Ein Wurmforscher soll Rektor der Uni Zürich werden

Die Vorentscheidung für die Nachfolge von Andreas Fischer ist gefallen: Der Senat gab dem Biologen Hengartner den Vorzug gegenüber der Ökonomin Andrea Schenker-Wicki.

«Es ist wunderbar, dass es nun geklappt hat»: Michael Hengartner. (Bild: zvg)

«Es ist wunderbar, dass es nun geklappt hat»: Michael Hengartner. (Bild: zvg)

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Das Rennen war offen, gegenüber standen sich zwei gleichwertige Kandidaten. Der Senat der Universität Zürich musste sich am Mittwoch festlegen: Soll Michael Hengartner neuer Rektor werden, der Molekularbiologe, ein Schwergewicht in der Forschung? Oder ist Andrea Schenker-Wicki besser geeignet, die in Verwaltung und Politik exzellent vernetzte Ökonomin?

Nach einer Fragerunde mit den beiden Kandidaten und einer ausgedehnten Debatte gingen die rund 550 Professoren und 50 Vertreter von Studenten, Assistenten und Privatdozenten zur Wahl über. Die Anzahl Wahlgänge und das Stimmenverhältnis wurden von der Universität nicht offengelegt, aber kurz vor 22 Uhr war klar: Michael Hengartner hat es geschafft.

Der 46-jährige Biologe zeigte sich nach dem letzten Wahlgang hocherfreut: «Ich habe immer gesagt, die Chancen stehen 50:50, es ist wunderbar, dass es nun geklappt hat.» Als Rektor werde er sich drei Schwerpunkte setzen, er wolle in Leute, in neue Räume und in die ­Diversität der Universität investieren. Dann verabschiedete er sich: «Ich muss jetzt mit 550 Professoren anstossen.»

Mit Nobelpreisträger gearbeitet

Hengartners Ruf als Molekularbiologe fusst vor allem auf seiner Arbeit als Wurmforscher. Er studierte an der ­Laval-Universität in Québec, später wechselte er ans Massachusetts Institute of Technology. Dort schloss er sich der Gruppe um den späteren Nobelpreisträger Robert Horvitz an, der sich auf die Erforschung des Fadenwurms Caenorhabditis elegans spezialisiert hatte.

2001 wechselte er als Professor für Molekularbiologie an die Uni Zürich, seit 2009 ist der schweizerisch-kanadische Doppelbürger Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. Hengartner ist bei den Studenten als Dozent beliebt, 2010 erhielt er den «Credit Suisse Best Teaching Award». In den Medien fiel der sechsfache Vater immer wieder mit pointierten Sätzen auf: «Das Leben ist keine Excel-Tabelle», (über Ethik und Tierversuche, «Basler Zeitung»), «eine Fakultät führen ist wie Katzen hüten!» (über Leadership an Hochschulen, «NZZ»), «ich hatte mehr Glück als Verstand» (über seine eigene Karriere, «St. Galler Tagblatt»).

Endgültig ist der Entscheid des Senats indessen noch nicht. Der neue Rektor wird vom siebenköpfigen Universitätsrat ernannt, voraussichtlich am 24. Juni. Es wird aber allgemein erwartet, dass der Rat der Nomination des Senats folgen wird – hat er doch die beiden Kandidaten selbst vorgeschlagen und betont, es handle sich um zwei gleichwertige Bewerber. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.05.2013, 22:52 Uhr

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