Ein Hortstuhl für drei Kinder

In der Stadt Zürich gibt es fünf Tagesschulen und vier Schülerclubs. Aber viele Eltern melden ihre Kinder vergebens an: Es sind nicht genügend Plätze vorhanden.

«Eltern und Kinder schätzen die Tagesschule»: Ein Schüler der Grundstufe beim Puzzeln.

«Eltern und Kinder schätzen die Tagesschule»: Ein Schüler der Grundstufe beim Puzzeln. Bild: Keystone

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Mitte Woche landen bei vielen Eltern in Zürich die Infos über die Einschulung ihrer Kinder im Briefkasten. Damit stellt sich für die erwerbstätigen Mütter und Väter nicht nur die Frage nach der Betreuung ihrer Kleinen vor und nach dem Kindergarten – sondern auch, ob sie überhaupt entsprechende Plätze erhalten.

Die Stadt Zürich führt insgesamt neun Tagesschulen und Schülerclubs. In den Tagesschulen werden knapp 500 Kinder betreut, die Schülerclubs bieten 460 Mittags- und 400 Nachmittagsplätze an. Doch das Angebot deckt die Nachfrage bei weitem nicht: «Unsere Tagesschule ist im Quartier begehrt, wir haben immer mehr Anmeldungen als Plätze», sagt Irene Peratoner von der Kreisschulpflege Limmattal. Wie viele Kinder keinen Platz finden, sei schwierig zu beziffern, da die Eltern gezwungenermassen rasch nach einer anderen Lösung suchen.

Nachfrage steigt stetig

In der Tagesschule Limmat B werden Kinder vom Eintritt in den Kindergarten bis zum Ende der 6. Klasse ihrem Alter entsprechend betreut: «Die Eltern und Kinder schätzen den Rahmen der Tagesschule sehr», weiss Peratoner. Ausserdem sei die Zusammenarbeit zwischen den Eltern, den Lehrpersonen und Hortleiterinnen und Hortleitern sehr eng.

Die Stadt Zürich habe das Betreuungsangebot in den letzten Jahren zwar massiv ausgebaut, sagt der Mediensprecher des Zürcher Schul- und Sportdepartements, Marc Caprez. Aber in den letzten Jahren sei das Bedürfnis nach ausserschulischen Betreuungsmöglichkeiten auch enorm gestiegen. «Gerade in schnell wachsenden Stadtteilen wie Zürich-Nord geraten wir wegen der grossen Nachfrage an die Grenzen unserer Kapazitäten.» Darüber, wie viele Eltern ihre Kinder vergebens an einer Tagesschule anmelden, kann die Stadt keine Angaben machen.

Engpass am Dienstag und Donnerstag

Genügend Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, sei nicht nur eine finanzielle Frage, sondern vor allem auch ein räumliches Problem: «Es kann vorkommen, dass ein Hortstuhl von drei Kindern genutzt wird.» Das liege an der Flexibilität, die das À-la-Carte-System im Betreuungswesen bietet. Bei Tagesschulen können die Eltern auf Wunsch eine Morgen- und Abend-Betreuung anfordern.

Einzig der Mittagstisch muss für Tagesschüler angeboten werden. So kann es vorkommen, dass ein Hortplatz an einem Tag von mehreren Kindern benutzt wird: «Gerade am Dienstag und Donnerstag lassen besonders viele Eltern ihre Kinder im Hort betreuen», sagt Caprez. «Die Wartelisten konnten in den meisten Schulkreisen fast vollständig abgebaut werden. Ein Engpass besteht nach wie vor in Zürich Nord».

Erstellt: 30.01.2012, 11:22 Uhr

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