Ein Zwingli für den Garten und fürs Ferienhaus

Am Freitag wurden im Grossmünster elf Zwingli-Figuren versteigert, die in den letzten Monaten in den Quartieren platziert waren. Nicht alle waren gleich begehrt.

Zwinglimania: Die Polyesterfiguren waren im Grossmünster versammelt. Foto: Reto Oeschger

Zwinglimania: Die Polyesterfiguren waren im Grossmünster versammelt. Foto: Reto Oeschger

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Zwei Herren flüstern in der Kirchenbank des Grossmünsters. Sie sind von der Kirchenpflege Stäfa und legen sich eine Strategie zurecht. Sie sind sich allerdings nicht ganz einig, was ihr Ziel ist. Ausser, dass sie bei der nachfolgenden Vergantung eine der überlebensgrossen Zwingli-Figuren ersteigern wollen. Nur, welche? Bei der einen stört sie das Schwert. Der anderen fehlt der Hut. Einig sind sie sich jedoch, dass sie den Zwingli in ihrer Gemeinde herumwandern lassen möchten. Er soll mal am Panoramaweg stehen, dann wieder … «wahrscheinlich brauchen wir für jeden Standort eine Baugenehmigung», mutmassen sie.

Alles muss seine Ordnung haben. Die Versteigerungsregeln werden verteilt. Bild: Reto Oeschger

Das Grossmünster war am Abend gut besetzt – kein Wunder, es gab quasi eine Massen­predigt. Elf Zwinglis plus diverse weitere Pfarrherren waren vor Ort. Und zwar ökumenisch. Und ausgerechnet die Katholiken waren mit einer Frau vertreten: Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrates. All das brachte Zwingli möglicherweise etwas aus dem Konzept. Einer der elf hatte auf alle Fälle den Kopf verloren. Er stand kopflos vor der Kanzel.

Geld diakonisch waschen

Es gehe darum, «Geld diakonisch zu waschen», erklärte Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist, Initiant des Projektes «Zwinglistadt», das vergangenen Freitag seinen Abschluss fand. Elf der fünfzehn Zwingli-Figuren, die zwischen August und November in den Stadtkreisen standen und zu «Zwingli-Gsprööch» anregten, wurden zugunsten des Spendenparlaments versteigert.

Der Auktionator auf der Kanzel: Zum Ersten, zum Zweiten... Bild: Reto Oeschger

Den Anfang macht der Integrations-Zwingli. Die beiden Auktionatoren stehen auf der Kanzel, unten stellt ein Muppet-Zwingli die Figuren kurz vor, dann darf geboten werden. Mindestgebot 1000 Franken. Mindestschritte 100 Franken. Erst läuft es zögerlich an. 1000, 1100 … bei 1400 ruft ein Herr plötzlich «3000». Das ist die Zündung. 4000, 4500, ... dann 8000 zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Applaus. Der In­tegrations-Zwingli geht an die Dr.-Stephan-à-Porta-Stiftung.

Nicht alle Figuren sind gleich begehrt: Der Schräge-Vogel-Zwingli, der im Kreis 3 stand, löst nur 2000 Franken. Am meisten bringt der Sozial-Zwingli aus dem Kreis 4 ein. Hier überbieten sich zwei, drei Frauen immer wieder, schliesslich geht er für 9100 Franken über den Tisch.

Anpreisen: Ein Muppet-Zwingli preist die Vorzüge der jeweiligen Figuren an. Bild: Reto Oeschger

Harzig startet der Bischofs-Zwingli. Schon wird rundum leise gefrotzelt, als die Gant doch langsam Fahrt aufnimmt. Dann macht eine Frau aus einer hinteren Reihe kurzen Prozess: Von 4300 Franken erhöht sie direkt auf 6200. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Synodalpräsidentin Franziska Driessen begibt sich zum Pult, wo sich die erfolgreichen Bieter melden müssen.

Wohin kommt der Zwingli mit Bischofshut zu stehen? «Wir haben bei uns am Hirschengraben einen kleinen Garten, wo er sich sehr gut machen wird», sagt die Frau. Und fügt hinzu: Vielleicht gehe er ja auch einmal nach Chur in die Ferien. Insgesamt lösten die Figuren 56400 Franken. ­Stäfa kam nicht zum Zuschlag.

Erstellt: 07.12.2019, 11:41 Uhr

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