Ein Holzpferd tourt durch die Schweiz

Der hölzerne Pegasus auf Rädern soll Botschafter für das Freilichttheater sein. An der ZHDK rollten es seine Macher erstmals unter den freien Himmel.

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Mitten auf der Einfahrtstrasse ins Parkhaus der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) steht der trojanische Pegasus. Das dreieinhalb Meter hohe Holzpferd hat das rechte Vorderbein angewinkelt, seine Flügel sind leicht nach hinten geklappt. Unter ihm ein Podest aus Holz mit Rädern. Ein kleine Treppe führt zum Rumpf des Pferdes, wo man durch Gucklöcher im Innern eine Theaterszenerie erblickt: Berge, Menschen und Fahrzeuge im Miniformat. Von den Flügeln herab ertönen Musik und Stimmen.

Freilichttheater im Zentrum

Die Pferdeinstallation ist ein Projekt von Liliana Heimberg, Leiterin Theaterpädagogik an der ZHDK. Es ist unter anderem aufgrund von Heimbergs, Yvonne Schmidts und Kathrin Siegrfrieds Buch «Freilichttheater – eine Tradition auf neuen Wegen» entstanden. Unterstützt wird es vom Schweizerischen Nationalfonds und dem Bundesamt für Kultur.

Dem wenig erforschten Gebiet des Freilichttheaters hat sich Heimberg in verschiedenen Studien und Forschungsprojekten gewidmet. «Im Freilichttheater», sagt sie, «spielen zwar nach wie vor Laien unter freiem Himmel. Aber das ganze Team drum herum, die Dramaturgie, die Regie, die Musik, all das ist jetzt professionell.» Im vergangenen Jahrhundert hätten professionelle Regisseure und Szenografen Interesse an der szenischen Arbeit mit Laien-Darstellern entwickelt, woraus eigenständige Aufführungen im Freien entstanden seien.

Das Freilichttheater, so Heimberg, inszeniere nicht mehr nur bestehende Stücke, sondern erarbeite in vielfältiger Weise ganz eigene Produktionen.

Mit dem Pegasus will die Theaterwissenschaftlerin den Menschen das Thema Freilichttheater vermitteln, und zwar nicht in einer Ausstellung, sondern als eigene Szenerie.

Die Tonaufnahmen und Lichtprojektionen im Rumpf des Pferdes stammen alle aus Theaterstücken, die in der Schweiz im Freien aufgeführt wurden: das Welttheater in Einsiedeln etwa, oder das Orakel von Truttmann im Wallis. Im Knie des Pegasus ist eine kleine Kamera installiert, welche die Bilder direkt in den Innenraum projiziert.

Antike Idee adaptiert

Wie fürs Freilichttheater üblich, ist auch das trojanische Pferd ein historischer Stoff. In der Mythologie versteckten sich griechische Krieger im Bauch eines riesigen Holzpferdes, das sie als Geschenk der Götter ausgaben und so ohne Widerstand in die feindliche Stadt Troja rollen konnten. In der Nacht kletterten sie aus dem Rumpf, überraschten die Trojaner und zerstörten die Stadt. Mit dieser Kriegslist gewannen die Griechen, so will es der Mythos, den zehnjährigen trojanischen Krieg.

Ganz so militärisch meinte es die Szenografin Elisabeth Wegmann nicht, als sie die Idee des Holzpferdes entwickelte. Ihr gefiel die Vorstellung, das Freilichttheater im Innern wie eine Botschaft zu transportieren. Später kamen noch die Flügel dazu. Die Laiendarsteller sind jene Kraft, die das Freilichttheater tragen: deshalb zieren Porträts von solchen Darstellern die Flügel.

Der trojanische Pegasus wird während zwei Jahren durch die Schweiz touren und das erste Mal am 8. August am Zürcher Theaterspektakel zu sehen sein. Danach geht es weiter nach Biel und ist Anfang September bei der Eröffnung des Pfingsweidparks wieder in Zürich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2015, 18:53 Uhr

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