Ein Parteiloser mischt den Wahlkampf auf

Im Schulkreis Zürichberg buhlen nun drei Kandidaten um das Präsidium. Roger Curchod will der FDP und den Linken die Stirn bieten.

Der Witiker Roger Curchod fordert eine «Kultur des Zusammenhalts». Foto: Reto Oeschger

Der Witiker Roger Curchod fordert eine «Kultur des Zusammenhalts». Foto: Reto Oeschger

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In der Regel ist es schwierig, jemanden für einen schwierigen Job zu finden. Anders verhält es sich bei der Neubesetzung der sieben Schulpräsidien in der Stadt Zürich. Ausgerechnet im verrufenen Schulkreis Zürichberg kommt es bei der Wahl am 10. Juni zu einem Dreikampf um die Nachfolge von FDP-Politikerin Mirella Forster. Sie hat mit ihrem wenig kommunikativen Führungsstil in den vergangenen vier Jahren wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt.

Die FDP hat bereits Ende letzten Jahres Béatrice Di Pizzo für das Amt nominiert, die Grünen portieren, unterstützt von der SP, den ehemaligen Kantonsrat Ralf Margreiter. Und seit Anfang dieser Woche mischt im Kampf gar noch eine Person mehr mit: der Parteilose Roger Curchod.

Kommunikator und Teamplayer

Gegen seine beiden Kontrahenten rechnet sich der 48-jährige Roger Curchod durchaus Chancen aus, obwohl er parteipolitisch einzig von der CVP unterstützt wird und noch nie ein politisches Amt innehatte. Doch im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern habe er die jüngsten Entwicklungen im Schulkreis hautnah miterlebt – Curchod wohnt in Witikon, seine beiden Söhne besuchen im Schulkreis die Schulen. Er engagiert sich seit sieben Jahren im Elternrat der Schule Langmatt, seit drei Jahren als dessen Präsident. «Ich weiss, welche Probleme es im Schulkreis anzupacken gilt.»

Roger Curchod ist es ein Anliegen, die Kommunikation über alle Ebenen hinweg zu verbessern. «Ich bin einer, der gern zuhört, aber auch gerne kommuniziert.» Dafür möchte er sowohl in Schulen als auch in Elterngremien präsent sein, sich aus erster Hand informieren und sich ein Bild machen. «Nur wer weiss, was die Basis für Bedürfnisse hat, kann eine Kreisschulpflege nach innen wie nach aussen leiten», sagt er.

Ökonom im Gesundheitswesen

Zentral ist für Curchod die Pflege der Beziehungen zu allen Beteiligten. «Das schafft Vertrauen und hilft gerade in Krisensituationen.» Curchod sieht sich in einer Führungsposition als ausgewiesenen Teamplayer. Das sei schon als Korpsleiter der Pfadi Glockenhof so gewesen. Curchod sagt: «Wir müssen in diesem Schulkreis wieder eine Kultur des Zusammenhalts aufbauen.» Nur so werde es möglich, den Ruf des Schulkreises Zürichberg zu rehabilitieren und die zahlreichen vakanten Schulleiterstellen neu zu besetzen.

Beruflich kommt Curchod aus einer ganz anderen Ecke. Der Ökonom hat bis vor kurzem eine Vermögensgesellschaft geführt. Als «typischen Banker» will sich Curchod aber nicht verstanden wissen. «Mir war daneben immer wichtig, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können», sagt er. Seit vergangenem Sommer plant und erstellt er im Team eine Blockchain im Gesundheitsbereich. Diesen Job würde er bei einer Wahl aufgeben. Er liebäugelte schon bei der beruflichen Neuorientierung mit einer Kandidatur fürs Schulpräsidium.

Da er sich politisch als Bürgerlichen sieht, wurde Curchod im Spätherbst bei der FDP vorstellig, um seine Chancen für eine allfällige Kandidatur unter der Partei auszuloten. Doch die FDP hatte sich bereits für Di Pizzo entschieden. «Ich wäre gerne für die Bürgerlichen ins Rennen gestiegen», sagt Curchod. Anfang Jahr hätten ihm Eltern und Lehrer eine parteilose Kandidatur nahegelegt, vor einigen Tagen wurde sie konkret.

Fünf Bisherige, eine Neue

Weniger spektakulär dürften die Wahlen in den sechs weiteren Schulkreisen der Stadt Zürich ablaufen, fünf von ihnen bleiben wohl in SP-Hand. Neu wird einzig die Personalie im Schulkreis Waidberg, und auch die ist schon bekannt. SP-Vertreter Urs Berger (SP) gibt sein Amt nach 18 Jahren ab. Gabriela Rothenfluh, derzeit noch Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich, ist derzeit die einzige Kandidatin für das Amt.

SP-Mann Roberto Rodriguez stellt sich im Schulkreis Uto als Präsident zur Wiederwahl und wird dabei von allen Parteien unterstützt. Doch laut Angaben der Staatskanzlei will ihm ein wilder Kandidat den Sitz streitig machen. Barbara Grisch (Letzi), Katrin Wüthrich (Limmattal) und Barbara Fotsch (Schwamendingen) dürften für die SP in ihrem Amt bestätigt werden, ebenso Vera Lang Temperli im Schulkreis Glattal für die FDP.

Erstellt: 21.03.2018, 22:59 Uhr

Schulpräsidien in Winterthur

Bahn frei für Chantal Galladé

Von grossem Interesse sind die Schulpflegewahlen auch in Winterthur, weil die Ergebnisse Folgen für die SP-Delegation im Nationalrat hat. Wird nämlich die langjährige Nationalrätin Chantal Galladé (SP) im umstrittenen Kreis Stadt-Töss Schulpräsidentin, tritt sie aus dem Nationalrat zurück, und der ehemalige SP-Parteipräsident Daniel Frei (Niederhasli) könnte in Bern nachrutschen. Die Chancen von Galladé – und damit auch für Frei – sind nun schlagartig gestiegen. Die FDP hat nämlich beschlossen, ihren Kandidaten Beat Meier nicht gegen Galladé antreten zu lassen, sondern im Schulkreis Seen-Mattenbach.

Im Schulkreis Stadt-Töss ging es im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Schulhaus Brühlberg und der Demission aller Lehrkräfte drunter und drüber. Der grüne Schulpräsident und ehemalige Kantonsrat Felix Müller war aus der Grünen Partei ausgetreten, als ihm diese den Rücktritt nahegelegt hatte. Für seine Nachfolge hatten sich Chantal Galladé und Müllers bisheriger Vizepräsident Beat Meier beworben. Felix Müller will sein Amt nun als Parteiloser verteidigen, hat allerdings ein Handicap. Denn in Winterthur werden Kandidaten für die Schulpflege im Namen aller Parteien von der Interparteilichen Konferenz (IPK) empfohlen. Felix Müller als Parteiloser ist nun nicht mehr auf dieser Liste. Die SP strebt mit ihrem Co-Präsidenten Christoph Baumann in Oberwinterthur einen zweiten Sitz an. Beat Meier muss nun in Seen-Mattenbach gegen die weniger bekannte GLP-Kandidatin Martha Jakob antreten. (rba)

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