dancefloor und Lounges für rund 350 Personen entstehen. An der Posttheke – einem Originalstück aus den 1930er-Jahren – können dann keine vegetarischen Menüs und Smoothies mehr, sondern Drinks und Cocktails bestellt werden. Deren Preise stehen an einer alten Faltblattanzeige hinter der Theke angeschrieben.

Auch die ehemaligen Postfächer wollen Baftiri und Caccia nutzen. Club-Member sollen dafür einen Schlüssel erhalten. Nicht bloss, um schneller in den Club einzutreten, sondern sie können in den Fächern beispielsweise ihre Mobiltelefone aufladen. Wer eine Lounge reserviert, feiert auf der Galerie oberhalb der Bar. Frühmorgens haben es die Partygäste nicht weit bis zum ersten Zug, wenn sie aus dem Lokal kommen. Das Lokal ist direkt am Bahnhof gelegen. «Diese Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist ideal», sagt Baftiri.

Erfolg an der Langstrasse

Der Sihlpost-Club ist bereits das dritte Nachtlokal innerhalb eines Hiltl-Restaurants. Das zweite wurde erst vor wenigen Wochen in der Langstrasse unter dem Namen Perle eröffnet. Das Lokal ist umstritten, weil der Neubau den zwischengenutzten Kunstraum Perla Mode ersetzte, der jahrelang ein Treffpunkt für junge Künstler war. Zur Eröffnungsveranstaltung hatte DJ K-Rim sein Engagement aus Protest wieder abgesagt. Er sei mit dem Konzept des neuen Clubs nicht einverstanden, sagte er dem «Tages-Anzeiger».

Die Kritik hat dem Lokal nicht geschadet, sagt Rolf Hiltl. Der Club laufe gut, jedes Wochenende würden in der Perle 200 bis 400 Menschen tanzen: «Das ist etwa das, was wir erwartet haben.» Im neuen Sihlpost-Club werde DJ K-Rim ab Dezember jedoch regelmässig spielen, sagt Baftiri. Er arbeite schon seit längerem mit ihm zusammen. Dem Vorwurf der Gentrifizierung ist der neue Sihlpost Club jedenfalls nicht ausgesetzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2017, 10:31 Uhr

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