Swiss Casinos

Ein Teppichleger und ein Prothesenhändler mit der Lizenz zum Geldverdienen

Swiss Casinos steht auch für die Geschichte von Hans-Ueli «Jöggi» Rihs und Hans Jecklin, dem Hörgeräte- und dem Glücksspielpionier.

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Ohne die Tellerwäscherkarriere von Hans Jecklin (67) gäbe es keine Firma Swiss Casinos. Und wohl auch nicht ohne die Millionen von Phonak-Mitgründer Hans-Ueli «Jöggi» Rihs (68), der Jecklin 2001 unter die Arme griff, nachdem er mit einem Casino-Projekt in Las Vegas über 100 Millionen verzockt hatte. Rihs ist heute mit einem Anteil von 97 Prozent praktisch Alleinbesitzer von Swiss Casinos, die neben Zürich auch Casinos in Schaffhausen, Pfäffikon SZ, St. Gallen, St. Moritz und Bern betreiben und mitbesitzen.

Die Geschichte hat ihren Ursprung im Zürcher Oberland. Als Siebenjähriger verdiente Hans sein erstes Geld, indem er vor der Maschinenfabrik Rüti den italienischen Arbeitern Faden, Socken und Knöpfe aus dem Mercerie-Geschäft seiner Mutter verkaufte. Später brachte Mutter Jecklin ihre sieben Kinder mit einem Geschäft im Kreis 4 hinter der Langstrasse durch. Selfmademan Hans Jecklin versuchte sich in jungen Jahren als Teppich- und Bodenleger, bis er mit 23 pleiteging. Ein grosser Kunde hatte nicht rechtzeitig bezahlt. Und er selber verspielte im Casino Konstanz beim letzten Rettungsversuch in 10 Minuten 2000 Franken.

Erste Tests im Indianerreservat

Doch Jecklin ist ein Stehaufmännchen. Mit 25 kam er nach Las Vegas. In Zürich zimmerte der leidenschaftliche Flipperspieler seinen ersten Spielsalon, mit 30 gründete er die Tivolino AG, den Vorläufer von Swiss Casinos. Die bewusst hell gestalteten Spielsalons standen bald in jeder Ecke der Stadt. Der eher scheue Jecklin pflegte einen freundlichen Führungsstil, blieb selbst im Hintergrund – und verdiente schnell seine ersten Millionen. Bis sich in Zürich Widerstand gegen die einarmigen Banditen regte und das Stimmvolk 1995 ein Verbot von Geldspielautomaten beschloss.

Glücksspielpionier Hans Jecklin hatte längst weitergedacht. Er musste zwar 120 Salons schliessen und 500 Mitarbeiter entlassen, hatte aber schon in aller Stille den Einstieg ins Casino-Geschäft vorbereitet – in der Schweiz, wo sich eine Liberalisierung abzeichnete, aber auch in den USA. Dort übte er zuerst mit kleinen Casinos in Indianerreservaten. 1999 investierte er dann mehrere Hundert Millionen in ein Casino samt zwei Luxushotels und Golfplätzen in Las Vegas. Doch der Traum platzte, innerhalb eines halben Jahres hatte er über 100 Millionen Franken verloren.

Obschon Swiss Casinos von dieser Pleite juristisch und finanziell nicht betroffen war, verkaufte Jecklin seine Firma in mehreren Schritten an Hans-Ueli Rihs. Das US-Desaster schadete dem Image und hätte Swiss Casinos ohne einen solventen Schweizer Investor zu viel Kredit gekostet bei der Vergabe zukünftiger Casino-Lizenzen.

Spiel und Sport

Hans-Ueli Rihs ist der Sohn von Ernst Rihs, der 1965 die AG für Elektroakustik in Zürich übernahm. Noch bevor «Jöggi» 20 war, baute er in Deutschland einem Hersteller orthopädischer Implantate ein Vertriebsnetz auf. Später stieg er mit seinem Bruder Andy bei Phonak ein. Die Firma, heute Sonova, entwickelte sich mit ihren Hörgeräten zum Spitzenkonzern. 1999 trat «Jöggi» aus der Geschäftsleitung zurück und liess sich einen Grossteil seiner Anteile auszahlen.

Heute widmet sich «Jöggi» Spiel und Sport. In einem Casino sei «ein Gewinn gesetzlich vorgeschrieben», sagte er einmal. Die Konzession ist eine Lizenz zum Geldverdienen. Ohne seine Millionen als Investor – neben Bruder Andy – wären beim Fussballclub YB längst die Lichter ausgegangen. So gesehen lautet auch in Bern das Motto: «Rien ne va plus.»

Erstellt: 01.11.2012, 07:58 Uhr

Schweizer A-Casinos (Bild: TA-Grafik ek / Quelle: Eidg. Spielbankenkommission)

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