Ein Wohnzimmer mit Bar – und Plattenladen

Das Acapulco ist Geschichte, an der Zürcher Neugasse 56 beginnt heute ein neues Abenteuer namens Kasheme: Es ist quasi der real gewordene feuchte Traum des Genussmenschen.

Nick Mazrekaj in seiner neuen Kasheme. Foto: Sabina Bobst

Nick Mazrekaj in seiner neuen Kasheme. Foto: Sabina Bobst

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«Was die Kasheme ist? Das kann man nicht erklären, das muss man erlebt und gesehen haben.» Dies war der durchaus berechtigte Standardspruch, den Kasheme-Habitués mit Genuss jenen Zürchern und Stadttouristen an den Kopf warfen, die zwar vom beliebten und hochgelobten Etablissement im Langstrassenquartier gehört hatten, die aber das Geheimnis um den ziemlich enigmatischen Weg dahin nicht zu lüften vermochten – oder am Eingang mangels «Mitgliedschaft» nicht eingelassen werden durften.

Das nämlich war Nick Mazrekajs Problem: Es war ihm trotz langem Verhandeln mit dem Hauseigentümer und der Polizei auch nach dreieinhalb Jahren nicht gelungen, sein Projekt auf legale Beine zu stellen, sprich die Kasheme als Gastrobetrieb oder patentbefreite Wirtschaft (das ist eine Art Verein) zu führen.

Darum gab er sein grandioses Unikum, in dem es aussah wie in einem von Hippies verspielt gestalteten Wohnzimmer eines Herrschaftshauses aus den Swinging Sixties und in dem nicht hippe und schrille, sondern (in Form von DJ-Sets, Listening Sessions, Lesungen, Kunstausstellungen und Anverwandtem) sinnliche bis sinnesverwirrende Kultur inszeniert und zelebriert wurde, Ende August 2017 auf.

Wie es der Zufall wollte, suchte in dieser Zeit auch das Betreiberteam der Acapulco-Bar um Alfonso Siegrist und den im Herbst verstorbenen Martin Stricker für seinen etwas in die Jahre gekommenen Schuppen an der Neugasse 56 (visà-vis Kino Riffraff ) ein frisches Konzept. Dank Buschtelefon sassen die zwei Parteien bald schon am selben Tisch, man begeisterte sich für eine gemeinsame Vision, kreierte daraus eine umsetzbare Idee – und legte mit dem Umbau los.

Der alte ist der neue Groove

Nun ist das «Resultat» fertig, gestartet wird das neue Abenteuer von heute bis Sonntag mit einem grossen Opening-Weekend. Das Lokal heisst Kasheme, Mazrekaj ist der Geschäftsführer – dennoch werde es «keine Kopie der vorherigen Musikstube», betont der 30-Jährige: «Der Retro-Chic-Style des Interieurs ist moderner. Im Untergeschoss gibt es ein Soundstudio mit Livestreaming-Möglichkeit, das wir auch in einen Miniclub umfunktionieren können.»

Auf der Karte finde man Fingerfood und Snacks, fährt er fort, in den beiden Lounges könne man gar eigens kreierte Teller von gewissen Restaurants aus der Umgebung bestellen. «Weiter planen wir eine Radiostation und eine ziemlich revolutionäre Website... und wir haben sogar einen integrierten Plattenladen!» Es ist der Mono Records, der vor Jahren in der Altstadt situiert war und den der damalige Inhaber Spruzzi mit einem bestimmt wieder exquisiten «Black Music»-Vinylsortiment reanimieren wird.

Der vielen Neuerungen zum Trotz: Mazrekaj verspricht, der entspannende Laid-back-Groove der ersten Kasheme, gemixt von DJs und Aficionados mit Koffern voller unerhörter bis ungehörter Sounds, werde auch die zweite Kasheme prägen. Und wenn man dann noch hört, dass hier jeden zweiten Montag poetisch geslammt werden soll, ist es bis zur Feststellung, dieses Wohnzimmerprogramm komme der intimen Wunschvorstellung des Genussmenschen schon verdammt nahe, wahrlich nicht mehr weit.

Kasheme, Neugasse 56, 8004 Zürich. Opening Weekend mit diversen DJs und Live-Acts: heute ab 18 Uhr, Samstag/ Sonntag ab 15 Uhr. Bald online: www.kasheme.com

Erstellt: 02.03.2018, 08:44 Uhr

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